(12.03.2018) Hach, war das ein toller Abend, ein großes Kompliment an Dirk Bruchmann und Andreas Friedhelm Arnold für die tolle Idee und Vorbereitung der „Lesung Liebe Else … – unveröffentliche Briefe und Tagebücher“.

Über die Veranstaltung

Ich muss gestehen, ich war davon ausgegangen, dass es schon ein oder zwei solcher Lesungen gegeben hatte, und habe mich gefreut, dass ich dabei sein durfte. Inzwischen weiß ich, die Lesung heute war das Pilotprojekt und platze vor Stolz, dass ich nicht nur als Zuhörerin, sondern als Vorleserin dabei sein durfte. Ich bin begeistert von dem Format, das sich Dirk und Andy ausgedacht haben – und auf den ersten Blick so einfach: ein gemütlicher Kinosaal, zwei alte Plüschsessel mit einem kleinen Couchtisch, Mikros, Leinwand – fertig. Für mich war das ja wirklich einfach, ich habe die Briefe von Herti Kirchner schon vor einigen Jahren abgetippt und aus dem Sütterlin übertragen und viele Hintergrundinfos recherchiert. Ich musste nur noch auswählen und lesen. Ganz anders Dirk und Andy, die viele Briefe erst noch erlesen mussten und wer einmal versucht hat, alte Sütterlin-Handschriften zu entziffern, weiß, das ist kein Zuckerschlecken. Aber sie haben es gemacht und die Briefe dann auch noch toll vorgetragen.

Die Briefe des Abends

Um es gleich vorwegzunehmen, ein Brief an die „Liebe Else“ wurde nicht vorgelesen, aber Dirk Bruchmann hat das Geheimnis des Veranstaltungstitels gelüftet. Ich verrate es mal nicht, das soll ja auch für kommende Lesungen noch eine Überraschung bleiben. Dass es kommende Lesungen geben muss, das ist sowieso klar. Die Zuhörer waren begeistert und Dirk und Andy beherrschen die Technik des Cliffhangers perfekt. Da stehen nun in unseren Gedanken der Pastor und die junge Dame, die sich über eine Bekanntschaftsanzeige kennengelernt haben, auf dem Bahnhof in Münster und wir wissen nicht, ob sie sich gefallen haben und wie es weiterging. Bei Herrn Schmidt und der von ihm Umworbenen, deren Briefwechsel wir in Auszügen zu hören bekamen, sind wir schlauer, da haben wir zumindest die Rechnung vom Polterabend gesehen, da wurde deutlich mehr getrunken und geraucht als gegessen, wenn man der Rechnung glauben darf. Dann waren da noch die Briefe des Soldaten, der im Krieg gefallen ist und der in den Monaten davor seine Erlebnisse in Frankreich beschrieben hat. Und natürlich gab es Fanpost an Extrabreit. Kurzum der Abend war abwechslungsreich, zwischen nachdenklich und unterhaltsam und hat uns einen Eindruck in das Denken und Leben von Menschen in verschiedenen Jahrzehnten vermittelt. Ich sage es selten, aber das war ganz großes Kino.

Und Herti Kirchner war auch dabei

Ich bin stolz und glücklich, dass ich mit einigen Auszügen aus Briefen von Herti Kirchner dabei sein durfte. Besonders freue ich mich über die positiven Rückmeldungen, die mir gezeigt haben, dass meine Begeisterung für die junge, ehrgeizige und engagierte Frau übergesprungen ist. Das motiviert mich, an dem Projekt weiterzuarbeiten und auf dem Fußweg von der Pelmke nach Hause hatte ich vielleicht endlich die zündende Idee, wie ich Herti, ihr Leben, ihre Briefe und ihre Beziehung zu Erich Kästner in ein Buchprojekt verbinden kann. Ich musste mich beim Vorlesen schon bremsen, sonst hätte ich den ganzen Abend alleine gestaltet 🙂 Mal sehen, wie es weitergeht. Ich werde jedenfalls die nächsten freien Stunden nutzen, um meine Idee zu skizzieren. Ihr werdet lesen, wie es weitergeht mit Else und mit Herti! © Birgit Ebbert

Plakat zur Lesung & Ausschnitt daraus fürs Beitragfoto: Dirk Bruchmann/Andreas Friedhelm Arnold