Hermann Landefeld: Gleichheit Brüderlichkeit(08.07.2016) Morgen wird in der Ardenku-Galerie an der Eduard-Müller-Straße an den Hagener Künstler Hermann Landefeld gedacht, der bis zu seinem Tod vor zwei Jahren mit seiner Kunst gegen den Krieg in der Welt gekämpft hat. Dabei sind nicht immer hübsche Bilder entstanden, die man sich ins Wohnzimmer hängt, vor allem seine Holzschnitte wirken düster. Aber düster ist der Krieg eben auch, das wusste Hermann Landefeld nicht aus Büchern, Filmen und Fernsehberichten. Das wusste er aus eigener Erfahrung und eigenem Erleben. Jahr 1926 wurde er als 17-jähriger noch in den letzten Kriegsjahren eingezogen und ins Feld geschickt. Zu den schrecklichen Eindrücken aus jener Zeit kamen die Erlebnisse aus fünf Jahren russischer Kriegsgefangenschaft. Dass einem da manchmal die Farbe im Kopf steckenbleibt, ist verständlich, oder? (Bild: Hermann Landefeld „Gleichheit“ „Brüderlichkeit“)

Hermann Landefeld stritt gegen den Krieg

Hermann Landefeld: StegosaurusDas ist allerdings nur eine Seite des Werkes von Hermann Landefeld, das ab dem 9. Juli bis zum 31. Oktober in der Ardenku-Galerie zu sehen sein wird. Titelblätter der Zeitschrift „Konkret“ gibt es dort, jener politischen Jugendzeitschrift, die in den 60er- und 70er-Jahren das Sprachrohr der politischen Studentenschaft bildete. Eine Zielgruppe, die sich unter anderem gegen den Krieg vereinte, ein Thema, das dem Künstler sehr am Herzen lag. So sehr, dass er in den 50er Jahren, als im Bundestag über die Wiederbewaffung Deutschlands entschieden wurde, die Abgeordneten mit einer ganz besonderen Aktion aufrütteln wollte. Er druckte Trauerkarten, die ihm einer Hagener Firma schenkte, das nebenstehende Bild und verschickte es per Post – E-Mail gab es damals noch nicht 🙂 – an alle Abgeordneten. Ohne sichtbaren Erfolg, aber wer weiß schon, wie was langfristig wirkt. Hermann Landefeld jedenfalls wurde nicht müde, sich einzumischen und mit künstlerisch-grafischen Mitteln zu protestieren, wenn es gegen Krieg und Waffen ging.

Die andere Seite des Seins

Hermann Landefeld: JazzDabei war er kein Mensch, der sich verbohrt nur gegen etwas engagierte. Als Werbegrafiker wirkte er in namhaften Agenturen daran mit, das Bild und Image von wichtigen Unternehmen im Nachkriegsdeutschland aufzubauen. Und er liebte Jazz-Musik, zeichnete Musiker-Porträt und versuchte auch diese Leidenschaft in seine Holzschnitte umzusetzen. Im ersten Moment kommt es einem vor, als passe das nicht so recht, aber wenn man das Bild „Jazz“ rechts sieht, dann stimmt es doch irgendwie.

Und irgendwann hat dann doch die Farbe in Landefelds Werk Einzug gehalten, nachdem er in den 90er-Jahren die Acrylmalerei für sich entdeckte. Mit starken grafischen Elementen springen die Bilder den Betrachter förmlich an und fordern ihn auf andere Art als die Holzschnitte heraus. Denn die politischen Botschaften sind geblieben. Nicht umsonst heißt das dreiteilige Werk, das die Einladungskarte ziert: „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“. Es entstand 2009 als Reaktion auf den Kosovo-Krieg und die Folgen für Europa und half ihm, nach dem Tod seiner Ehefrau 2006, wieder Anschluss an die Kunst und sein Thema, den Pazifismus zu finden.

