Kulturkonferenz(03.10.2017) Nun habe ich also auch endlich eine Hagener Kulturkonferenz, mit einem Fazit tue ich mich allerdings schwer. Schon als ich die Pressemeldung erhielt, habe ich mich gefragt, wieso ich von einer 1. und 2. Kulturkonferenz nichts mitbekommen habe. Ich weiß es jetzt auch noch nicht, allerdings weiß ich, dass auch dieses Mal viele Kulturschaffende nichts von dem Termin wussten, folglich waren bei der Konferenz am 30. September vor allem Vertreterinnen und Vertreter der städtischen Kulturinstitute anwesend.

Der Kulturentwicklungsplan der Hagener Kulturinstitute

Als ich den Titel des ausliegenden Kulturentwicklungsplans las: „Kulturentwicklungsplan der Hagener Kulturinstitute“ ergab es für mich Sinn, dass vor allem die städtischen Institutionen vertreten waren und ich fühlte mich sofort fehl am Platz. Ich bin dennoch geblieben, da ich so schön zwischen den Damen der Stadtbücherei saß, aber ein Störgefühl blieb. Und das hat sich auch nach der Veranstaltung nicht gelegt. Um herauszubekommen, woher das Störgefühl kommt, habe ich in Kulturentwicklungspläne anderer Städte geschaut. Siehe da, sie beziehen sich schon im Titel auf die Stadt, zum Beispiel „Kulturmetropole am Rhein. Kulturentwicklungsplan für Köln“ und nicht auf die Kulturinstitute der Stadt. Das mag manchem wie Erbsenzählerei vorkommen, aber für mich als Frau der Sprache ist ein „Kulturentwicklungsplan für die Stadt Hagen“ etwas anderes als ein „Kulturentwicklungsplan für die Kulturinstitute der Stadt Hagen“. Zumal sich dieser Schwerpunkt in dem 38-seitigen Papier wiederfindet – da werden auf elf Seiten ausführlich die städtischen Einrichtungen vorgestellt, das „nicht-städtische Kulturangebot“ umfasst eine Seite, aber ich finde dort weder das Theater an der Volme noch das Emil Schumacher Museum, weder den Hagenring noch die Kooperative K, weder das Kunst- und Atelierhaus noch das Hagener Kurzfilmfestival Eat my Shorts, weder das Zwiebackmuseum noch das Springefest … – ich könnte die Liste sehr weit fortführen. Nicht einmal in der Bestandsaufnahme im Anhang findet sich in dem Kulturentwicklungsplan. Allerdings will die Stadt ein „Verzeichnis der Kulturschaffenden in Hagen auflegen“, bis dahin gibt es nur die „im Rahmen des bürgeroffenen Prozesses erarbeitete Aufstellung“ aus dem Februar 2016, deren „Weiterentwicklung und Pflege wird jedoch nurmöglich sein, wenn die entsprechenden Ressourchen zur Verfügung gestellt werden können, die ja – wie der Titel des Kulturentwicklungsplans verrät – eigentlich nur für städtische Kulturinstitute da sind. Kurzum: Ich war schon nach Durchsicht des Plans enttäuscht, dass die Stadtverwaltung die Hagener Kulturvielfalt nicht abgebildet hat. Sieht sie sie vielleicht nicht? Motivierend für freie Kulturschaffende ist das jedenfalls nicht.

Die Kulturkonferenz im Rathaus

Nach diesem ersten Eindruck hat es mich nicht gewundert, warum so wenig freie Kulturschaffende und – wenn ich es richtig gesehen habe – kein Vertreter einer nicht-städtischen Einrichtung vertreten war. Und das, wo das Ziel der Kulturkonferenz die „Vernetzung“ der Kulturschaffenden sein sollte. Allerdings war die Zeit für die Vernetzung auch eher eng bemessen, da für den nur Vorträge vorgesehen, Frau Kaufmann gab einen kurzen Abriss über den Kulturentwicklungsplan, Dr. Yasemine Freigang vom LWL stellte das Konzept der Kulturkonferenzen vor und Dr. Michael Esch skizzierte Kultur und Kulturentwicklung aus der Sicht des Kultursekretariats. Das war mal mehr, mal weniger interessant, half für das Thema Vernetzung allerdings wenig. Die sollte nach der Mittagspause stattfinden. Das sah so aus, dass sich die Projekte in drei Sitzungsräumen verteilten, um dort den Interessenten im Gespräch ihr Projekt vorzustellen. Dass ich mir diese Vernetzung anders vorgestellt habe, lag sicher an mir, wobei ich in Gesprächen herausgehört habe, dass es anderen Besucher ähnlich ging.

