Zeche Radbod

(03.04.2014) Ich gebe es zu, hätte ich über Hamm ein Stadt-A-Z für meine Blogparade schreiben sollen, wäre ich über „O wie Oberlandesgericht“ nicht hinausgekommen. Dort war ich einmal, als ich noch Pressesprecherin war, und ich glaube, vor zig Jahren war ich einmal in Hamm bei der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren, sicher bin ich nicht. Dennoch habe ich Hamm als einen der Tatorte für meine Ruhrgebietskrimis ausgewählt. Immerhin gehört es zur „Metropole Ruhr“, auch wenn mir heute der erste Hammer (oder sagt man Hammeraner?) erklärte, dass man mit dem Ruhrgebiet nichts am Hut hätte. Daraufhin habe ich noch einmal nachgesehen, auf www.metropole-ruhr.de wird Hamm zum Ruhrgebiet gezählt.

Hier wird gewerkelt auf der Zeche Radbod

Und ich bin wirklich froh, dass ich den Ort ausgewählt habe, weil die Stadt mich wie keine andere, die ich bisher besucht habe, überrascht hat. Ein bisschen negativ, vor allem aber positiv, ich werde auf jeden Fall noch einmal hinfahren, um meinen Tatort genauer zu inspizieren.

Begonnen habe ich meinen Besuch auf dem Gelände der 1990 stillgelegten Zeche Radbod, wo mich drei Fördertürme begrüßten, von dem einer wie von Christo verpackt wirkte – um keine Gerüchte zu streuen: Er war natürlich nicht von Christo verpackt, sondern von Bauarbeitern und wird derzeit restauriert. Direkt gegenüber befinden sich alte Maschinenhallen, an denen fleißig gemauert wird. Da lohnt es sich sicher in einem halben Jahr erneut vorbeizuschauen. Das Steinkohlebergwerk Radbod existierte als solches von 1905 bis 1990, das Gelände wird heute weitgehend als Gewerbepark genutzt, lediglich drei Fördertürme und einige Maschinenhallen sind erhalten. Sie stehen unter Denkmalschutz und werden, zwei der Fördertürme stammen noch aus den Anfangsjahren des Bergwerks wie auch die Maschinen, die einen Seltenheitswert besitzen.

Schloss Heessen

Weiter ging es zum Schloss Heessen, einem alten Rittersitz, der 975 erstmals urkundlich erwähnt wird und noch heute durch seine wunderbaren Fassaden beeindruckt. Da das Schloss sich in Privatbesitz befindet und dort heute ein Landschulheim untergebracht ist, musste ich mich anmelden und konnte dabei auch einen Blick in die alten Flure werfen. Dort wäre ich auch gerne Schülerin und irgendwie muss ich das Schloss in meine Geschichte einbauen. Auf dem Gelände befinden sich neben ebenfalls alten Nebengebäuden einige witzige Kunstwerke und man hat einen Blick auf das Wehr. Das hätte ich stundenlang betrachten können, weil es so entspannend wirkte und auch faszinierend, wenn die Holzscheite wie Leichen – sorry, es ging um eine Krimirecherche! – aus dem Wasser schossen.

Schloss Oberwerries im Spiegel der Turnhalle

Für Hamm kann man getrost sagen: Der Trend geht zum Zweitschloss. Denn neben Schloss Heesen gibt es noch das Schloss Oberwerries, das ich als nächstes angesteuert habe. Auch dieses Schloss ist mehrere hundert Jahre alt und kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Wenn ich in Hamm wohnen würde, hätte ich Romanstoff für die nächsten zig Jahre, unglaublich. Heute dienen die alten Gemäuer als Veranstaltungsort, man kann sich dort trauen lassen und der Deutsche Turnerbund residiert dort und lässt wohl auch trainieren, wenn ich die Spiegel-Turnhalle im Neubau richtig interpretiere.