Ein – fast vergessener – Hagener Künstler

Mensch und MenschmaschineHermann Landefeld ist am 5.Juli 1926 in Hagen geboren und aufgewachsen, seine Eltern waren Lehrer und er selbst hatte sich zum Ziel gesetzt, Pfarrer zu werden. Doch dann kam alles ganz anders. Im Februar 1943, fünf Monate vor seinem 17. Geburtstag, wurde er als Luftwaffenhelfer für den Flakeinsatz eingezogen und ein Jahr lang eingesetzt. Darauf folgten einige Monate Arbeitsdienst, ehe er am 1. September 1944 Soldat wurde. Die ersten fünf Jahre nach dem Krieg war er in russischer Gefangenschaft, wo er unter anderem als Holzfäller und Maurer, Flösser und Bergmann eingesetzt wurde. Schon zu jener Zeit keimte in ihm der Gedanke auf, nach der Heimkehr statt Pfarrer lieber Künstler zu werden. Als er nach Hagen zurückkehrte nutzte er die Chance, Emil Schumacher, der inzwischen erste Erfolge feierte, über die Schulter zu gucken. Die Beziehung zwischen den beiden war so, dass sich der junge Hermann Landefeld von Emil Schumacher überzeugen ließ, die Werkkunstschule in Wuppertal zu besuchen statt bei Otto Pankok in Düsseldorf zu studieren. Dieser hätte ihm immerhin einen Platz an der Kunstakademie verschafft.

Werbung als Sprungbrett ins Leben

c-birgit-ebbert-IMG_6151Aber vielleicht war die Werkkunstschule für einen Menschen mit einer Mission, wie Hermann Landefeld sie in sich trug, genau richtig. Die Abschlussnoten waren so gut, dass er bald eine Anstellung in der damals führenden Werbeagentur in Düsseldorf fand. Während er auf der einen Seite mit seiner Werbung zum Wirtschaftswunder beitrug, nutzte er auf der anderen Seite sein Knowhow als Werber, um Werbung für seine Sache, den Frieden, und gegen die Krieg zu machen. Die oben erwähnten Titelbilder der „Konkret“ und die Briefaktion sind einige Beispiele dafür, die in der Ausstellung zu seinem 90. Geburtstag zu sehen sind. Über diese Ausstellung wurde im Prinzip noch zu seinen Lebzeiten entschieden. Als zu seinem 85. Geburtstag im Roten Hause eine Retrospektive seines Werkes gezeigt wurde, war Hermann Landefeld so angetan, dass er mit Petra Holtmann darüber sprach, dass man zum 90. Geburtstag vielleicht eine weitere Ausstellung andenken könnten.

Ein nicht vergessenes Versprechen

„Wenn ich dann noch lebe“, soll er gesagt haben. Er ist am 18. August 2014 gestorben, aber Petra Holtmann hat ihr Versprechen nicht vergessen. Ihr ist es wichtig, dass der Künstler, sein Werk und sein Herzensthema nicht in Vergessenheit geraten, wenigstens in seiner Heimatstadt nicht. Wer die Bilder in ihrer Vielfalt betrachtet, kann ihr Anliegen verstehen und wird neugierig auf den Künstler. „Er war sehr authentisch und überzeugt von seinem Kampf gegen den Krieg“, erinnert sich Petra Holtmann und verrät, dass es neben den Bildern am Samstag auch einen Kurzfilm zu sehen sein wird. „Hilfe“ heißt er, stammt von Hermann Landefeld und wurde in den 1968 bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen gezeigt und prämiert.

Mhm, jetzt habe ich noch die Indianerbilder vergessen und … – ach, guckt euch die Ausstellung doch selbst an. Die Eröffnung ist am 9. Juli 2016, 18.00 Uhr in der ardenkgalerie, Eduard-Müller-Straße 2.

Zum Weiterlesen

Weitere Informationen zur Ausstellung: www.ardenkugalerie.de

Artikel in der Westfalenpost vom 7. Juli 2016 über die Ausstellung

Beitrag vom 7. Juli 2016 im Wochenkurier über die Ausstellung

Streiter für den Frieden – Beitrag über die Ausstellung 2011

Beispiele für Landefelds politische Holzschnitte