(30.03.2015) Bei der Sichtung des Pressearchivs aus dem Nachlass von Herti Kirchner fand ich u. a. einen Artikel aus der Reihe „Rheinruhr-Karl“ der Rhein-Ruhr-Zeitung, er ist am 19. April 1936 erschienen und dort erzählt Herti Kirchner dem „Rheinruhr-Karl“ im Büro der Kammer-Lichtspiele Dusiburg über ihre Laufbahn und ihr Leben. Zu der Zeit war sie im Deutschen Reich auf PR-Tour für den Film „Soldaten-Kameraden“, in dem sie die weibliche Hauptrolle spielte.

In dem Artikel erfahren die Leser, dass Herti schon als Schülerin Sehnsucht nach dem Theater hatte, ersten Sprechunterricht bei einer Bekannten nahm und hinter die Bühne des Kieler Theaters schaute. Weil dort gerade die „Versunkene Glocke“ geprobt wurde, hat sie ein Textbuch besorgt und die Rolle der „Rautendelein“ zu Hause heimlich vor dem Spiegel geübt. Es ist ihr, so der Artikel sogar gelungen, bis zum Regisseur mit ihrer Darbietung vorzudringen, der allerdings abwinkte und ihr riet: „Sie haben Talent, aber Sie müssen noch viel lernen.“ Immerhin hat er sich ihrer erbarmt und ihr Schauspielunterricht ergeben. Hinter dem Rücken ihrer Eltern, so steht dort, allerdings wird Herti kaum im Alter von 10 Jahren ins Theater geschlichen sein, so alt war sie nämlich, als ihre Mutter starb. Nicht der einzige Fehler in diesem Artikel, weshalb ich auch mit dem Rest etwas vorsichtig bin. Obwohl man sich vorstellen kann, dass sie als Teenager bzw. Backfisch, wie sie selbst sich bezeichnet hätte, heimlich das Taschengeld und das Geld für den Klavierunterricht in Schauspielunterricht investierte. Wie auch immer, sie arbeitete beharrlich daran, dass ihr Traum in Erfüllung ging und wurde in der Obertertia, der neunten Klasse also, Volontärin am Kieler Theater.

Von dort ging sie allerdings nicht direkt nach Braunschweig, wie der Artikel behauptet, sondern zunächst nach Salzwedel, wo sie kleine Rollen spielte und auch ihren Ehemann kennenlernte, der in dem Artikel jedoch nicht vorkommt. Wie überhaupt das Privatleben nicht erwähnt wird, das ist vermutlich der größte Unterschied zu vergleichbaren Artikeln heute. Oder wenn dann eher auf der Ebene, was Herti in der Freizeit treibt – lesen, Briefmarken und Kupferstiche sammeln, Tennis spielen und angeblich in der Kieler Förde segeln, wovon in keinem der Briefe die Rede ist. Dafür erfährt man aber, dass es bei den Dreharbeiten zu „Soldaten – Kameraden“ im Frühwinter in Mecklenburg zu denkwürdigen Szenen kam, als Schauspielerkollege Nicklisch in seiner Film-Reichswehruniform ins Hotel wollte und dort auf einen echten Hauptmann der Reichswehr traf und diesen nicht ordnungsgemäß grüßte.

Ehe der Rheinruhr-Karl weiterfragen konnte, wurde Herti auf die Bühne gebeten. Zu ihrem Aufenthalt im Ruhrgebiet bzw. in Duisburg lautete ihr Kommentar: „Bisher habe ich ja nur Regen und nichts als Regen gesehen. Aber die Leute sind hier doch sehr nett. am Bahnhof standen schon Kinder und junge Mädchen mit Poesiealben und wollten etwas hineingeschrieben haben. Das hat mich gefreut und ich habe ihnen den Gefallen gern getan.“ Das sind ja noch harmlose Fan-Wünsche, wie einer der nächsten Blogbeiträge mit Auszügen aus der teilweise kuriosen Fanpost zeigen wird. © Birgit Ebbert