(14.08.2019) Im Herzoglichen Museum ist seit dem 4. August die Ausstellung „Gotha und die englische Krone. Porträt(s) einer dynastischen Beziehung“ zu sehen. Die Bilder, Grafiken und anderen Exponate vermitteln einerseits ein Bild von den Vorfahren des englischen Königshauses, sie zeigen die engen Verflechtungen zur Stadt Gotha und sie verraten aber auch, dass bereits vor Jahrhunderten das Bild als Mittel der Selbst-PR und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt wurde. Kuratorin Julia Horn hat diese Zusammenhänge beim Eröffnungsrundgang sehr gut erklärt und damit gezeigt, dass es sich doch immer lohnt, eine Ausstellung mit der Kuratorin oder dem Kurator zu besuchen.

Die englische Verwandtschaft

Schon, um die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Adelshäusern, deren Bezeichnungen ja auch ständig änderten, zu verstehen, braucht man ein Geschichtsstudium oder viel Zeit. Ganz ehrlich, soooo wichtig sind mir Königs nun auch nicht, dass ich da tiefer eintauchen werde. Soviel habe ich verstanden, Königin Victoria, deren Mutter Deutsche war, und ihr Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha waren Cousine und Cousin, was bei ihrer Heirat 1840 aber niemanden störte. Als ich jetzt noch einmal versucht habe, die Zusammenhänge zu entschlüsseln, begegnete mir ein Bild von Queen Victoria, allerdings als ältere Dame, und ich habe festgestellt, dass ich – bis zu der Ausstellung – Königin Victoria immer nur alt im Kopf hatte. Vermutlich weil sie so lange Königin war, von 1837 bis zu ihrem Tod 1901. Die englische Familie hat sich 1917 umbenannt, nachdem in Gotha gebaute Bomber, die auch noch Gothaer genannt wurden, im ersten Weltkrieg auf England fielen. Die heutigen Windsors haben also deutsche Wurzeln!

Bilder als PR-Maßnahme

Eigentlich ist es klar, dass im 19. Jahrhundert Gemälde, Stiche oder Grafiken genutzt wurden, um sich bekannt zu machen und damit natürlich auch eine Botschaft zu vermitteln. Das fing schon bei der Vermittlung von Bräuten an. Der künftige Bräutigam und seine Eltern wollten wissen, wie die künftige Königin oder Prinzessin aussah. Also wurden – tinder-ähnlich 🙂 – kleine Gemälde angefertigt, vervielfältigt und herumgeschickt. Die Bilder von Victoria und Albert sind in der Ausstellung zu sehen, da kann man sich überlegen, ob man sie oder ihn auch genommen hätte 🙂 Aber auch, wenn es dann zu einer Krönung – in diesem Fall von Victoria 1837 – gekommen war, mussten Bilder her, um dem Volk zu vermitteln, wie die neue Königin ist. In Victorias Fall war das besonders schwierig, denn sie war nicht einmal 20 Jahre alt und manch einer wird sie für zu jung befunden haben. Deshalb zeigt ein Bild in der Ausstellung sie sehr weiblich, aber für meine Verhältnisse älter als sie war. Ein anderes Bild zeigt sie in Uniform-Kostüm mit zurückgebundenen Haaren auf einem Pferd, für damalige Zeit mit einer deutlich männlichen Konnotation. Das Krönungsfoto hingegen wirkt sehr pompös, wohl auch für die Menschen damals zu pompös. Was schließlich dazu führte, dass sie nach ihrer Heirat und den ersten Kindern vor allem im Kreise der Familie abgebildet wurde – als „Mutter“ der Nation sozusagen. Sehr lustig die Anekdote zu dem Bild „1. Mai“, auf dem der Patenonkel dem kleinen Prinzen Arthur eine Schatulle überreicht. Das Bild war von Prinz Albert arrangiert und beauftragt und sollte an die „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ erinnern. (:-( – ich habe vergessen es zu fotografieren, das reiche ich nach!) 20 Jahre später soll sich Prinz Arthur nach dem Verbleib der Schatulle erkundigt haben, die in Wirklichkeit nur ein Kinderspielzeug war. 🙂

Ein Exponat werde ich mir noch genauer anschauen, ein Souvenirblatt zur Erinnerung an den Besuch von Queen Victoria in Gotha. Unter anderem hat sie die Schützengesellschaft besucht, ob es die gleich ist, die mich eingeladen hat? Auf jeden Fall steht mein Besuch noch an, dann werde ich nachfragen 🙂 Interessant fand ich die letzten Exponate der Ausstellung, Becher und Vasen mit dem Foto von Königin Victoria, die 1901 verstorben ist. Merchandising ist also keine Erfindung unserer Zeit, das ist mir da wieder einmal klar geworden. Eine wirklich interessante Ausstellung mit 50 Blättern und Fotografien und weiteren Gemälden, Miniaturen, Medaillen und Kunstgegenständen sowie einem prunkvollen Sattel. Was es mit diesem auf sich hat, schaut man sich am besten selbst an J © Birgit Ebbert