Göttin der Gerechtigkeit

(29.01.2014) Am Wochenende habe ich mir endlich die Zeit genommen, das Buch „HagenKunst. Kunst im öffentlichen Raum“ durchzublättern, das 2006 im Ardenku-Verlag erschienen ist und seit Weihnachten bei mir auf dem Tisch liegt. Mir war auch vorher klar, dass es in Hagen viele Kleinode gibt, an denen man täglich achtlos vorübergeht. Dass ich aber selbst vom Schreibtisch aus – je nach Sitzhaltung – auf fünf bzw. sechs Kunstwerke schaue, wurde mir da erst richtig bewusst.

Wenn ich vom Laptop aufschaue, sehe ich als erstes in die Augen einer steinernen Dame. Jetzt weiß ich – was ich vermutet habe, dass es die „Göttin der Gerechtigkeit“ ist und dass sie von dem Bildhauer Emil Cauer (1867-1946) um 1905 geschaffen wurde. Ich sehe es als gutes Zeichen, das sie in der rechten Hand ein Buch hält und mich darüber hinweg anschaut.

Lasse ich meinen Blick von der Göttin, die sich in ca. sechs Meter Höhe befindet, hinunterschweifen, lande ich bei „meiner“ Katze und einem ziemlich gruselig wirkenden Männerkopf, die über dem Portal zum Ratskeller angebracht sind. Links davon befindet sich eine Porträtbüste von Friedrich Ebert, die ursprünglich im Bürgersaal des alten Rathauses angebracht war. Das Original wurde um 1930 von Karel Niestrath (1896-1971) gefertigt, einem Künstler, von dem es in Hagener Gebäuden mehrere Büsten und an Hagener Häusern eine ganze Reihe von Hauszeichen gibt.

Friedrich Ebert

Ich könnte mir vorstellen, dass auch die beiden Figuren über dem Portal von ihm sind. In dem Buch sind Reliefs zu sehen, die der Katze sehr ähneln. Das schreibe ich gleich auf die Rechercheliste. Karel Niestrath stammt aus Bad Salzuflen, zwei seiner Werke wurden 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt und 42 seiner Werke wurden 1937 auf Geheiß der Nazis aus Museen entfernt. Der Künstler war Gründungsmitglied des Hagenrings, da werde ich am 6.2. bei der Eröffnung der Ausstellung „90 Jahre Hagenring“ doch besonders aufpassen. Vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben, ob „meine“ Katze von ihm ist oder wer sie geschaffen hat.

Fritz Steinhoff

Ganz in der Nähe der Friedrich-Ebert-Büste befindet sich das Fritz-Steinhoff-Denkmal von Walter Grüntgens (geb. 1940) aus Münster bzw. Telgte. Fritz Steinhoff war nicht nur Ministerpräsident in NRW, sondern auch viele Jahre Oberbürgermeister in Hagen. Die Bronzeplastik wurde am 29. September 1989 eingeweiht, sie zeigt den SPD-Politiker in entspannter Haltung, als diskutiere er gerade mit jemandem. Zu dieser Plastik gibt es eine nette Anekdote: Vor einigen Monaten stand ich wieder einmal vor der Figur und suchte nach einer passenden Stellung für ein Foto, als ein Mann kam und der Figur die Hand gab. „Das mache ich jeden Tag“, erklärte er mir, „außer Sonntag.“ Ehe ich nach dem Grund fragen konnte, war er schon weg. Falls jemand ihn kennt, es würde mich brennend interessieren, wie er auf diese Idee gekommen ist und warum er das macht.

Falls mir diese Kunstwerke als Inspiration nicht reichen, muss ich mich nur in meinem Schreibtischstuhl zurücklehnen und nach links schauen. Dann sehe ich unten auf dem Platz den Mataré-Brunnen, den Ewald Mataré (1887-1965) kurz vor seinem Tod, 1964/65, entworfen hat. Der Brunnen steht erst seit 2004 auf dem Friedrich-Ebert-Platz, seit der ganze Bereich neu gestaltet wurde. Bis dahin befand er sich wenige Meter weiter an der Einmündung zur Hohenzollernstraße.

Mataré-Brunnen auf dem Friedrich-Ebert-Platz

Mataré war bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten ein angesehener und erfolgreicher Künstler und Bildhauer, er wirkte am Bauhaus in Weimar und wurde 1932 an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen. Dort konnte er nicht lange bleiben, 1933 wurde er entlassen und 1934 wurden viele seiner öffentlich zugänglichen Plastiken zerstört. Im Dritten Reich sicherte er mit Aufträgen von kirchlichen Institutionen seinen Lebensunterhalt. 1945 wurde er wieder an die Kunstakademie in Düsseldorf berufen, wo er bis 1957 lehrte.

Die meisten Künstler, deren Werke ich auf einen Blick sehen kann, sind im Stadtbild von Hagen auch mit anderen Skulpturen oder Plastiken vertreten. Einige davon habe ich bereits gesehen, nach anderen werde ich bewusst Ausschau halten. Und wenn ich gerade nicht suche, dann halte ich vielleicht gedankliche Zwiesprache mit „meiner“ Göttin oder den beiden Politikern. © Birgit Ebbert

Die Katze habe ich für Facebook adoptiert,
um auch einmal ein Katzenbild zu posten
Der gruselige Herr über der Tür zum Ratskeller