Tempera Trompetofant vor dem Maximilianspark

Nach soviel Kultur wollte ich mich endgültig meinem ursprünglich angedachten Tatort nähern, dem Schmetterlingshaus im Maximilianspark. Das erwies sich als wenig erfreuliches Unterfangen, weshalb ich den Besuch verschoben habe. Zum Glück, denn sonst hätte ich das tollste Erlebnis glatt verpasst. Wir fuhren zurück zum Kurhaus, um dort einen Kaffee zu trinken. Kurhaus?, fragte ich mich und erfuhr zu meiner großen Überraschung, dass Hamm früher – von 1882 bis 1955, um genau zu sein, ein Kurort war. Deshalb heißt der Stadtteil, in dem sich das über 100 Jahre alte Kurhaus befindet, noch immer „Bad Hamm“.

„Blühender“ Elefant im Kurpark

Jetzt mal ehrlich, wer hätte das im Ruhrgebiet erwartet? An viel Grün hier habe ich mich gewöhnt, auch rund um das Kurhaus gibt es einen riesigen Park, wunderschön bepflanzt – unter anderem mit einem blühenden Elefanten. Aber ein Kurbad? Ich bin noch immer verblüfft, dabei habe ich inzwischen selbst erfahren, wie kurig Bad Hamm ist. Mitten im Kurpark steht nämlich ein „Gradierwerk“. Ich habe auch erst heute erfahren, was das ist, obwohl ich diese Gebilde schon aus Urlauben kannte.

Gradierwerk im Kurpark

Ein Gradierwerk ist nichts anderes als ein mit Reisigbündeln gefülltes Holzgerüst, das der Salzgewinnung dient. Ich dachte spontan an „Salinen“ als, ich das Ding sah und hatte nicht ganz unrecht, denn meine Eltern und meine Verwandten hatten früher fälschlicherweise ein Gradierwerk als Saline bezeichnet. Das Besondere eines Gradierwerkes ist, dass durch die Reisig ein Wasser-Salz-Gemisch tropft, das für eine tolle Luft im Umfeld des Holzgerüsts sorgt. Wenn man die Augen schließt, bekommt man den Eindruck am Meer zu sein. Wunderbar. Ich beneide alle, die in der Nähe wohnen und das täglich genießen können.

TuWafant

Aber das ist nicht das einzige, um was ich die Bewohner Hamms beneide. Da sind zum einen die Elefanten all überall im Stadtgebiet. Keine lebenden Elefanten natürlich, sondern Elefanten aus Kunststoff, die 2004 anlässlich des 20sten „Geburtstags“ des Glaselefanten im Maximilianspark von Künstlern geschaffen wurden. Ich habe nur drei oder vier fotografieren können, aber das wird in jedem Fall eine neue Sammlung (eine Übersicht habe ich im Hammwiki schon entdeckt), zumal ich bei dem Foto-Ausflug immer eine Nase voll Nordseeluft am Gradierwerk schnuppern kann.

Was mir außerdem aufgefallen ist, sind die mit alten Fotos beklebten Stromverteilerkästen. Eine so einfache, aber doch geniale Idee. Überall in der Stadt begegnet einem Geschichte, das alte Foto eines Restaurants, ein Bild, das die Lippe-Überquerung vor 100 Jahren zeigt, eine Kohlenwäscherei … Wenn ich auf Jagd nach den restlichen 31 Elefanten gehe, werde ich Ausschau nach weiteren Kästen halten.

Kurzum: Noch nie hat mich eine Stadt so überrascht, wer noch nie in Hamm war, dem kann ich einen Ausflug dorthin nur empfehlen. Und ich habe noch nicht alles gesehen. Auf meiner Liste stehen noch Seen und der Tierpark, Kirchen und Gutshäuser. Ach ja, eine Mini-Kunst-Ausstellung vor dem Eingang der Galerie am Maxipark und den Maximilian-Bahnsteig der Museumsbahn habe ich auch noch gesehen.  (Der Elefant im Beitragsbild auf der Startseite ist der „Senator“.) © Birgit Ebbert

Kunstimpressionen des Hammer Künstlerbundes & Eindruck vom Maximilian-Halt der Museumsbahn