Nach Theater und Film stand am Samstag eine Buchpräsentation auf dem Programm. In Hagen steppt gerade der Kulturbär, bis zum 8.12. darf ich noch mitsteppen, danach geht es an den nächsten Roman. Am Samstag also die Präsentation des Buches „Goggo, Gummibaum & Nierentisch“, herausgegeben vom Hagener Heimatbund in Kooperation mit dem Ardenku-Verlag.

Alle die jetzt einen Beitrag über „GoGo“ erwarten, muss ich enttäuschen. Ein Goggo ist kein Girl, das auf dem Tisch tanzt, sondern ein Auto, das in den 50er Jahren seine Triumpfe feierte. Ich wusste sofort, um was es ging, hat doch mein Vater immer von den Fahrten in seinem ersten Auto, einem „Goggomobil“ geschwärmt. Er wäre begeistert gewesen, wenn er die Bilder gesehen hätte, die Jens Bergmann, Vorsitzender des Hagener Heimatbundes, präsentiert hat. Alle aus dem Buch und mehr als einmal ging ein Raunen durch das vollbesetzte Café bei Thalia, weil sich der eine oder die andere wiedererkannte oder an eigene Erlebnisse erinnerte.

Zuvor hatte Professor Sollbach von der Uni Dortmund uns darauf hingewiesen, dass die 50er Jahre nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv Wunderjahre waren, ein Indiz dafür ist die Arbeitslosenquote. Gab es Anfang der 50er Jahre noch 11 % Arbeitslose, sank der Anteil bis Ende des Jahrzehnts auf 1,3 % und 1961 waren es nur noch 0,8 %, die nicht in Lohn und Brot standen. Kein Wunder, dass Gastarbeiter ins Land geholt wurden. Gab es doch mehr Arbeit als Werktätige.

Der damalige Wirtschaftsminister Erhardt konnte sein Versprechen „Wohlstand für alle.“ noch einhalten, selbst Autos und Einfamilien-Häuschen wurden durch die steigenden Löhne erschwinglich.

Was Professor Sollbach theoretisch erläuterte, bekam bei dem Bildvortrag von Jens Bergmann ein Gesicht. Die ersten Modenschauen – von der Konzertmuschel aus, die in den 50er Jahren gebaut wurde. In den 50er Jahren wurde auch das Parkhaus wieder in Betrieb genommen, dort wurden so manche Tanzbeine geschwungen, denn die Menschen wollten sich nach den mageren Jahren unterhalten. Sie gingen ins Kino. „Manchmal sogar zweimal am Tag“, wie mir meine linke Nachbarin zuflüsterte. Sie erinnert sich auch gut daran, wie sie bei Radio Schilling in der Kabine saß, um Schallplatten zu testen, ehe eine gekauft wurde. „Wir hörten gerne Klassik“, betont sie noch. Was es alles gab? Ich sitze da und staune – gelegentlich darüber, was alles in den 50er Jahren aufkam, gelegentlich darüber, dass ich mich noch an das eine oder andere Vergleichbare im Münsterland erinnern kann, obwohl ich doch erst nach den 50er Jahren geboren bin. Sollten die Uhren dort wirklich etwas langsamer gehen oder gegangen sein?

Jetzt weiß ich endlich, wie das Gloria aussah

Für mich als Autorin waren natürlich die vielen kleinen Geschichten, die Jens Bergmann einstreute, interessant. Die vom Einbruch ins Schmuckgeschäft, bei dem die Diebe einfach das Pappdach mit einem Dosenöffner geöffnet haben oder die mit den Geschenken für die Polizisten, die auf der Kreuzung Körnerstraße/Badstraße den Verkehr regelten. Rippenstoß von meiner Freundin rechts neben mir. „Auf dem Emilienplatz stand auch ein Verkehrspolizist, als ich klein war“, wispert sie mir zu. Wir sind der gleiche Jahrgang und ich versuchte mich krampfhaft zu erinnern, ob ich als Kind einen Verkehrspolizisten erlebt habe. Dafür fiel mir ein, wann in Borken die erste Ampel aufgestellt wurde, doch das ist eine andere Geschichte. In der Präsentation sind nun meine linke Nachbarin als junge Frau und ihre Freundin zu sehen. Vor ihnen die klassischen Häppchen jener Zeit. Bei dem Anblick des Pickers mit Schwarzbrot-Käse-Schwarzbrot bekam ich Hunger, der noch verstärkt wurde, als Jens Bergmann von Buttercremetorte sprach. Das wär’s gewesen. 50er-Jahre-Häppchen zur Präsentation, zumal die länger dauerte, als ich gedacht hatte – zum Glück wartete in der Innenstadt schon der Weihnachtsmarkt auf Gäste.

Die Bilder wurden übrigens von Mitgliedern des Heimatbundes in fast drei Jahren gesammelt, gesichtet und eingescannt. Die Fotos in dem Buch sind eine Auswahl der Fotos, die nach einem Aufruf in den Hagener Medien 2011 von Bürgern eingereicht wurden. Die eingereichten Bilder wurden alle gescannt und archiviert, sodass sie für Forschungen und Nachforschungen zur Verfügung stehen.

Die Daten zum Buch: Hagener Heimatbund (Hrsg.): Goggo, Gummibaum & Nierentisch. HagenSpiegel – die 50er Jahre. Ardenkuverlag. Weitere Informationen: www.ardenkuverlag.de © Birgit Ebbert