(06.04.2019) Unglaublich, wie die Zeit vergeht, aber nun ist tatsächlich schon mehr als erste Hälfte des Schreibtreffs „Helden & andere Geschichten 2019“ in der Stadtbücherei Hagen um. Das Projekt ist Teil vom Schreibland NRW und geht bis zu den Sommerferien. Am 29. Juni findet die große Abschlusslesung statt und soviel kann ich verraten, Lesestoff ist genug entstanden 🙂

Über die Schreibkids

Seit dem 19. Januar habe ich mich mit 15 bis 20 TeilnehmerInnen im Alter von 9 bis 16 Jahren in der Stadtbücherei getroffen. Es waren einige „alte Hasen und Häsinnen“ dabei, aber auch einige neue Jungautorinnen. Alle haben eines gemeinsam, sie haben Freude am Schreiben. Manche schreiben auch zu Hause, andere freuen sich darauf, dass sie am Samstag 1 ½ Stunden Zeit haben, um in der Bücherei zu schreiben. Interessant finde ich, dass sie teilweise schon ihren ganz eigenen Schreibstil oder ihre Themen haben, bei den einen kommt immer irgendwie der Tod vor, bei anderen etwas Übersinnliches, der eine reimt lieber als Geschichten zu schreiben und wieder jemand anders schreibt Geschichten mit zeithistorischem Bezug. Ebenso interessant finde ich als Autorin von Büchern für Kinder und Jugendliche, dass niemals, wirklich niemals in den drei Jahren, die Wörter in den Geschichten vorkommen, wie wir als Jugendsprache kennen. Die Sprache ist nicht viel anders als ich sie Jugendlichen in den Mund legen würde. Unterschiede zu dem, wie ich als Jugendliche geschrieben habe, finden sich eher in der Beschreibung von Bräuchen und Traditionen, erst jetzt hatten wir eine Geschichte, bei der ein Liebespaar zunächst zusammengezogen ist und zwei Jahre später geheiratet hat, standesamtlich und dann kirchlich. In meiner Kindheit im Münsterland hätte man eher sofort geheiratet 🙂

Die Schreibaufgaben im Schreibtreff

Meine Aufgabe ist die Moderation des Schreibtreffs. So gebe ich jedes Mal eine Schreibaufgabe, allerdings ist diese nicht zwingend. Einige der TeilnehmerInnen schreiben an längeren Geschichten, die dürfen sie natürlich dann auch weiterschreiben. Aber viele warten auf den Input. Heute waren sie fast etwas enttäuscht, weil ich den Tag zum „Vorlesetag“ ernannt hatte, an dem wir endlich einmal alle Texte lesen könnten. Aber da fehlte dann was, deshalb habe ich nach der Leserunde spontan entschieden, dass jetzt der passende Zeitpunkt dafür sei, ein Haiku zu Ostern zu schreiben. Ein Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform, sie beschreibt im Ursprung ein Naturphänomen und es gibt verschiedene Vorgaben dafür. Ein Haiku besteht aus drei Versen, von denen der erste und dritte jeweils fünf Silben und der mittlere sieben Silben hat. Ich wandle das in meinen Schreibtreffs meist ab und lasse Gedichte mit drei Versen aus fünf, sieben und fünf Wörtern schreiben. Das ist auch schon eine große Herausforderung und ermuntert dazu, mit Worten und Satzgliedern zu spielen. Es gibt für traditionelle Haikus noch Vorgaben dazu, welche Inhalte in welchem Vers stehen sollen, aber das lasse ich weg, schließlich soll der Spaß im Vordergrund stehen. Apropos Spaß! Mir geht es bei der Schreibwerkstatt darum, die Freude am Schreiben zu erhalten und Jungautorinnen miteinander ins Gespräch zu bringen. Auch wenn ich bei manchen Rechtschreibfehlern zusammenzucke, werden die von mir nicht korrigiert. Die einzigen Fehler, die ich anmerke, sind falsche Präteritumsformen. Das ist wirklich erstaunlich, wie oft es vorkommt, dass jemand springte statt sprang, streitete statt stritt o. ä. schreibt. Und zwar völlig unabhängig davon, ob Deutsch Muttersprache oder Fremdsprache ist!

Schreibaufgaben bei den ersten Treffen

aus: Andrea Behnke „Frieda und das kleine Glück“ Südpol 2018

Gleich beim ersten Treffen habe ich die armen Schreibkids gebeten, zu meinen beiden Faltfiguren eine Geschichte zu schreiben und sich auch gleich Namen für sie auszudenken. Ich habe mich allerdings noch immer nicht für Namen entschieden, wobei Josefine und Joshua ganz weit vorne liegen 🙂

Beim nächsten Mal mussten die jungen AutorInnen die Inhalte ihrer Geschichten aus einer Lostrommel ziehen. Ich hatte Nomen auf Zettel geschrieben und jeder und jede konnte zwei oder drei ziehen und daraus eine Story entwickeln.

Ein Highlight waren zwei zauberhafte Icons aus dem Buch meiner Autorenkollegin Andrea Behnke, „Frieda und das Glück der kleinen Dinge“. Beim Lesen fand ich die kleinen Bildchen zum Kapitelanfang so schön, dass ich sie einfach mal – natürlich mit Quellenvermerk – als Schreibinput gewählt habe: Gummistiefelwettertag war der absolute Favorit.

Der Input beim vierten Mal kam völlig spontan, fragt mich nicht warum, aber ich habe zwei Plüschfrösche mitgenommen, die ich gekauft habe, weil ich dazu eine Geschichte schreiben wollte. Eine der genialsten Geschichten dieses Durchgangs ist daraus entstanden.

Und dann waren wir im Osthausmuseum, in der Ausstellung zum Bauhausjahr mit Werken von „Kandinsky – Kerkovius – Klee & Co.“ Ich habe die Ausstellung ausgewählt, weil manche Kinder gerne konkrete Bilder als Input haben und andere lieber abstrakte. Es hat mir verblüfft, dass zwei oder drei Kinder sogar eines der Quadrate von Josef Albers als Input gewählt haben. Dieser Besuch war auch für mich ein Highlight. Als ich mit den 15 Kids die Treppen im Altbau hinaufpolterte, sorgten sich die Erwachsenen sichtlich, ob sie noch Ruhe für die Ausstellung haben würden. Die Kinder durften sich ein Bild aussuchen, das sie inspiriert und dann schreiben. Zuerst fragten mich eben jene skeptischen Erwachsenen, ob die Kinder in einer anderen Etage seien. Nein, sie saßen ganz ruhig auf dem Boden oder in der Douglas-Lounge und schreiben. Eine Aufsicht bemerkte, sie hätte lange nicht eine so große Gruppe von Kindern und Jugendlichen so ruhig und konzentriert erlebt. Ich gebe zu, da war ich ein bisschen stolz auf mich und „meine“ Schreibkids.

Und heute wurden dann eben Haikus zu Ostern geschrieben, von Ostereiersuche bis Auferstehung kam alles vor. Ich habe jedoch vergessen zu fragen, ob ich sie veröffentlichen darf, daher bleibt es bei der Anregung, es einfach mal selbst zu versuchen:
Wort – Wort – Wort – Wort – Wort

Wort – Wort – Wort – Wort – Wort- Wort – Wort

Wort – Wort – Wort – Wort – Wort

Viel Spaß! © Birgit Ebbert