Hagener Impuls, Hohenhof(21.05.2014) Bis ich nach Hagen zog, hatte ich weder vom Hagener Impuls noch vom Hohenhof gehört. Anfangs habe ich mich auch nicht sonderlich darum gekümmert, dann sah ich zum ersten Mal den Hohenhof und war verblüfft, dass ein solches Architektur-Kunstwerk am Rande Hagens steht. Nur wenige Kilometer von der Autobahn-Abfahrt Hagen-Süd entfernt, sodass ich auf dem Weg von Stuttgart nach Bochum leicht einen Abstecher hätte machen können. (Foto rechts: Rückwärtige Aufnahme von Ulrich Wens)

Der Hohenhof wurde von 1906 bis 1908 als Villa für den Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus gebaut. Osthaus‘ Faible für schöne Dinge ging soweit, dass er sich seinen Landsitz, wie man die Villa schon fast nennen kann, von dem belgischen Künstler-Architekten Henry van de Velde als Kunstwerk bauen ließ. Dabei ließ Osthaus van de Velde weitgehend freie Hand – bis auf ein Bild, das er bereits gekauft hatte und das unbedingt untergebracht werden musste. Henry van de Velde ließ sich darauf ein und entwarf das „Verweilzimmer“ um das Kunstwerk „Der Auserwählte“ von Ferdinand Hodler herum, ein Beispiel für seine Art zu arbeiten, die noch heute in seiner Ursprungsform zu besichtigen ist.

Schablonenmalerei von Johan Thorn-Prikker im Arbeitszimmer
Schablonenmalerei von Johan Thorn-Prikker im Arbeitszimmer

Wie überhaupt versucht wurde, den Hohenhof soweit wie möglich wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen, sodass die Besucher sich gut vorstellen können, wie Karl Ernst Osthaus mit seiner Frau und seinen fünf Kindern dort gelebt hat.

Ein Tick von Osthaus machte das möglich. Er ließ nämlich Fotos von dem Haus anfertigen, die noch heute zugänglich sind – allerdings in schwarz-weiß, sodass es für die Restauratoren eine echte Herausforderung war, die ursprünglichen Farben zu treffen.

Manchmal half ihnen der Zufall, wenn sich unter Leisten oder Borden noch Reste der Wandbespannung oder Bemalung fanden, sogar eine Tochter von Karl Ernst Osthaus wurde zu Rate gezogen.

Treppenhaus-Fenster von Johan Thorn-Prikker
Treppenhaus-Fenster von Johan Thorn-Prikker

Es ist ohnehin erstaunlich, dass die Räume noch so intakt sind, schließlich hat das Haus eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Familie Osthaus lebte dort vom Einzug 1908 bis zum Tod von Karl Ernst Osthaus 1921. Nach dem Tod wurde das Haus verkauft und stand einige Jahre leer, ehe dort eine Gauleiter-Schule Einzug hielt. Nach dem Krieg und der Zerstörung von Kliniken in Hagen, wurden die Räume bis in die 60er Jahre als Frauen- bzw. Geburtsklinik genutzt. Anschließend nahm die Pädagogische Hochschule die Villa vorübergehend in Besitz bis sie Ende der 60er Jahre nach Dortmund umzog. Danach standen die Räume einige Zeit leer, bis in den 70er Jahren das Bewusstsein dafür wuchs, welches Denkmal der Architekturgeschichte auf Emst vor sich hin dümpelte.

Frauenkopf von George Minne
„Frauenkopf“ von George Minne im Verweilzimmer

Man begann, das Erdgeschoss originalgetreu wieder herzustellen – die Empfangshalle, der das Verweilzimmer, der Damensalon, der auch als Musikzimmer genutzt wurde, das Arbeitszimmer von Karl Ernst Osthaus, das Speisezimmer und die Wintergärten lassen die Besucher teilhaben, wie begüterte Menschen vor 100 Jahren lebten. Überall ist zu erkennen, dass der Hohenhof eines der wenigen erhaltenen Gebäude ist, die als Jugendstil-Gesamtwerk geschaffen wurden. Henry van de Velde war sehr pingelig, was die Ausgestaltung der Räume anging, jedes Detail musste bei ihm stimmen, auch wenn er es manchmal zu genau nahmen und Gertrud Osthaus gelegentlich die zur Villa passende von van de Velde entworfene Garderobe tragen musste.

Veröffentlichung aus dem Folkwang-Verlag
Veröffentlichung aus dem Folkwang-Verlag

Der Hohenhof ist allerdings mehr als ein Kunstwerk, er vereint Kunst und Geschichte in besonderer Weise. So befindet sich beispielsweise in einem Wintergarten das Fliesentryptichon „Satyr und Nymphen“ von Henri Matisse, das unabhängig vom Kunstwert bemerkensweis ist, weil Matisse zur Nazi-Zeit als entartet galt und die Nazis, die die Gauleiter-Schule besuchten, täglich daran vorbeispazierten. Ob deshalb, weil es mit einem Vorhang verdeckt war, oder weil sie beim Anblick der nackten Frauen nicht an „entartet“ dachten – wer weiß das schon. Ebenfalls erhalten ist bis auf ein Element, das ergänzt werden musste, die Verglasung im Treppenhaus von Johan Thorn-Prikker.

Fenstergitter als Signatur
Fenstergitter als Signatur

In der oberen Etage der Villa befindet sich eine Ausstellung, die Hintergründe des Schaffens von Karl Ernst Osthaus zeigt. Um diese Informationen aufzunehmen, werde ich an einem Regensonntag noch einmal den Hohenhof besuchen. Der Weg ist nicht weit, Parkplätze gibt es auch genügend, da lohnt es sich auch für Nicht-Hagener von der Autobahn abzufahren. Was wohl für die Führung einige getan haben. Wenn ich die Postleitzahlen auf der Teilnehmerliste und die Gespräche am Rande richtig in Erinnerung habe, haben mehr Auswärtige an dem Rundgang teilgenommen als Hagener.
Apropos Rundgang: Die zweistündige interessante Führung von Dr. Elisabeth May begann zwar im Hohenhof, er führte jedoch weiter zum Stirnband und zur Villa Cuno, den weiteren architektonischen Besonderheiten der Stirnband-Siedlung, über die ich in einem nächsten Beitrag berichten werde. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen über den Hohenhof samt Adresse und Öffnungszeiten

Außenaufnahme vom Hohenhof: Ulrich Wens – www.moment-aufnahmen.info