(06.02.2015) Seit fast fünf Jahren kenne ich Andrea Behnke nun und ich erinnere mich gut, dass wir bei unserer ersten Begegnung darüber sprachen, dass sie gerne auch ein Buch schreiben würde. Inzwischen hat sie die Zahl der Bücher, die man für einen Wikipedia-Eintrag braucht, längst überschritten und inzwischen gibt es ihre Kindergeschichten nicht nur zum Vorlesen, sondern auch zum Anhören und im Herbst zum Anschauen. Zeit, endlich einmal nachzufragen, wie es bei ihr mit dem Schreiben anfing und wie ihr Weg zur Autorin ausgesehen hat.

Die Freude am Geschichten schreiben hat vermutlich schon in der Grundschule begonnen. „Ich hatte kürzlich meine Aufsatzhefte aus der vierten Klasse in der Hand und war überrascht von den Geschichten“, fällt Andrea ein, als ich wissen will, wann sie ihren ersten Text geschrieben hat. Richtig gepackt hat sie das Schreiben aber erst während ihres ersten Praktikums im Studium. Damals durfte sie in der Lokalredaktion der WAZ hinter die Kulissen einer Zeitung schauen und erste Artikel schreiben. Ein schicksalsträchtiges Praktikum in vieler Hinsicht. Zum einen hat es ihr einen Dauerjob für das Studium beschert. Wenn sie am Wochenende aus Münster, wo sie Anglistik, Politik und Publizistik studiert hat, nach Hause kam, warteten immer schon Termine für die Zeitung auf sie und in den Semesterferien übernahm sie die Urlaubsvertretung der Redakteure, während ihre Kommilitonen am Fließband jobbten. Zum anderen hat Andrea in diesem Praktikum ihren beruflichen Schwerpunkt gefunden. Als sie ihr Studium begann, lag diese Ausrichtung noch nicht fest. Schon während des Praktikums war klar, dass ihre Richtung der Journalismus und das Schreiben werden würden.

Nach ihrem Studium hat sie dann sofort eine Stelle im PR-Bereich bekommen und von da an bei verschiedenen Arbeitgebern unterschiedliche Facetten von Journalismus und PR kennengelernt. Wie wir festgestellt haben, waren wir sogar zu verschiedenen Zeiten beim gleichen Unternehmen in Bochum beschäftigt. Als sie sich Ende 1999 selbstständig machte, konnte Andrea also bereits viel Erfahrung aufweisen und einige hilfreiche Kontakte. Vom Start weg hatte sie mehrere Kunden, für die sie teilweise heute noch schreibt.

In den letzten Jahren allerdings begann sich ihr Schwerpunkt zu verlagern oder besser zu erweitern. Zu den journalistischen und PR-Texten kamen Geschichten. Sie hat zwar schon immer kleine Erzählungen geschrieben – wie wir wissen mindestens seit Ende der vierten Klasse, aber bis dahin nicht veröffentlich. Heute bilden diese Geschichten ein weiteres Standbein ihrer Selbstständigkeit.

Den Startschuss für diese Entwicklung gab das erste Buch „Und was passiert dann? Geschichten erfinden mit Kindern“. Hier hat Andrea ihre Erfahrungen als Schreibberaterin für Erzieherinnen und Eltern zusammengefasst. Ja, es gibt wirklich Schreibberater, die anderen Menschen helfen, ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Das fasziniert mich sehr, sollte ich je Zeit übrig haben, möchte ich das auch lernen. Andrea hat dafür ein Aufbaustudium an der Universität Freiburg absolviert und nach dem Abschluss Menschen beim Schreiben beraten. Daneben hat sie Schreibwerkstätten durchgeführt und dabei viel Erfahrungen gesammelt. Die Schreibtipps hat sie in ihrem ersten und zwei anderen Büchern „Mein Leben als Torte“ und „Autobiografische Schreiben“ zusammengefasst. Aber man erlebt in Schreibworkshops darüber hinaus auch das eine oder andere und das – meine Vermutung! – finden wir in ihren einfühlsamen und teils skurilen Kurzgeschichten wieder. Mir mangelt es ja nun nicht gerade an Fantasie, aber ich bin immer wieder verblüfft, welche Erlebnisse Andrea Kindern andichtet. Manches kann man nicht erfinden – außer man steckt im Kopf von Andrea Behnke, die es immer schafft mit ihrer ganz eigenen Sprache in wenigen Worten oder Sätzen Welten in den Gedanken der Leser und Zuhörer zu erzeugen.

Dass Andreas Geschichten etwas Besonderes sind, haben inzwischen auch Verlage und Rundfunksender festgestellt. Im Herder Verlag hat sie eine eigene kleine Reihe mit Vorlesegeschichten für die Kita, bei Persen eine Reihe mit Sachgeschichten für Leseanfänger und bei Don Bosco sind unter dem Titel „Oma war eine Seeräuberin“ Erzählungen rund um das Zusammenleben von Jung und alt erschienen. Mit „Die Frau mit Bart“ ist derzeit Andreas erste Hörgeschichte im SWR noch zu hören, eine witzige Geschichte darüber, wie Kinder mit Anderssein umgehen. Im Herbst wird sogar die erste Guckgeschichte, sprich: das erste Bilderbuch, von Andrea Behnke erscheinen.

Für Kinder hat Andrea damit alle Kanäle genutzt, im Internet findet sich natürlich auch die eine oder andere Geschichte wie „Die tragische Geschichte der Nacktschnecke“. Bleibt ihr als nächstes Ziel, ähnlich erfolgreich Geschichten für Erwachsene zu schreiben. Im Hörfunk hatte sie ihr diesbezügliches Debüt bereits am 20.10.2013 in der WDR-Reihe Lebenszeichen mit „Wenige Buchstaben, die die Welt verändern“. Wenn ich mir anschaue, was sich seit unserem ersten Gespräch getan hat, bin ich ganz sicher, dass ich in den nächsten Jahren noch gelegentlich über die eine oder andere Neuerscheinung – auch für Erwachsene berichten werde. Ich warte, Andrea! © Birgit Ebbert

Weitere Informationen über Andrea Behnke: www.andreabehnke.de