(05.05.2018) Für mich ist die Psychologie Heute eine der besten Zeitschriften und das einzige Abonnement, das ich seit Jahren durchgängig habe. Kennengelernt habe ich die Zeitschrift bereits in meiner Studienzeit, sie stand in der Fakultätsbibliothek und lag sogar im Studentenwohnheim aus. Bei der Aktion Jugendschutz, meinem ersten Arbeitgeber, gab es ein Abo und als ich die Stelle wechselte und nach Bochum zog, habe ich als erstes ein Abonnement abgeschlossen. Auch als ich während meiner Arbeitslosigkeit sämtliche Mitgliedschaften und Abos gekündigt habe, wurde dieses Abo nicht angetastet. Die ist übrigens kein bezahlter Artikel, ich schmökere nur gerade in der aktuellen Ausgabe und finde so viele kleine Infos und Gedanken, die zeigen, warum ich die Zeitschrift so gerne lese. Meist sind es die Aha-Erlebnisse, die mich faszinieren, manches habe ich schon oft gedacht und plötzlich wird eine Studie zitiert, die genau das herausgefunden hat.

Was wirklich zählt auf dieser Welt

So ging es mir heute mit dem nur 15 Zeilen langen Beitrag „Nicht die Note zählt“. Seit Jahren rede ich mir auf Elternabenden den Mund fusselig, dass Noten nicht alles sind und die Persönlichkeitsentwicklung wichtiger ist für das zukünftige Leben. Die Universität Tübingen hat nun Daten von 350.000 amerikanischen Schülerinnen und Schülern während der Schulzeit und Jahre später verglichen und festgestellt, dass – „Unabhängig vom Intelligenzquotienten, dem sozioökonomischen Status der Eltern sowie anderen Persönlichkeitsmerkmalen“ (Psychologie Heute 6/2018 S. 7) – diejenigen Schülerinnen und Schüler langfristig beruflich erfolgreich sind, „die sich ihren Mitschülern gegenüber verantwortungsbewusst zeigen, die es Schaffen, ein Interesse an der Schule zu behalten, und die gut lesen und schreiben können“ (Psychologie Heute 6/2018 S. 7). Die Seite habe ich bereits kopiert für die nächste Veranstaltung. 🙂

Interessant fand ich außerdem das Experiment, bei dem nachgewiesen wurde, dass unsere Gedächtnisleistung besser ist, als wir denken. Obwohl 77 % der TeilnehmerInnen meinten, sie hätten eine Antwort geraten, hatten sie sich in Wirklichkeit unbewusst an eine Wahrnehmung oder Information erinnert.

Perfektionismus kann krank machen

In dem Beitrag „Nett zu sich selbst sein!“ ging es um ein Thema, mit dem ich mich in den letzten Jahren intensiv beschäftigt habe. Ich hatte immer eine Neigung zum Perfektionismus und arbeite daran, das zu reduzieren. Damit begonnen habe ich schon, als ich vor 25 Jahren feststellte, dass ich die Fahnen eines Buches zehnmal lesen kann und es am Ende doch Fehler enthalten kann, weil sich der Satz immer ändert und dadurch die Trennungen und bei der Beseitigung der Trennungen wieder Fehler eingebaut werden. Inzwischen kann ich bei Büchern und anderen Aufgaben auch mal Fünfe gerade sein lassen, wenn das im Rahmen eines Gesamtprojekts möglich ist. Ein Glück, denn – so zeigte eine Studie australischer Psychologen – „Perfektionismus kann krank machen. Perfektionisten neigen zu Depressionen.“ (Psychologie Heute 6/2018 S.9) Das gilt übrigens auch für die Tippfehler in diesem Blog. Anfangs war ich da sehr pingelig, inzwischen denke ich mir, die Inhalte sind wichtiger und viele Tippfehler fallen beim Lesen ohnehin nicht auf, weil wir darüber hinweglesen.

Sehr spannend auch das Thema „Small Talk“, mit dem ich Jahrzehnte gehadert habe, bis sich ein Schalter im Kopf drehte – vermutlich, weil ich den Perfektionismus „Ich muss einen kreativen Gesprächseinstieg wählen“ ausgestellt habe. Heute muss ich eher aufpassen, dass ich nicht zuviel quatsche und frage und das Gegenüber zu Wort kommt 🙂 Aber die Infografik zu dem Thema war trotzdem interessant.

Die Wohnung als sicherer Hafen

Jetzt lese ich gerade den Artikel über die Bedeutung der eigenen Wohnung für das Wohlbefinden, auf den ersten Blick erscheint das logisch und ich hatte bei allen meinen Wohnungen das Glück, dass ich auf Anhieb wusste, dass das „meine“ Wohnung ist. Ich weiß, dass ich da wirklich Glück hatte und entweder niemals viele weitere Bewerber da waren oder ich – 🙂 vielleicht dank Small Talk 🙂 – immer erste Wahl des Vermieters war. Natürlich kann man jede Wohnung individuell einrichten, aber wenn sie einem innerlich widerstrebt, kann das auch die Psyche beeinflussen. Eigentlich sollte man den Artikeln all den MitarbeiterInnen in ARGE, Jobcenter & Co. schicken, die Hartz IV-Bezieher zwingen, in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Damit nehmen sie ihnen vielleicht auch den „Kokon“, aus dem heraus sie fähig wären, ihr Leben in den Griff zu kriegen.

Weiter bin ich noch nicht gekommen und jetzt muss ich mich auf den Schreibtreff und die Vortragslesung zur Bücherverbrennung 1933 vorbereiten. Ihr wisst jetzt, warum ich diese Zeitschrift liebe, die es im Übrigen geschafft hat, in den etwa 30 Jahren, in denen ich sie lese, immer das gleiche Niveau zu halten und meine Ausgaben haben bis auf ein Heft sämtliche Umzüge und Aufräumaktionen überlebt. Das eine Heft habe ich verliehen und nie zurückbekommen 🙁 und leider gibt es das auch im Verlag nicht mehr. Wann immer ich für ein Thema die alten Hefte durchblättere, fällt mir das wieder auf. Und jedes Mal schaue ich in sämtlichen Antiquariaten und hoffe, dass genau das Heft wieder auftaucht 🙂 © Birgit Ebbert