(23.11.2018) Vor einigen Tagen hatte ich wieder die Gelegenheit, mit Migrantinnen kleine Geschichten zu schreiben. Einige von euch erinnern sich an die Lesung in der Buchhandlung am Rathaus, bei der wir Frühlingsgeschichten vorgelesen haben. Dieses Mal ging es um den Herbst und ich habe wieder so viel erfahren, dass ich das einfach hier festhalten muss.

Herbstfeste

In Afghanistan feiert man die „Sehr lange Nacht“ am kürzesten Tag des Jahres, man sitzt zusammen, isst unter anderem Wassermelone und Salat, Kuchen und Pudding aus Granatapfel und erzählt sich Geschichten und trägt Gedichte vor. Das Vortragen der Gedichte ist eine echte Herausforderung, es muss nämlich jeweils das nächste Gedicht mit dem letzten Buchstaben des vorherigen beginnen. Ganz ehrlich, hättet ihr genügend Gedichte auswendig drauf?

In China feiert man im Herbst das Mondfest, bei dem man unter anderem Mondkuchen ist, der Termin liegt im September und richtet sich nach dem Mond, wie könnte es anders sein, 2019 wird das der 19. September sein.

Kinderspiele

Auch sehr spannend finde ich Kinderspiele, zum Beispiel dass die Kinder in Afghanistan ein Rad, z. B. ein ausgedientes Rad von einem Fahrrad mit einem Stab antreiben. Von einem solchen Spiel haben meine Eltern aus ihrer Kindheit berichtet. Auf der Internetseite einer Grundschule habe ich es unter dem Stichwort „Alte Kinderspiele“ mit dem Titel „Räderspiel oder Reifen treiben“ gefunden.  Auch Kreisspiele kennt man in Afghanistan, an dem Thema werde ich noch dran bleiben, vielleicht kann ich mein leider vergriffenes Buch „Kreisspiele und Spiellieder“ um Kreisspiele aus anderen Kulturen erweitern und neu auflegen 🙂 Und ich habe gelernt, dass man auch in Afghanistan Drachen steigen lässt, aber eher die Jungen. Dort gibt es übrigens keine Sommer- sondern Winterferien. Im Winter ist die Schule drei Monate geschlossen, weil es dort sonst zu kalt ist.

Speisen

Sogar neue Früchte habe ich kennengelernt, die bei uns wachsen und essbar sind. Zum Beispiel die „Kornelkirsche“ – meine Eltern haben eigentlich sämtliche essbaren Früchte für Saft und Aufgesetzten (Schnaps mit Beeren 🙂 ) genutzt. Die Teilnehmerin aus Tschetschenien erzählte, dass es hier in Hagen viele Kornelkirschen-Bäume gibt, die niemand erntet. In ihrer Heimat ist die Frucht eine Delikatesse, deshalb hat sie sie fleißig gesammelt.

Oh, und dann weiß ich nun, dass man in Afghanistan Kartoffeln, Karotten, Weißkohl und rote Beete in der Erde vergräbt, damit sie frisch bleiben. Die Ernte ist vor allem eine Sache der Frauen, die sich dadurch auch ein bisschen Geld verdienen. Sie ernten Weintrauben, die zu Rosinen verarbeitet werden, und Safran, der unter anderem mit heißem Wasser getrunken wird und sehr gesund sein soll – beim nächsten Mal soll ich das probieren wie auch die besonderen Nüsse, Jalghoza, die es in Afghanistan gibt. Auch in China gibt es besondere Nüsse, deren Namen ich aber erst beim nächsten Mal erfahre, weil mein Smartphone nicht auf Chinesisch kommunizieren wollte. Walnüsse kannten übrigens alle, ob aus Afghanistan, China oder Tschetschenien, aber auch die sind unterschiedlich, mal kleiner, mal größer als bei uns.

Bestimmt habe ich etwas vergessen, oh ja, was ich gerade beim Abschreiben der Texte erfahren habe, dass man in Tschetschenien beim Waldspaziergang Schakale und selten auch Bären treffen kann. Das muss ich nicht erleben :-), aber mich faszinieren die unterschiedlichen und auch gemeinsamen Bräuche. © Birgit Ebbert