(14.11.2019) Vor langer Zeit bin ich zufällig auf das Buch „Green Eggs and Ham“ gestoßen. Eigentlich war ich auf der Suche nach Artikeln über die Rolle von Grenzen für die Kreativität. Ich wollte damals etwas über das Thema schreiben, weil ich mir beim Schreiben meiner Untermengenlyrik ja auch Grenzen auferlege und das sehr herausfordernd finde. Ich fand einige Beiträge, über die ich irgendwann etwas schreibe, und einen Artikel über das Buch „Green Eggs and Ham“, der mich zu einem eigenen Projekt inspiriert hat.

Green Eggs and Ham – das Buch

Zunächst habe ich mir das Buch antiquarisch bestellt. Es ist 1960 erstmals erschienen bei Random House Children’s Publishing. Der Autor ist Theodore Geisel, das Buch hat er unter dem Namen Dr. Seuss veröffentlicht. Die Geschichte entstand aufgrund einer Wette zwischen Autor und Verleger, dass es ihm (nicht) gelingen würde, ein Buch nur mit 50 Wörtern zu schreiben. In der Geschichte wird viel mit Sprache und Satzbau gespielt, es ist erschienen unter dem Label „I can read it all by myself“. Diese Idee hat mich inspiriert, etwas Ähnliches auf Deutsch zu versuchen – mit einer zusätzlichen Prämisse, doch dazu später.

Die Green Eggs and Ham-Kreativitäts-Theorie

Die amerikanische Psychologin Catrinel Haught Tromp hat daraufhin die „Green Eggs and Ham“-Hypthese aufgestellt, nach der Beschränkungen Kreativität nicht verhindern, sondern sogar noch anstacheln. Diese Hypothese hat sie mit einem Experiment mit 64 Studierenden, die Reime für Glückwunschkarten erfinden sollten. Die eine Gruppe arbeitete ohne Begrenzung, die andere bekam Begriffe, die in den Mini-Gedichten vorkommen sollten. Am Ende zeigte sich, dass die Reime der Gruppe mit Begrenzung besser und kreativer waren als die der Kontrollgruppe. Mein Fazit: Dann bleibe ich doch bei meinen Subsets und hoffe, dass ich im Advent wieder Zeit dafür finde J

Mein Green Egg-Projekt

Es gibt zwar keine Wette mit einem Verleger, aber die Idee von Theodore Geisel hat mich dennoch gereizt. Zumal ich mich bei der Lernbegleitung in den letzten Jahren oft darüber geärgert habe, dass sich Leseanfänger durch Erstlesebücher stottern. Das ist nachvollziehbar, weil sie zum Beispiel „ei“ noch als „e-i“ lesen oder „sch“ als „s-c-h“ – probiert mal aus, wie frustrierend es ist, beispielsweise „zwei Schafe“ zu lesen. Ich habe immer mal wieder darüber nachgedacht, eine Geschichte zu schreiben, in der nur lautgetreue Wörter vorkommen, deren Buchstabe jeder für sich gelesen wird. Solche Wörter sind „Hase“ oder „Nase“, „der“ oder „und“. Für mein Projekt habe ich also eine Liste von 99 lautgetreuen Wörtern erstellt und eine Geschichte geschrieben, in der nur diese Wörter vorkommen. Der Anfang war eine echte Herausforderung, aber nachdem ich einmal drin war, ging es sogar ganz gut. Als Ziel habe ich mir kein bestimmtes Thema gesetzt, sondern eine spannende Story, die durchaus verrückt und skurril sein darf. Mir gefällt das Ergebnis. Soviel verrate ich euch, es geht um einen Tag aus dem Leben einer Figur, die allerhand erlebt. Hier brauchte ich jemanden, der passende Illustrationen zeichnet. Erst einmal werde ich das Projekt Random House anbieten, das würde doch passen 60 Jahre nach Erscheinen der „Green Eggs“. Wenn sich kein Verlag findet, melde ich mich noch mal mit der Suche nach einer Zeichnerin oder einem Zeichner. Bis dahin heißt es für uns alle: abwarten, ihr könntet das Green Eggs-Buch lesen oder den Artikel über die Studie 🙂 © Birgit Ebbert

Link zum Video mit der Geschichte „Green Eggs“

Dieser Blogbeitrag lag sehr lange in meinem Beitragsarchiv, vor knapp einem Jahr habe ich dem Verlag gemailt und bis heute keine Antwort bekommen. Aber so etwas ist typisch für die Verlagsbranche. Ich werde meinen Text wieder hervorkramen und überlegen, was ich daraus mache. Ich habe gerade nachgeschaut, meine Texte heißen „Der beste Tag für Tulimag“ und „Der kleine Pirat“. Nachdem ich von Random House nichts gehört habe, werde ich das Projekt jetzt Bilderbuch-Verlagen anbieten. Ich halte euch auf dem Laufenden.