(26.08.2014) Hagen war Anfang des letzten Jahrhunderts neben Berlin ein zentraler Ort der Kunst. Dank des Engagements von Karl Ernst Osthaus hielten sich viele Künstler zeitweise in Hagen auf, Hagen war in Künstlerkreisen also als Ort bekannt, und es befanden sich viele Kunstwerke der Moderne im Hagener Museum. Das hatte sich bei der Machtübernahme durch die Nazis bereits geändert, da der Museumsbestand des Folkwang-Museums nach Essen gewandert war. Dennoch hatten die Hagener Künstler in den 20er-Jahren versucht, sich zu behaupten und ihre durch den Wegfall von Osthaus Unterstützung geringeren Möglichkeiten zu nutzen. So gab es in dem Christian-Rohlfs-Museum, das bald nach dem Einfluss der Nationalsozialisten zum Städtischen Museum wurde, eine ganze Reihe von Werken, die dem herrschenden Kunstgeschmack zuwiderliefen. Das waren vor allem, aber nicht nur, Werke von Christian Rohlfs, Karel Niestrath, Milly Steger und Will Lammert. (Bild links aus der Ausstellung „Berliner Skulpturenfund“: Emy Roeder, Kopffragment der “Schwangeren” 1918)

Franz Marc „Schöpfungsgeschichte I 1914)

Bereits im Frühjahr 1934 sorgte der Hagener Museumsleiter mit der Ausstellung „Kunst zweier Welten“ für die Geschmacksbildung der Hagener Bürger. Er stellte den Werken der Dresdener Wanderausstellung „Entartete Kunst“ jene Kunst gegenüber, die seiner Meinung nach dem Kunstgeschmack der Zeit entsprachen: Dürer, Rubens und die Heimatmaler. Die Hagener Künstler ahnten also bereits, was sie erwartete und dass sie von dieser Seite keine Unterstützung mehr erfahren würden. Ihre Werke blieben danach vermutlich im Magazin des Museums, bis im Juli und August 1937 Graf von Baudissin, der Direktor des Folkwang-Museums, mit seiner Kommission das Museum betrat und Werke, die er für entartet hielt, beschlagnahmte. Welche Kunst das war, lässt sich in Hagen relativ gut nachvollziehen. Es hat sich nämlich jemand die Mühe gemacht, Entartungsalben zu erstellen, in denen sämtliche als „entartet“ eingestuften Werke mit Foto abgebildet wurden. Zwischen 400 und 500 Werke wurden in Hagen beschlagnahmt. Ob Milly Stegers „Kniende“, deren Überreste derzeit in der Ausstellung „Berliner Skulpturenfund“ zu sehen ist, wirklich dazu gehörte, ist nicht ganz sicher. Fest steht aber, dass Kunstwerke von ihr als „entartet“ eingestuft wurden und mindestens eine Skulptur auch in den „Entartungsalben“ enthalten ist wie ebenfalls rund 200 Werke von Christian Rohlfs und Arbeiten vieler anderer Künstler jener Zeit. © Birgit Ebbert

Informationen zur Ausstellung Berliner Skulpturenfund

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Entartete Kunst – Kunstvernichtung in der NS-Zeit Teil 1
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Will Lammert – Hagener Künstler im Visier der Nationalsozialisten
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Dr. Birgit Schulte und das Rätsel von Milly Stegers „Kniende“