1(16.12.2014) Das Kunstquartier in Hagen arbeitet weiter daran, mit besonderen Ausstellungen auch überregionales Publikum anzuziehen. Während im Januar die Toulouse-Lautrec-Ausstellung im Emil-Schumacher-Museum auslaufen wird, werden die Werke von Friedrich Hundertwasser im Osthausmuseum nebenan Einzug halten und dort für gut vier Monate zu sehen sein.

Mit einer Retrospektive auf das gesamte Werk des Österreichers mit letztem Wohnsitz in Neuseeland wird das Osthausmuseum in seiner Hundertwasser-Ausstellung einen Blick auf Kunstwerke ermöglichen, die teilweise seit über zehn Jahren nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Viele namhafte Museen, aber auch Privatpersonen haben Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Tapisserien und Architekturmodelle zur Verfügung gestellt, um einen Eindruck von der Vielfalt der Werke Hundertwassers zu vermitteln.

Neben den vier Werken von Hundertwasser, die sich im Besitz des Osthausmuseums befinden, werden in der Hundertwasser-Ausstellung über 100 weitere Exponate gezeigt. Mit dabei „Der Traum des toten Indianers“ aus dem Jahr 1964, das vor 50 Jahren angekauft wurde und daher einen Platz im Flyer und auf der Postkarte gefunden hat. Mich hat das Bild sofort an die Rede von Häuptling Seattle von 1855 erinnert, in der er sich – an den US-Präsidenten gerichtet – fragt, wie er Himmel, Wasser oder Luft verkaufen kann, wo sie doch niemandem gehören. Seine Antwort endet mit den inzwischen geflügelten Worten: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann!“

Ich habe keine Informationen gefunden, ob Hundertwasser sich in dem Kunstwerk, das ein Highlight der Hagener Ausstellung bilden wird, auf die Rede bezieht. In jedem Fall folgte er in Leben und Werk den Gedanken von Häuptling Seattle und engagierte sich für eine stärkere Beachtung der Natur – in seinen Kunstwerken und in seinem Leben. Sicher hätte ihm gefallen, dass die Hagener Ausstellungsmacher sich dafür entschieden haben, die Retrospektive unter das Motto „Hundertwasser und Ökologie“ zu stellen und bei der Suche nach Exponaten bewusst auch jenseits der Gemälde und Grafiken geschaut haben. So wird in der Ausstellung zum Beispiel eine der legendären „Komposttoiletten“ zu sehen (nicht zu benutzen!) sein.

Auch sonst versucht man im Osthausmuseum den Wünschen Hundertwassers möglichst nah zu kommen. Er verabscheute weiße Wände, erklärte Kurator Dr. Tayfun Belgin bei der Pressekonferenz, und hätte seine Werke wohl gerne wie im Flyer auf schwarzem Hintergrund gesehen. Um die weißen Wände zu vermeiden, werden für die Ausstellung die Wände in sämtlichen Ausstellungsträumen farbig gestrichen, was dem Museum wieder eine ganz neue Anmutung geben wird, auf die ich schon gespannt bin. Es dauert allerdings noch eine Weile, bis die Ausstellung steht.

Die Eröffnung der Hundertwasser-Ausstellung findet am 31. Januar statt, da mit einem großen Andrang gerechnet wird, müssen erstmals Eintrittskarten erworben werden, die nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen. Wenn ich an die Nörgeleien bei der Vernissage der Toulouse-Lautrec-Ausstellung denke, finde ich das eine gute Lösung, zumal der Eintritt mit 5 € noch immer unter dem regulären Eintrittspreis liegt und erschwinglich ist – ich habe meine Karte schon und rate, sich schnell eine der begrenzt zur Verfügung stehenden Karten zu besorgen. (Vielleicht bei einem Besuch der aktuellen Ausstellung von Claire Morgan und Dietmar Gross oder im Jungen Museum, wo „Tierischer Besuch“ auf Betrachter wartet.)

Um das Warten zu überbrücken und sich auf die Ausstellung vorzubereiten, empfiehlt sich ein Besuch der sehr gelungenen Internetseite der Hundertwasser-Stiftung, die neben dem Galeristen Peter Femfert aus Frankfurt Kooperationspartner für die Realisierung der Retrospektive ist.

Dauer der Ausstellung: 1. Februar bis 10. Mai 2015

Weitere Informationen zur Ausstellung auf www.osthausmuseum.de & über Friedensreich Hundertwasser auf www.hundertwasser.de