Geistesblitz(16.04.2020) Als ich klein war, wollte ich zunächst Kindergärtnerin werden und dann Schriftstellerin. Wenn ich aber heute auf mein Berufsleben zurückblicke, war ich immer dann am glücklichsten, wenn ich meine Ideen entwickeln und umsetzen durfte. Würde mich jemand heute nach meinem Traumberuf fragen, wäre es „Ideenlieferantin“. Einen Beruf, den es leider nicht gibt. Gelegentlich träume ich davon, ein „Ideenatelier“ zu gründen, aber wer bezahlt für Ideen? Gerade heute, wo jeder Sätze, Bilder, Ideen anderer schnell in den sozialen Medien postet und nicht wenige Unternehmen erst einmal die Ideen anderer nachmachen, ehe sie etwas Eigenes entwickeln. Ja, es gibt eine Gleichzeitigkeit von Ideen, Gedanken, die in der Luft liegen, aber trotzdem.

Wenn Geistesblitze andere inspirieren

Seit ich aber Bücher schreibe, habe ich leider wiederholt erlebt, dass Verlage meine Vorschläge in ihren Ideenpool aufnehmen und in der Redaktion realisieren oder von Hausautoren umsetzen lassen. Das erste Mal ist mir das passiert, als ich während meiner Arbeitslosigkeit 2004 verschiedenen Verlagen ein Konzept für einen Elternratgeber zur Leseförderung anbot. Da antwortete mir ein renommierter Verlag, man hätte meine Gliederung an die Hausautorin weitergegeben und die würde sich dann ggf. bei mir melden. Hat sie bis heute nicht und das Buch, in dem ich viele Teile meiner Gliederung wiederfand, ist inzwischen schon vergriffen.

Naja, kann man sagen, unaufgefordert eingesandte Konzepte, da muss man damit rechnen. Das finde ich nicht, aber ich habe auch erlebt, dass ich ein Buch in der Buchhandlung entdeckte und mir dachte, daraus könnte man doch eine Fortsetzung mit dem Thema Schule und Lernen machen. Ich habe mit dem Verlag Kontakt aufgenommen, der interessiert war und mich aufforderte, ein Konzept und Probeseiten zu verfassen. Habe ich gemacht, sehr ausführlich und man war auch angetan, aber – nachdem ich das alles abgeschickt hatte, teilte man mir mit: Ganz zufällig hätte die Autorin des ersten Bandes genau die gleiche Idee gehabt und da würde man doch ihr den Vorzug geben. Kann sein, aber ein Geschmäckle bleibt, zumal der Titel des veröffentlichten Buches exakt meinem Vorschlag entspricht.

Und dann war da noch das Buch, über das ich mit jemandem gesprochen habe, der meinte, das passe gut zu einer Idee, über die man mit einer anderen Autorin im Gespräch sei und man könnte uns gut zusammenbringen. Wenige Monate später wurde mir gesagt, das Thema der anderen Autorin ginge doch in eine andere Richtung, aber man würde mich auf jeden Fall im Vorwort oder an geeigneter Stelle erwähnen. Einige Monate vergingen und dann bekam ich die Einladung zur Präsentation eines Buches mit exakt meinem Titel – muss ich noch erwähnen, dass mein Name in dem ganzen Buch nicht auftaucht?

Schließlich gab es da das Gespräch auf der Buchmesse nachdem mein Elternratgeber „100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte“ erschienen war. Mit der Redakteurin eines renommierten Verlags, Marktführer in seinem Segment, sprach ich über eine Modifikation des Titels mit Blick auf das Programm des Verlages. Wir tauschten Visitenkarten aus, mir wurde zugesichert, man prüfe das Thema und melde sich. Ein Jahr später entdeckte ich eben meine Idee auf der Buchmesse – von einer Hausautorin verfasst.

Und ich bin da längst kein Einzelfall. Ich kenne einige KollegInnen, die genau dasselbe erlebt haben. Ideen lassen sich leider nicht schützen wie Gebrauchsmuster, Buchtitel oder Patente. Trotzdem bleibt der Wunsch für ein Ideenatelier in meinem Herzen, mal sehen, ob ich es irgendwann realisiere – oder jemand anders nach der Lektüre dieses Beitrags schneller ist! © Birgit Ebbert

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