(14.08.2014) Noch immer besuche ich mehr oder weniger bekannte Sehenswürdigkeiten im Ruhrgebiet zur Vorbereitung für ein Buch. Dieses Mal hatte ich wieder ein Aha-Erlebnis. Als gebürtige Münsterländerin bin ich quasi mit Schlössern und Burgen in Ausflugsnähe aufgewachsen. Dass es aber auch im Ruhrgebiet derart bezaubernde Schlösser und Herrenhäuser gibt, hätte ich nicht gedacht.

Rein zufällig bin ich bei der Vorbereitung auf das Haus Goldschmieding in Castrop-Rauxel gestoßen, in dem sich heute ein Hotel, ein Standesamt und ein Restaurant befinden. Auf den Überresten der früheren Pferdeställe wurde ein Teil des Hotels gebaut. Der Wohnsitz der früheren Besitzer ist jedoch zum Teil noch originalgetreu erhalten, vor allem der Renaissance-Kamin aus Sandstein, der durch die feinen Ornamente in dem hellen Stein beeindruckt. Aber auch die Wandmalereien in den Fensternischen haben es verdient, genauer hinzuschauen. Im Rittersaal, der als Veranstaltungsraum genutzt wird, konnte ich endlich einmal eine glitzernde Ritterrüstung – nicht anziehen! – von Nahem betrachten.

Erstmals erwähnt wird das Haus 1275, damals gehörte es Lambert von Gholtsmedinc, damals war das Gebäude eher von Acker- und Weideland umgeben, während sich heute an den Garten ein Wald anschließt. Der ist derzeit nicht überall begehbar, weil die Schäden des letzten Unwetters deutlich zu sehen sind. Aber ein Rundgang durch den begehbaren Teil offenbart einige Kunstwerke und interessante Details. Mich hat die Spielecke besonders fasziniert, weil ich lange kein in den Boden verlegtes Schachbrett mehr gesehen habe. Für diejenigen, die es lieber bequemer haben, gibt es aber auch einen Schachtisch!

Haus Goldschmieding ist nicht nur architektonisch ein Denkmal der Geschichte, in ihm ist auch Geschichte gelebt worden. 1872 nämlich kaufte der Ire William Thomas Mulvany das Haus als Sommersitz, um von hier aus maßgeblich zur Entwicklung des Ruhrgebiets beizutragen. 1855 begann er mit dem Abteufen des ersten Schachtes der Zeche Hibernia in Gelsenkirchen und begann 1856 mit der Kohleförderung. 1867 verantwortete er den Start der Kohleförderung auf der Zeche Erin in Castrop. Da er nicht nur ein Mann der Arbeit, sondern auch des Vergnügens war, begründete er 1875 die Castroper Galopprennbahn, auf der Pferde aus eigener Zucht die Zuschauer unterhielten.

Das Haus Schmieding ist nicht das einige herrschaftliche Anwesen, das noch heute in Castrop-Rauxel steht. Leider ist Schloss Bladenhorst in Privatbesitz und kann höchstens bei Veranstaltungen besucht werden. Von außen sieht es ebenfalls wunderschön aus – ich würde zu gerne wissen, wie es innen beschaffen ist. Ich bleibe am Ball sowohl was das Interieur von Schloss Bladenhorst als auch Burgen, Schlösser und Herrschaftshäuser im Ruhrgebiet angeht! © Birgit Ebbert