(21.06.2015) Ich sage es mal so, die neue Ausstellung Objet Trouvé der Werke von Emil Schumacher ist toll – nur ich darf sie nicht noch einmal ansehen. Entweder stehe ich da, frage mich, ob die Birnen auf dem Bild bei der Verarbeitung noch  frisch oder schon verschrumpelt waren und wie die Birnen wohl zum Künstler gelangt sind und bin mitten in einer Geschichte, oder ich würde am liebsten sofort alles stehen und liegen lassen und versuchen, mit ähnlichen Materialien zu experimentieren. Mein Glasschreibtisch wäre vermutlich wenig begeistert, wenn ich ihn mit dem Hammer bearbeiten würde 🙂 Aber mit alten Manuskriptseiten ließe sich Pappmaché machen.

Objet Trouvé heißt die Ausstellung, das ist ein Fachbegriff für Kunst aus Alltagsgegenständen oder Abfällen. Schon der Titel macht neugierig darauf, welche Fundstücke aus dem Alltag Emil Schumacher in seine Kunstwerke eingebunden hat.

Nun bin ich ein Fan von Kunst, die vorhandene Materialien in den Prozess einarbeitet und etwas völlig Neues daraus schafft. Für uns heute ist das selbstverständlich, aber Emil Schumacher hat bereits in den 50er Jahren damit begonnen und 40 Jahre lang experimentiert und sich manchmal auch vom Zufall leiten lassen. Bei den Hammerbildern zum Beispiel. Der Ursprung der Serie ist die Bitte seiner New Yorker Galerie, wegen des Klimas in der Region lieber auf Leinwand statt auf Holz zu malen. Holz aber war Ende der 50er Jahre, als der Wunsch geäußert wurde, Schumachers bevorzugter Untergrund. Bei der Suche nach Alternativen entdeckte er Türblätter, diese doppelten Holzplatten, die man bei Renovierungen manchmal findet. Als er versuchte, darauf zu malen – och nee, das verrate ich jetzt nicht? Das wäre ja fast so etwas wie Spoilen beim Krimi. Also schaut bitte selbst und wenn ihr bis zum 25. Oktober keine Zeit habt, nach Hagen zu kommen, verrate ich gerne die Auflösung.

Aber die Serie der Hammerbilder ist nur eine von mehreren Reihen, die zu sehen sind. Da gibt es Baumobjekte, Collagen, Tastobjekte, Knoten und Skulpturen, viele davon werden erstmals überhaupt öffentlich ausgestellt. Bei der Suche nach Werken als Leihgaben für eine andere Ausstellung, rückten sie wieder in den Blick. Schnell entstand die Idee, sie in den Mittelpunkt einer Präsentation zu stellen, die an die letzte Ausstellung „1945 – Wiedersehen in den Trümmern“ anschließt. Während in den Werken der Nachkriegszeit die Suche nach dem eigenen Weg Schumachers deutlich wird, zeichnet sich in „Objet Trouvé“ ab, wohin die künstlerische Reise gehen wird. Die Fundstücke werden so bearbeitet, dass sich bereits erste Merkmale des späteren typischen Schumacher-Stils erkennen lassen. Und trotzdem sind die Bilder anders, teilweise leichter lesbar, was nicht bedeutet, dass man die Idee dahinter sofort erkennt, aber die Kunst weckt Assoziationen und regt auf jeden Fall an, nach- und weiterzudenken. Oder nachzulesen – in dem Katalog zur Ausstellung, der neben Abbildungen und Vorwort von Dr. Ulrich Schumacher einen aufschlussreichen Beitrag von Kurator Rouven Lotz enthält, der sich bei der gestrigen Eröffnungsveranstaltung kurz gefasst hat zugunsten des begnadeten Spiels der Pianistin Huijing Han.

Weitere Informationen zur Ausstellung: www.esmh.de