(16.08.2015) 2015 ist ein Jahr der Premieren für mich – nicht nur als Zuschauerin im Theater, sondern überhaupt. Gestern war ich zum ersten Mal bei den Schlossspielen auf Schloss Hohenlimburg und habe mich nach der Begeisterung über Inszenierung und Kulisse direkt geärgert, dass ich in früheren Jahren nicht dort war. Deshalb mein Tipp vorab: Der Besuch der Schlossspiele gehört für mich zu den x Dingen, die ein Hagener getan haben sollte. Wer also noch nicht dort war, sollte es in diesem Jahr nachholen.

„Hexenjagd“ nach einer wahren Begebenheit

Es erwartet die Zuschauer neben einem ganz besonderen Umfeld für ein Theatererlebnis auch einen sehr gelungene Inszenierung von Arthur Millers „Hexenjagd“, ein Stück, das 1953 entstand, auf einer wahren Begebenheit ausdem Jahr 1692 in Salem/Massachusetts beruht und an Aktualität nicht verloren hat. Auch wenn man bei uns nicht mehr Hexen jagt, habe ich mich doch sehr an den einen oder anderen Shitstorm im Internet erinnert, dessen Anfang sich meist nicht von dem einer mittelalterlichen Hexenjagd unterscheidet. Das war meine spontane Assoziation beim Betrachten des Stückes, das vor mittelalterlicher Kulisse in Kostümen von Silke Hank, die zu jener Zeit passen, und nah an Millers Text gespielt wurde.

Die Geschichte der „Hexenjagd“ mutet zunächst ganz simpel an, Pastor Parris ertappt seine Tochter, seine Nichte und einige andere Mädchen bei nächtlichen Tänzen im Wald. Als jedoch am nächsten Morgen drei der jungen Frauen merkwürdige Symptome zeigen, die eine spricht nicht, die andere isst nicht und die dritte liegt im Koma, wird man im Dorf misstrauisch. Steckt womöglich der Teufel hinter dem Ganzen? Um sich selbst zu schützen, schreien einige Mädchen plötzlich Namen von Nachbarinnen, die sie vermeintlich dem Teufel zugeführt haben. Ein Teufelskreis kommt in Gang, egal was manche auch tun, es wird ihnen als Hexerei ausgelegt und selbst die Lüge aus Liebe führt plötzlich ins Gefängnis.

Eine gelungene Inszenierung im Schloss Hohenlimburg

Mit ihrem überragenden Spiel haben die Schauspieler es geschafft, das Publikum in die Geschichte und ihren Bann zu ziehen. Ich wagte teilweise nicht auf den Auslöser der Kamera zu drücken, um die intensive Atmophäre und angespannte Stille nicht zu durchbrechen. Ich wüsste nicht, wen der Darsteller ich besonders herausstellen sollte, weil jeder seine Rolle so überzeugend gespielt hat, was teilweise auch auf den Bildern zu sehen ist, wo die Akteure selbst in Momenten, in denen sie nicht im Mittelpunkt standen, in ihrer Rolle blieben. Es spielten: Alexandra Böhm, Michael Creutz, Matthias Geck, Simon Jakobi, Indra Janorschke, Sigrid Janorschke, Lars Lienen, Zora Marks, Sarah Pennisi, Ariane Raspe, Carola Schmidt, Stefan Schroeder, Peter Schütze, Dario Weberg, Beate Wieser, die ich bisher teilweise schon in Komödien im Theater an der Volme gesehen hatten und die hier gezeigt haben, dass sie auch in ernsten Stücken brillieren können.

Herzlichen Glückwunsch an Dario Weberg und Indra Janorschke, die für die Inszenierung verantwortlich waren und gezeigt haben, dass sie weitaus mehr beherrschen, als sie in ihren auch sehr guten, aber doch eher unterhaltsamen Programmen im Theater an der Volme zeigen können.

Das Ganze wurde vermutlich auch deshalb so eindrücklich, weil es von Martin Brödermann mit einer von ihm speziell für die Aufführung komponierten Musik unterlegt wurde, die die Emotionen des Stückes treffend aufgriffen. Deshalb wäre die Formulierung „ganz großes Kino“ als Fazit sogar angemessen, ich sage es lieber so: eine wunderbare Inszenierung, die man sich nicht entgehen lassen sollte, denn sie ist nur im Rahmen der Schlossspiele zu sehen. Noch sind Karten für die nächsten Aufführungen erhältlich, aber wie früher ein Hexenverdacht kann sich heute auch ein Theater-Geheimntipp schnell herumsprechen. Also lieber gleich eine Karte reservieren. © Birgit Ebbert

Weitere Fotos von der Aufführung & der Eröffnungsatmosphäre

Die nächsten Aufführungen sind: 16.8. 18.00 Uhr, 19.8. 10.00 Uhr Schulvorstellung, 21.8. 20.00 Uhr, 26.8. 10.00 Uhr Schulvorstellung, 28.8. 20.00 Uhr

Weitere Informationen & Karten: www.schlossspiele.de und www.theaterandervolme.de