Die Projektbörse der Kulturkonferenz

Aber nun gab es diese Form der Projektbörse, also habe ich mich darauf eingelassen und zumindest mit denjenigen Projektleitern gesprochen, deren Vertreter ich noch nicht persönlich kannte und dann das Geschehen beobachtet. Dabei fiel mir auf, dass an beiden Projektplätzen längst nicht alle Teilnehmer vorbeikamen oder das Gespräch gesucht haben. Zum Glück durften sich die Projekte dann doch noch kurz im Plenum vorstellen, allerdings waren die Zuhörerreihen da schon deutlich ausgedünnt. Das waren die Projekte, die sich präsentiert haben:

  • Hagener Kammerorchester (sucht Sponsoren, Räume, neue Musiker)
  • Kunst vor Ort (sucht Mitstreiter zur Gründung eines Vereins, Mitgestalter der Kunstaktionen für Kinder, Materialien für die Kunstaktionen, Sponsoren)
  • Ihsan Alisan Project (sucht Sponsoren und Hausbesitzer, um seine Initiative der Urban Art in Hagen voranzutreiben)
  • Stadtbücherei Hagen (sucht Vorlesepaten und Sponsoren für zwei Leseförderungsprojekte in Kindergarten und Grundschule)
  • AllerWeltHaus Hagen (sucht Begleiter und Ideen im Prozess, das AllerWeltHaus neu zu erfinden und Unterstützung dafür, dass der Mietvertrag 2019 verlängert wird)
  • Impuls Hagen (sucht Unterstützer für ein reales und/oder virtuelles Haus der Kunst in Hagen)
  • Studie zur Erreichbarkeit türkischstämmiger Hagener (Dr. Köseoglu sucht finanzielle und ideelle Unterstützung für eine solche Studie)

Mein Fazit zur Kulturkonferenz

Sagen wir es mal so: Ich hatte einen netten Tag, weil ich den einen oder die andere wiedergetroffen und mit ihnen geplaudert habe. Und ich kann jetzt kann verstehen, warum die Künstler und Kulturschaffenden, die ich bei der Kulturkonferenz erwartet habe, nicht anwesend waren. Möglicherweise lag es auch ganz einfach daran, dass sie zu der Zeit mit Kultur ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. Nebenbei bemerkt, weil eine städtische Mitarbeiterin meinte, den Tag könne man sich wohl freischaufeln – wir freien Kulturschaffenden wie auch die Ehrenamtler können niemanden die Zeit der Kulturkonferenz als Überstunden aufschreiben. Und wenn die erste beiden Konferenzen waren wie die dritte, kann ich gut verstehen, dass die Künstler und Kulturschaffenden, die ich im Vorfeld angesprochen hatte, nicht noch einmal teilgenommen haben. Mitgenommen habe ich – das muss ich leider so hart formulieren – nichts außer Anregungen und Wünsche für weitere Kulturkonferenzen und die Kulturentwicklung über die städtischen Institute hinaus:

  • Kulturkonferenz: persönliche Einladungen an die Kulturschaffenden zusätzlich zum Presseaufruf, Namenschilder und Teilnehmerliste mit Wünschen der Anwesenden nach Unterstützung sowie Gelegenheit zur Vorstellung und sei es nur in Form eines Elevator Pitches
  • Vernetzung: Aufbau einer Plattform, in der sich Hagener Kulturschaffende präsentieren können, das muss nicht immer eine aufwendig programmierte Datenbank sein, was Nicole Schneidmüller-Gaiser mit ihrer Facebook-Gruppe fürs Kuchen backen für Veranstaltungen gelingt, müsste doch für den Kulturbereich auch möglich sein. Man darf nicht immer auf Ressourcen warten, gerade in einer Stadt, die keine finanziellen Ressourcen vorhanden sind, ist Kreativität gefragt.

Ein Nachtrag in eigener Sache

Und übrigens, weil ich kürzlich von einem Kulturverantworlichen der Stadt gefragt wurde, was ich eigentlich mache: Ich bin freie Autorin, sprich: freie Kulturschaffende, und schreibe außer Büchern auch Artikel, Reportagen, Kurz- und Erinnerungsgeschichten im Auftrag von Stiftungen, Verbänden, Unternehmen und Agenturen. Man kann mich für Workshops buchen und mit Texten aller Art beauftragen. Und ich finde es wichtig, auf die positiven Dinge zu schauen, was mir bei der Kulturkonferenz wirklich schwer gefallen ist, weil ich so enttäuscht war, gerade weil Kultur in all seinen Facetten für mich ein wichtiger Aspekt der Stadt Hagen ist. Aber vielleicht lernen die Verantwortlichen aus dem, was nicht so gelungen war. Für Hagen wäre das schön und wichtig. © Birgit Ebbert