Frühling(20.03.2018) Gestern hatte ich wieder meine ganz besondere Schreibwerkstatt, ich schreibe mit Migrantinnen in Hagen Sätze, Gedichte und Geschichten über die Welt und ihr Leben. Das ist so spannend!

Schon die Lebensgeschichten der Teilnehmerinnen sind Stoff für Romane! Natürlich bekomme ich nur einen kleinen Abriss mit, aber schon davon bin ich beeindruckt. Dabei wird mir noch einmal hautnah deutlich, in welcher Situation sich Migrantinnen und Flüchtlinge befinden. Unter den bisherigen Teilnehmerinnen sind eine Journalistin, eine Bibliothekarin, eine Hausfrau, eine Lehrerin und die Besitzerin einer Boutique, zumindest waren sie das in ihrem früheren Leben. Na gut, die Hausfrau hat ihre Aufgabe behalten, aber die anderen dürfen und können bei uns nicht arbeiten und müssen sich neu orientieren. Sie kommen aus Polen und Armenien, Iran, Afghanistan und Syrien und haben ganz unterschiedliche Motive, nach Deutschland zu kommen, weil sie vor dem Krieg fliehen wollten oder politisch verfolgt wurden, aber auch weil der Mann nur hier Arbeit gefunden hat. Das Spektrum der Leben und Motive ist weit, aber allen ist gemeinsam, dass sie sich eine zweite Heimat aufbauen wollen und dass sie etwas tun möchten statt herumzusitzen und zu warten, bis sich das Leben von selbst ergibt. Und sie wollen die Sprache lernen. Da gleich mit Geschichten einzusteigen, ist eine besondere Herausforderung, der sie sich stellen – ich bin schon von den ersten Texten begeistert und gespannt, was noch entstehen wird.

Alles ist gar nicht so anders

Gestern habe ich das Thema Frühling vorgegeben und erntete sofort strahlende Gesichter. Was ich nicht wusste, dass in einigen Herkunftsländern, im Iran und Afghanistan, der Frühling eine besondere Bedeutung hat, denn dort beginnt das neue Jahr am Frühlingsanfang. Sie feiern also heute Neujahr und begannen sogleich davon zu schwärmen, wie Neujahr begangen wird. Noruss heißt dieser Tag, an dem es in den jeweiligen Ländern 13 Tage Ferien gibt. In dieser Zeit besucht man sich gegenseitig, verbringt Zeit in der Natur und grillt. „Bei uns wird viel gegrillt“, erklärte mir eine der Teilnehmerin. Sie schilderte auch den Brauch, dass drei Wochen vor Neujahr Bohnen in einen Blumentopf gegeben und mit Wasser bedeckt werden. Am Neujahrstag ist daraus ein Blumentopf voller Grün entstanden. Einen ähnlichten Brauch kannte die Teilnehmerin aus Armenien für die Osterzeit und ich habe erst kürzlich eine Geschichte über einen Brauch aus dem Libanon geschrieben, bei dem in der Adventszeit Erbsen ins Wattebett gelegt werden, damit sie Weihnachten grünen. Und ist nicht unser Barbarazweig eine Variation dieses Brauches. „Irgendwie ist ja doch alles gleich“, stellte eine Teilnehmerin fest.

Neujahrsbräuche im Afghanistan und Iran

Sehr fasziniert hat mich der Brauch aus dem Iran zum Neujahrstag einen symbolischen Tisch zu denken mit sieben Dingen aus der Natur, die mit S beginnen. In Afghanistan stellt man zwei Tage vor dem Neujahrstag ein Getränk her, indem man sieben Nüsse, wozu auch Rosinen gezählt werden, zusammen mit Kardamon in ein Gefäß gibt und Wasser oder daraufgießt. Dieser „Nusstopf“, wie ich ihn jetzt mal einfach nenne, wird den Neujahrsgästen angeboten. Ach ja, und gebacken wird zum neuen Jahr. Da kann ich mitreden, im Münsterland werden traditionell Neujährchen oder Eiserkuchen gebacken und Besuchern während der „Kokedage“ zwischen Weihnachten und Dreikönig angeboten. Und ich erinnere mich, dass meine Freundin aus der Eifel an Neujahr immer einen Hefekranz anbot. es ist wirklich so: Alles ist irgendwie gleich. Ich bin gespannt, was ich noch lernen werde. © Birgit Ebbert