(08.05.2014) Zu den Erlebnissen, die ich als Eingewanderte mit den Hagener Ureinwohnern gemeinsam habe, gehört sicher der Sonntagsausflug zur Hohensyburg. Ja, wir sind aus dem Münsterland sonntags mit dem Auto zur Hohensyburg gefahren, um den Weitblick zu genießen. Gestern war ich eher zufällig wieder dort und verblüfft, wie sehr die Anlage mit der Burgruine, dem Vincketurm und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal dem Bild in meiner Erinnerung gleicht. Irgendwie auch schön, dass es Baudenkmäler gibt, die die Zeit überdauern.

Diese Baudenkmäler blicken immerhin schon auf 140 und mehr Jahre zurück, mehr als ein Menschenleben. Generationen von Kindern sind dort herumgeklettert – ok, heute habe ich erlebt, dass Kinder nicht mehr klettern, sondern mit einem elektrisch betriebenen Kettcar immer um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal brettern. Ehrlich, da ist mir Kinderlachen lieber. Aber die Zeiten ändern sich eben – nur Kaiser Wilhelm und seine Mitstreiter Fürst Otto von Bismarck und Graf Helmuth Karl Bernhard von Moltke harren auf ihren Sockeln aus und schauen in die Ferne. Seit 110 Jahren schon. Damals wurde das Denkmal von der Grafschaft Mark zum Dank dafür, dass Kaiser Wilhelm wieder Ordnung in die Region gebracht hat, erbaut. Von 1893 bis 1902 arbeiteten die Bauleute unter der Leitung von Adolf von Donndorf an dem Denkmal, 1902 wurde es offiziell eingeweiht – aber nicht in der Form, die wir heute sehen. Für die ist derDortmunder Bildhauer Friedrich Badgon verantwortlich, der das Monument 1935 im Stil der nationalsozialistischen Architektur umbauen ließ.

Ehe man jedoch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal erreicht, gelangt man – vom Parkplatz am Spielcasino, der übrigens von 8.00 bis 13.00 Uhr kostenfrei ist, kommend – zunächst zur Burgruine. Die dicken Mauern der ehemaligen Höhenburg lassen erahnen, dass die Bewohner dort relativ sicher waren. Allerdings erst ab Mitte des 12. Jahrhunderts, als die steinerne Burg gebaut wurde, deren Mauerreste wir heute sehen. Davor, etwa ab dem 7. Jahrhundert, bestanden die Burgen eher aus Holz, Erde und vielleicht ein paar Bruchsteinen.

Kein Wunder, dass es Karl dem Großen gelang, Widukind zu vertreiben, der sich dort mit seiner Gefolgschaft verschanzt hatte. Eine wirklich wechselvolle Geschichte, die die Mauern und ihre Vorläufer erlebt haben, insgesamt drei Burgen sollen hier auf dem Berg gestanden haben. Für die Zerstörung der Burg 1287 war übrigens auch Graf Eberhard von der Mark verantwortlich, der mir bei meiner Recherche schon öfter aufgefallen ist. In seinem Kampf gegen Kurköln hat er zwar Hohenlimburg von der Herrschaft der Erzbischöfe befreit, auf dem Weg aber auch manche Trümmer hinterlassen.

In der Ruine befindet sich ein von dem Bildhauer Friedrich Bagdon stammendes Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1930, ein liegender Soldat in Uniform, zu dessen Füßen ein Adler sitzt. Kommt man vom Casino sieht man durch den erhaltenen Torbogen den Kopf des Soldaten und im Hintergrund die Spitze des Vincketurms. Dieser Turm wurde 1857 für Ludwig von Vincke gebaut, der als Oberpräsident Westfalens dafür gesorgt hat, dass die Region rund um die Ruhr und Westfalen nach der Niederlage der Franzosen wieder aufgebaut wurden. Durch seine Heirat war Ludwig von Vincke in den Besitz der Burgruine gelangt, was den Bau des Turms an eben jener Stelle erklärt.

Vermutlich geht es jedem, der den  26 Meter hohen, achteckigen neugotischen Turm aus Ruhrsandstein auf dem knapp 245 Meter hohen Syberg sieht, wie mir. Ich habe als erstes an den Turm von Rapunzel im Märchen gedacht. Da er heute eingezäunt ist und man wirklich an einem Wochentag nicht einfach auf die Aussichtsplattform steigen kann, passt die Assoziation auch. Direkt davor steht übrigens ein Häuschen, das wie ein Hexenhäuschen wirkt und – wenn ich mich recht erinnere – schon vor zig Jahren sonntags als Andenkenladen diente.

Außer der Anlage rund um die Burgruine gibt es in Syburg noch ein altes und geschichtenträchtiges Gebäude, die Kirche St. Peter. Die habe ich allerdings gestern nicht mehr besucht, nachdem ich aber gelesen habe, dass es dort einen angeblich vom Papst 799 geweihten Brunnen geben soll, werde ich mich demnächst erneut auf den Weg machen – gezielt dieses Mal, um nachzusehen, was an dieser Mär wahr ist. Ganz ehrlich: Da sage noch einer, er möchte im Ruhrgebiet nicht tot über dem Zaun hängen! Ob Düsseldorf in der Summe so viele spannende Geschichten und Baudenkmäler zu bieten hat, wage ich doch sehr zu bezweifeln. © Birgit Ebbert