(06.12.2019) An meinem letzten Tag in Gotha gab es noch ein besonderes Ereignis, das Philatelisten vermutlich schon oft erlebt haben, ich allerdings noch nie: eine Briefmarkenpräsenation am Erstverkaufstag. Präsentiert wurden zwei Briefmarken mit Kinderbuchfiguren, das passte natürlich gut zu meinem letzten Tag. Beide Figuren kenne ich natürlich: Heidi und Pippi Langstrumpf.

Über die Briefmarken Heidi und Pippi Langstrumpf

Als ich erfuhr, dass es die Briefmarken geben würde, war mein erster Gedanke: Wow, nur Mädchen! Noch dazu aus der Feder von Frauen! Und Mädchen, die ihren eigenen Weg gehen, der bei Heidi eher mit Leid verknüpft ist, während bei Pippi eher der Humor im Vordergrund steht. Aber beide Mädchen müssen sich alleine, Heidi als Vollwaise, Pippi als Halbwaise mit einem Vater auf fernen Meeren, durchs Leben kämpfen. Die Heidi-Briefmarke hat einen Wert von 60 Cent, passt also auf eine Postkarte, während ich gleich einen ganzen Stapel Pippi-Marken zu 80 Cent für meine Weihnachtskarten gekauft habe 🙂

Die Briefmarken-Präsentation in Gotha

Die Präsentation der Briefmarken fand in Gotha statt, weil Johanna Spyri ab 1878 beim Friedrich Andreas Perthes-Verlag in Gotha unter Vertrag war, der 1879 zu Weihnachten auch das Buch „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ erstmals veröffentlicht hat. Bis zum Erlöschen der Rechte 1931 wurde also von Gotha aus die Lizenz für Übersetzungen in alle Welt erteilt. Zu jener Zeit war die Schutzfrist noch auf 30 Jahre nach dem Tod des Urhebers begrenzt, daher die eher kurze Zeit der gebundenen Rechte. Zu Lebzeiten von Johanna Spyri wurde das Buch in zehn Sprachen übersetzt, bis heute sind es über 70 Sprachen, die Bücher erreichen eine Gesamtauflage von 60 Millionen Exemplaren, womit das Buch bis heute als auflagenstärkstes Kinderbuch gilt. Da die Rechte schon so früh frei wurden, haben sich viele andere Medien mit den Inhalten beschäftigt. Im Rahmen der Präsentation werden die ersten drei Heidi-Zeichnungen von F. W. Pfeiffer gezeigt, die der Zeichner des japanischen Zeichentrickfilms Heidi, Yoichi Kotabe, in seinem Strich nachgezeichnet hat. Eine tolle Idee von Leihgeber Dr. Peter O. Büttner, die in einem kleinen, aber feinen Heidiseum durch das Ausstellungsbüro Promuseo schön umgestzt wurde. (Einziger Wermutstropfen, das ich keines der hübschen Wackelbilder abstauben konnte.) Außerdem sind alte Heidi-Ausgaben, Filmmaterialien sowie Heidi- und Pippi-Wohlfahrtsmarken aus 2001 ausgestellt. Bei dem Festakt sangen Gitti- und Erika im Beisein des Komponisten Christian Bruhn das Heidi-Lied, das die Basis für ihren Erfolg war. Ich habe erst bei der Veranstaltung erfahren, wer die deutsche Stimme von Pippi Langstrumpf ist: die Schauspielerin Andrea L’Arronge, die ebenfalls anwesend war und sich an die Synchronisation 1969 und 1970 erinnerte.

Ich finde, das war ein passender und außergewöhnlicher Abschluss eines spannenden und außergewöhnlichen Jahres als Stadtschreiberin in Gotha, nebenbei konnte ich mich von vielen Gothaern persönlich verabschieden und bei wunderschönem Winterwetter auch noch vom Schlosspark 🙂 © Birgit Ebbert

PS: Und gelernt habe ich auch etwas: Wenn du zu einer Briefmarkenpräsentation gehst, bereite dich gut vor. Ein Mann hatte viele kleine Heidi-Bücher mitgebracht und die Briefmarke einkleben und stempeln lassen. Ich habe erst heute die passenden Bücher aus meinem Kinderbuchregal geholt 🙁 Dabei stellte ich allerdings fest, dass mein Heidi-Buch aus dem Jahr 1969 keine Zeichnungen, sondern Film-Bilder enthielt!