Eingang zum Stauffenberg-Schloss in Lautlingen

(19.09.2013) Endlich darf ich es verraten. Die letzten drei Monate habe ich mich manchmal gefühlt wie früher vor Weihnachten, wenn ich meinem Vater bei der Auswahl des Geschenks für meine Mutter geholfen hatte und nichts verraten durfte. Jetzt darf ich es sagen: Im November werde ich zehn Tage als Albschreiberin in Albstadt sein.

Alles begann vor ein paar Monten, als ich im Uschtrin-Newsletter, den vermutlich jeder Autor abonniert hat, die Ausschreibung der Stadt Albstadt zum „Albschreiber“ las. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich mir gesagt habe: „Da willst du hin!“
Natürlich hat mich auch die Aufgabe gereizt und die überschaubare Zeitspanne, die ich mit meinem Lerncenter-Alltag verbinden kann. Am meisten gelockt hat mich aber die Vorstellung, wieder einmal zehn Tage im Ländle zu verbringen.* Wieder Schwäbisch zu hören und echte Maultaschen zu essen. Das hat mich motiviert, noch am gleichen Tag meine Bewerbung abzuschicken.

Was ein „Albschreiber“ ist? Kein Verfasser von Albträumen! Der Albschreiber ist so etwas wie ein Stadtschreiber von Albstadt. Er nimmt eine begrenzte Zeit am Leben der Gemeinden von Albstadt teil, schreibt, liest und kommentiert die dortigen Ereignisse und dokumentiert die Albstädter Literaturtage. Das habe ich mir aus den Informationen, die ich bisher erhalten habe, zusammengereimt.

Meine schwäbische Fachliteratur

Fünf oder sechs Wochen nach Ende der Bewerbungsfrist und drei Monate (!) nach meiner Bewerbung hatte ich gar nicht damit gerechnet, dass ich ausgewählt werden könnte. Und dann lag eines Abends ein unscheinbarer Umschlag in meinem Briefkasten. Ich dachte noch: „Jaja, die Schwaben, die können es sich leisten, auch Absagen per Post zu schicken.“ Dann las ich den Brief und war sprachlos vor Freude. Am liebsten hätte ich gleich gepackt, aber so schnell geht es auch nicht. Es kam ein Vertrag und selbst als ich den unterschrieben hatte, durfte ich  nichts verraten. Das einzige, was ich tun konnte, war meine schwäbische Fachliteratur hervorzuholen und zu googlen, was Mitte November in Albstadt los sein wird und  wer die letzten Albschreiber waren:

2007 Sobo Swobodnik
2009 Ulrike Ulrich
2011 Peter Rother
2012 Manfred Mai

Und nun ich. Obwohl ich es schon länger weiß, zappele ich vor Freude noch immer. Ab jetzt werde ich Augen und Ohren besonders aufsperren, wenn ich „Albstadt“ höre und freue mich natürlich über jede Info und Anregung. Die Albstädter Facebook-Seiten habe ich gleich mal geliked und natürlich folge ich ab sofort den Albstädtern, die ich bei Twitter finde. Schließlich will ich gut vorbereitet sein, wenn ich am 13. November anreise.
Im Sommer war ich schon einmal zum Spickeln in Albstadt. Wir haben besprochen, was von mir als Albschreiberin erwartet wird. Langeweile werde ich keinesfalls haben, zumal ich festgestellt habe, dass es in Lautlingen ein Stauffenberg-Schloss gibt mit einer Gedenkkapelle für Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seinen Bruder Berthold Schenk Graf von Stauffenberg. Die Gunst, ein wenig auf den Spuren des Widerstandskämpfers zu wandeln, kann ich mir nicht entgehen lassen. Wer weiß, vielleicht recherchiert meine Karina aus „Brandbücher“ im nächsten Roman sogar in Albstadt. © Birgit Ebbert

*Erklärung für alle, die in meiner Vita nicht so zu Hause sind: Ich habe zehn Jahre in der Nähe von Stuttgart gelebt, vor allem in Stuttgart gearbeitet und Vorträge in ganz Baden-Württemberg gehalten. Sogar in Albstadt war ich vor ca. 20 Jahren zu einer Veranstaltung der VHS.

Artikel Zollernalbkurier