(29.08.2014) Na gut, Henri Toulouse-Lautrec ist nicht leibhaftig in Hagen zu Gast. Aber 105 Jahre, nachdem zum ersten Mal Werke von ihm in Hagen weilten, sind seine Plakate und Grafiken wieder hier zu sehen. Das Emil Schumacher Museum feiert sein fünfjähriges Bestehen mit dieser außergewöhnlichen Ausstellung und man darf ihm wünschen, dass die Publikumsschlangen so lang werden wie am Eröffnungstag vor fünf Jahren, an den ich mich gut erinnere.

Kurz zur Erinnerung, weil die Geschichte des Emil Schumacher Museums eng mit der aktuellen Ausstellung verwoben ist und weil nicht alle Auswärtigen die Hagener Museumslandschaft vor Augen haben. In Hagen gibt es zwei Kunstmuseen, das Osthausmuseum und das Emil Schumacher Museum. Der Vorsitzende der Emil Schumacher Stiftung ist der Sohn Emil Schumachers, Dr. Ulrich Schumacher. Dr. Schumacher stand seit Jahren in Kontakt mit den Nachfahren des Kunstsammlers Otto Gerstenberg, der u. a. eine vollständige Sammlung aller Grafiken von Henri Toulouse-Lautrec besaß. Diese Sammlung wird nun in großen Teilen in der aktuellen Ausstellung gezeigt. Gut 200 von den insgesamt etwa 350 Grafiken des französischen Malers und Grafikers Henri Toulouse-Lautrec sind ab kommenden Sonntag bis zum 25. Januar 2015 in Hagen zu sehen.

Rouven Lotz vor dem letzten Bild Toulouse-Lautrecs, das in der Ausstellung zu sehen ist

Die Ausstellungsmacher haben sich einiges einfallen lassen, um dem Werk des Künstlers und den Bedürfnissen der Besucher gerecht zu werden. Denn – mal ehrlich -, so schön es ist, 200 Bilder eines Künstlers an einem Ort zu betrachten – hingen diese alle in einem Raum neben- und übereinander, würde der Kunstgenuss irgendwann verlorengehen. Um dem vorzubeugen gibt es Räume und Kabinette mit Schwerpunktthemen sowie mitten in der Ausstellung ein – ach, alles sollte ich auch nicht verraten. Nur soviel, dass es viel zu sehen gibt.

Da sind zum einen die Plakate von Henri Toulouse-Lautrec, der zu den ersten gehörte, die „U“- und „E-„Kunst, wie man in der Musik sagen würde, verbindet. Seine Kunstwerke wurden Plakate und seine Plakate sind Kunstwerke. Das wird in der Ausstellung wunderbar deutlich und so entführt sie einen nicht nur in die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, in die Welt des Zirkus‘ und Theaters, der ersten Radrennen und des Rotlichtmileus, sondern auch in die Anfänge der Plakatwerbung. Zwei Plakate des Sängers Aristide Bruant zum Beispiel unterscheiden sich nur durch den Auftrittsort – übrigens auch zu Toulouse-Lautrecs Zeiten war es eine Ausnahme, dass ein Künstler sein eigenes Plakat zum Engagement mitbringen durfte – aus der Rubrik: nebenbei gelernt.

Faszinierend sind ebenfalls die vielen Studien zu den Sujets, die später auf den Plakaten auftauchen. Allein davor kann man einige Zeit verbringen und wie bei einem Suchbild die Gemeinsamkeiten und Unterschiede erforschen und darüber nachdenken, warum für das Plakat diese oder jene Veränderung vorgenommen wurde.

Ganz nebenbei bekommt der Besucher einen Crashkurs über die Pariser Künstlerszene Ende des 19. Jahrhunderts. Bis zum Rundgang durch die Ausstellung sagten mir weder Aristide Bruant noch Jane Avril, weder May Milton noch May Belfort etwas, obwohl ich manche der Plakate bereits früher einmal gesehen habe. Aber nun bin ich natürlich neugierig geworden und freue mich auf die Ausstellungseröffnung am Sonntag, bei der der Toulouse-Lautrec-Experte Professor Götz Adriani den Einführungsvortrag halten wird. Wobei ich bei dem Pressegespräch den Eindruck gewonnen habe, dass der Wissenschaftliche Leiter des Emil Schumacher Museums, Rouven Lotz, ein profunder Kenner des Künstlers und seiner Werke ist. Beeindruckend, was er so nebenbei aus dem Leben und zum Werk von Toulouse-Lautrec erzählt hat. Es ist alles notiert, vielleicht schaffe ich es, bis zum 150. Geburtstag von Toulouse-Lautrec am 24. November in diesem Jahr, die Notizen zu entziffern.

Erst einmal lautet meine Empfehlung: Die Ausstellung mit Werken von Henri Toulouse-Lautrec sollte man sich nicht entgehen lassen und dafür lohnt sich auch eine längere Anfahrt nach Hagen. Zumal es im Osthausmuseum derzeit mehrere interessante Ausstellungen gibt, das Essen in der Museumsgastronomie sehr gut ist und Hagen darüber hinaus viel mehr zu bieten hat, als auch ich bis zu meinem Umzug hierher dachte. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zur Ausstellung www.esmh.de