Handtasche(29.11.2018) Als ich vor einigen Wochen vom Büro nach Hause ging und eine Stofftasche mit einem Paket an meinem Arm baumelte, hatte ich plötzlich ein Aha-Erlebnis in Sachen Handtasche. Naja, es war keine Idee für eine neue Tasche oder eine Geschichte, sondern mir war plötzlich klar, woher mein Widerwille gegen diese großen Taschen mit den kurzen Henkeln kommt. Ein Schaden aus meiner Kindheit!

Meine erste Handtasche

Dabei fing alles so gut an. Wie man auf dem Foto sieht, hatte ich schon früh eine Handtasche und war auch ziemlich stolz darauf. Ich habe sie übrigens noch wie auch das kleine Handtäschchen, das ich als Sechsjährige zur Erstkommunion bekam, und vielleicht liegt auch irgendwo noch die beigefarbene Handtasche zum Umhängen, die ich mir zur Firmung gewünscht habe. Und trotzdem habe ich einen Handtaschenschaden aus meiner Kindheit davongetragen.

Shopping mit der Einkaufstasche

Damals gab es schon Plastiktüten, aber die waren teuer. 10 Pfennig war Anfang der 70er Jahre deutlich mehr als heute 10 Cent! Und nicht alle Läden hielten Plastiktüten bereit. Also wurde ich mit Mutters Einkaufstasche losgeschickt, wenn ich – was ständig vorkam – in Borkens einzigen Supermarkt fahren musste. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an diese Taschen denke. Dabei hatte meine Mutter sogar schon eine in blau und nicht wie andere Frauen in braun. Aber für mich haben die sich auf ewig mit „alt“ und „spießig“ verknüpft. Wie man sie immer auf dem angewinkelten Unterarm trug oder in der herunterhängenden Hand fast über den Boden schleifen ließ. Nee! Da muss man mir schon viel Geld oder einen Buchvertrag in einem tollen Verlag bieten, damit ich so ein Ding trage.

Alles kommt wieder

Dabei wäre ich total modern, wenn ich einen solchen „Shopper“ oder wie immer die Dinge bezeichnet werden, tragen würde. Selbst die Frauen, die aufgebrezelt durch die Stadt laufen, haben garantiert eine solche Tasche dabei und schwenken sie geziert – auf dem angewinkelten Unterarm. Ehrlich! Die Taschen sehen exakt aus wie die Einkaufstasche meiner Mutter. Wenn ich das nächste Mal in Borken bin, schaue ich im Keller nach, ob das Ding vielleicht sogar noch existiert. Oder der Nachfolger. Die neun Leben einer Katze sind Peanuts gegen die Anzahl der Leben solcher Taschen. Ich glaube, die haben sich über Nacht selbst wiederbelebt. Das könnte direkt Stoff für eine Geschichte werden.

Umhängetasche und Rucksack

Ha! Ich habe tatsächlich noch ein Foto einer Handtasche gefunden 🙂

Jedenfalls hat mir diese Tasche einen Dauerschaden verursacht – obwohl ich hübsche Mit-der-Hand-trag-Taschen im Schrank habe, trage ich lieber Umhängetasche und Rucksack. Da fühle ich mich wohler, blöd nur, dass ich damit die Prophezeiung eines Onkels erfülle, der immer sagte: „Du wirst nie eine Dame.“ Aber das ist eine andere Geschichte, jetzt blättere ich erst einmal in meinen Fotoalben, vielleicht finde ich Mutters Tasche ja doch dort. Auf einem Urlaubsphoto, denn im Urlaub wurde aus der Einkaufstasche immer eine Picknicktasche mit einer Thermoskanne voller Kaffee, belegten Vesperbroten und was wir sonst für unsere Ausflüge oder Reisen mit dem VW-Käfer benötigten. © Birgit Ebbert