(04.10.2018) Ja, ich weiß, die Premiere der Komödie „Hilfe! Mein Mann heiratet! oder Die Leiche im Kuhstall“ von Stefan Schroeder im Theater an der Volme ist schon fast eine Woche her. Aber sie ist mir gut in Erinnerung und jetzt spute ich mich mit meinem Bericht, damit ihr noch rechtzeitig Karten für die nächste Aufführung am kommenden Samstag ordern könnt. Das solltet ihr tun, soviel kann ich vorab verraten, denn die Story hat genau die richtige Mischung zwischen Unterhaltung und Inspiration zum Nachdenken und ist klasse dargestellt von den SchauspielerInnen, die ihr Können durch einen ständigen Rollenwechsel unter Beweis stellen müssen – mit Erfolg. Also ab ans Telefon und Karten bestellen 🙂 Ich gehe auf jeden Fall auch noch einmal hin, weil ich durch die häufigen Kostümwechsel und meinen Ehrgeiz, alle Darsteller in allen Kostümen zu fotografieren, kaum hinter der Kamera hervorkam 🙂

Die Geschichte

Mich hat ja schon die Geschichte fasziniert. Reporterin Kathinka Krause hatte die schöne Idee, einen Fernsehsender zu gründen: Sat Hagen TV. Das schon hat mich zurückversetzt in die Anfänge des Privatfernsehens, die ja durchaus vergleichbar waren. Aber so ein Sender will auch bekannt gemacht werden, eine Märchenhochzeit ist dafür genau das richtige. Und so berichtet Kathinka Krause live aus Rummenohl, wo Großbauer Quentin Langenbeck die böhmische Prinzessin Klara von Niederzellberg ehelichen will. Auf dem roten Teppich erscheint ein illustrer Gast nach dem anderen und die Prinzessin wird mit dem Hubschrauber eingeflogen, das ist Stoff genug für eine Live-Sendung. Aber Live ist eben live, da kann auch schon mal etwas dazwischenkommen. Unversehens erscheint Quentins Ex-Frau Klarissa Langenbeck, eine Leiche taucht im Kuhstall auf und das Wetter sorgt für einige Turbulenzen im Hubschrauber der Prinzessin. All das und noch viel mehr erleben wir Zuschauer mit. Aber ich will nicht zuviel verraten, nur soviel: Es bleibt spannend bis zum Schluss.

Die Inszenierung

Wie schon gesagt, für die Schauspieler war dieses Stück Schwerstarbeit. Sie mussten ja nicht nur mental in sechs bis neun Rollen schlüpfen, sondern auch mit vollem Körpereinsatz. Da wurden Schuhe, Frisuren, Schnurrbärte und andere Kleinigkeiten gewechselt, um der jeweiligen Figur ihr unverwechselbares Aussehen zu geben. Um den Stress etwas zu reduzieren, wurden diese Umkostümierungen auf offener Bühne vorgenommen, was dem ganzen Stück zusätzlich zum Inhalt einen modernen Touch verlieh. Da war es gut, dass das Umziehen auf offener Bühne für kleine zusätzliche Heiterkeitsmomente sorgte und zum Inhalt der Komödie passte. Sehr gelungen waren auch die kleinen Statement-Einspieler, für die allerdings die Darsteller manchmal nur Sekunden in eine andere Rolle schlüpfen mussten.

Die Darstellerinnen und Darsteller

Den schwersten Part hatte sicher Carola Schmidt zu absolvieren, da sie einerseits Reporterin Kathinka Krause spielte und in dieser Rolle viele Monologe hatte, die sich teilweise zudem noch ähnelten – wir kennen das aus Live-Übertragungen, wo man den Eindruck hat, eigentlich wird nur gefragt, ob es etwas Neues gibt J Carola Schmidt hat das super gemeistert und ist zwischendurch noch in Hochzeitsgäste und andere Figuren geschlüpft. Wenig Text hingegen hatte Lars Lienen, aber auch das ist ja eine Herausforderung, die er wunderbar bewältigt hat. Dass man auf so viele Arten „Ja“ sagen kann, ist eine zusätzliche Erkenntnis, die man nach dem Besuch des Stückes mit nach Hause nimmt. Köstlich ist er aber auch als Adels-Experte, bei dem man gleich ein reales Vorbild vor Augen hat. Wer nun denkt, dass Alissa Schwichtenberg, die als Prinzessin im Hubschrauber über Rummenohl schwebte, nichts zu tun hatte, irrt sich. Sie wandelte sich von der Prinzessin zu Quentins Ex-Frau und mischte als solche die ganze Hochzeitsfeier gründlich auf. Eine tolle Leistung. Die hat auch der Autor und Regisseur des Stückes Stefan Schroeder vollbracht, der das große Ganze im Blick behalten und gleichzeitig in viele Nebenrollen schlüpfen musste – inkl. Ankleben eines falschen Barts auf offener Bühne 🙂 Chapeau!

Fazit

Eine sehr gelungene Inszenierung, die ich mir ganz sicher noch einmal anschauen werde, um die vielen kleinen Anspielungen auf die Mediengesellschaft und auf Hagen richtig genießen zu können. Und wer jetzt sagt, och nee, nicht schon wieder was mit Hagen! Die Anspielungen sind winzig, man kann sie überhören oder schmunzeln. Die nächste Vorstellung ist am Samstag, den 6. Oktober, weitere Termine sind: 12.10., 18.11., 21.12., 04.01., 02.02., 03.02., 01.03.

Karten und weitere Informationen: www.theaterandervolme.de

 

Und noch ein paar Fotos, um eure Neugier zu wecken 🙂