(03.02.2018) Die Premiere von „Geld oder Lady“ ist bereits eine Woche her und ich bin schon mehrmals gefragt worden, ob mir das Stück nicht gefallen hat, weil ich nichts geschrieben habe. Daher vorweg: Doch das Stück war witzig, die Schauspieler klasse und das Publikum, darunter eine Gruppe, die noch nie zuvor im Theater an der Volme, war begeistert. Durch den Besuch der Paperworld am Tag nach der Premiere, die Restarbeiten an drei neuen Büchern und die Erledigung von drei neuen Aufträgen habe ich es schlichtweg nicht geschafft, meinen Beitrag zu schreiben. Aber jetzt!

Die Story vom Banküberfall

Durch einen dummen Zufall haben sich Manager Karsten Clyne und Muttersöhnchen Carsten Klein mit einem Faible für Witze kennengelernt. Carsten mit C schildert Karsten mit K die Vorzüge und Chancen einer Katzenzucht und Manager-Karsten wittert gleich das große Geschäft. Er kündigt seinen Job und widmetesich fortan auf einem alten Bauernhof der Katzenzucht. Ohne Erfolg. Nach einem Jahr sind seine Ersparnisse aufgebraucht und der Geldsegen für Katzenbabys bleibt weiterhin aus. Das bringt die beiden auf die Idee, sich durch einen Banküberfall das nötige Kapital zu verschaffen. Gesagt, getan, die beiden stürmen eine Bank und treffen dort auf Bankerin Liane, die sich über die Abwechslung in ihrem sonst eher eintönigen Alltag freut, und Kundin Estelle, die sich als Manager-Karstens Exfrau entpuppt. Und da beide Frauen unerschrocken den Bankräubern Paroli bieten, entspinnt sich eine skurrile Szene, die der Zuschauer verfolgen kann.

Die Bühnenumsetzung von Geld oder Lady

Ich gebe zu, mir enthielt das Stück ein paar Witze zuviel, aber da war ich, wie ich bei der Premierenfeier mitbekam, vermutlich die einzige. Aber hinter der Kamera fiel das nicht so auf und da die Witze absichtlich extrem waren, um die Figur von Carsten Klein zu charakterisieren, und bewusst aus der Klamottenkiste kamen und Erinnerungen an die Kindheit hervorriefen, war auch die Masse ok. Zumal Simon Jakobi die Witze so erzählte, dass die Situationen herrlich waren. Vor allem aber finde ich die vielen Witze entschuldbar, weil sie in eine überaus gelungene Inszenierung eingebunden waren. Indra Janorschke hat die Story in einer Mischung aus zum Publikum gewandten Monologen und Spielszenen inszeniert, einer neuen Art des Theater, die ich so im Theater an der Volme bisher nicht gesehen habe und die zeigt, dass die Theatermacher dort ihr Handwerk wirklich beherrschen. Auf diese Weise erinnerte die Aufführung an episches Theater, übertragen auf unsere heutige Zeit – witzig, skurril, fast trashig. Man könnte sich vorstellen, dass das Stück, so verrückt es ist, zu einem Kult-Stück wird. Zumal die Darsteller ihre Rollen überzeugend ausfüllen, was leichter klingt als es ist, schließlich ist es deutlich einfacher Dialoge aufs Stichwort zu bringen als Monologe scheinbar beiläufig als spontanen Einfall darzubringen. Dario Weberg war natürlich wieder köstlich als Bankräuber, Kerstin Menzebach war herrlich komisch in ihrer Rolle als frisch in Liebe entflammte Bankkaufrau und Susanne Schönlau nahm man ihre forsch-pragmatische Ex-Manager-Gattin jederzeit ab. Ein witziges Stück ohne Tiefgang, darauf sollte man sich einstellen, in einer außergewöhnlichen Inszenierung, die man gesehen haben sollte. © Birgit Ebbert

Weitere Termine: 11.02., 17.02., 01.03., 02.03., 03.03., 12.04.

Weitere Informationen: www.theaterandervolme.de