(17.09.2018) Gestern war ich endlich im Theater Nero in Erkrath, von dem ich schon so viel gehört hatte. Einer der Chefs dort ist Lars Lienen, der in den Krimikomödien im Theater an der Volme zum Polizeipräsidenten aufgestiegen ist, sich gerade erst in „Der zerbrochene Krug“ in einen kritischen Gerichtsrat verwandelt hat und auch sonst viele Fans in Hagen hat. Er leitet das Theater zusammen mit seinem Partner Patrick Woitscheck, dem ich unter anderem den entspannenden Aufenthalt in dem Zaubergarten verdanke 🙂 Einmal im Jahr inszeniert er mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer seines Schauspielkurses ein Stück. In diesem Jahr war das „Hotel zu den zwei Welten“ von Eric-Emmanuel Schmitt, das mir von Story, Bühnenbild, Inszenierung und Schauspielleistung so gut gefallen hat, dass ich unbedingt versuchen will, es noch einmal anzusehen. Doch ich greife schon wieder vor 🙂

Hotel zu den zwei Welten

Im Hotel zu den zwei Welten begegnen sich Menschen, die in der Erdwelt mit dem Tod ringen – sei es, weil sie nach einem Unfall operiert werden, weil sie ins Koma gefallen sind oder aus anderen Gründen zwischen Leben und Tod schweben. In diesem Hotel warten die Menschen ohne die Schmerzen, die sie auf der Erde außerhalb des Bewusstseins erleiden, darauf, wie das Schicksal entscheiden wird. Gelingt es den Ärzten, sie durch eine Operation ins Leben zurückzubringen oder müssen sie irgendwann die Beatmungsgeräte abschalten? Das weiß auch im Hotel zu den zwei Welten niemand. Nicht einmal Doktor S., die Leitung des Etablissements, die allerhöchstens aktuelle Neuigkeiten über die Lage der einzelnen Gäste bekommt. Dennoch macht Doktor S. keinen Unterschied zwischen ihren Gästen, ob Putzfrau oder Präsidentin eines Unternehmens, ob jung oder alt, sie scheint ihre Aufgabe distanziert und freundlich auszuüben. Bis zu der besonderen Konstellation, die die Zuschauer auf der Bühne miterleben. Da ist die Putzfrau, die sich selbst herabsetzt, und die Präsidentin, die von ganzem Herzen von sich überzeugt ist. Da ist die Magierin, die eine heiter-melancholische Aura umgibt, Paul, der sich nach einem anstrengenden Tag ins Alkoholkoma säuft und Amelie, deren Ohnmachtsanfälle sie so oft ins Hotel bringt, dass sie schon nicht mehr aus dem Aufzug steigt, in dem die Gäste anreisen. Auch Laura kennt das Hotel bereits, weil eine Herzkrankheit sie bereits mehrmals in Todesnähe gebracht hat. Das Schicksal wird sie verbinden – wie, das muss man sich selbst anschauen 🙂

Die Inszenierung

Wie schon erwähnt, ich bin so begeistert von Stück und Inszenierung, dass ich versuchen werde, eine der beiden letzten Aufführungen zu besuchen. Ganz ehrlich, bis ich nach dem Stück mit Lars über die Schauspieler gesprochen habe, wusste ich nicht, dass nicht alle Profis sind. Alle haben wirklich gut gespielt, auch in den Nebenrollen als Hauspersonal, das mit neutralem Blick ins Publikum das Geschehen im Publikum verfolgt. Wer sich an „Armer schwarzer Kater“-Spiele erinnert, weiß, dass das über lange Szenen hinweg an sich schon eine Leistung ist. Vor allem aber sind die DarstellerInnen ihren Rollen überzeugend gerecht geworden, Alexandra Fetten als Unfallopfer Julie Portal, Ivonne Peters als Magierin Radschapur, Alissa Schwichtenberg – die kennen wir hier in Hagen doch 🙂 – als Präsidentin Delbeck, Louisa Neubauer als Putzfrau Marie Martin, Stefanie Mazzucca, die als Amelie ihr Bühnendebüt gab, Cornelia Kasper als Dr. S, Isobel Kersting als herzkranke Laura und Philipp Friedländer als Manager mit einem Faible für besondere Auszeiten. Die acht Darsteller bewegten sich in einem tollen Bühnenbild, so einfach und doch so eindrucksvoll, mit einem Aufzug, der jedes Mal schön röhrte, wenn ein neuer Gast kam oder jemand das Hotel verließ.

Das Theater Nero

Seit zwölf Jahren betreibt Lars Lienen das Theater Nero, das eine Mischung aus Plattform für seine Schauspielschüler und professionelle Inszenierungen ist. Man muss das Theater wirklich gesehen haben, ich hatte schon davon gehört, aber so wundervoll hatte ich es mir nicht vorgestellt. Gleich am Eingang wird man freundlich begrüßt und Neulinge bekommen eine kleine Einweisung in das Theater. Die ist wirklich hilfreich, so fühlt man sich gleich zu Hause und – wie man bei Facebook sehen konnte – habe ich mir gleich einen schönen Falt-Platz gesucht. Das Theater besteht aus einer kleinen Garderobe, eine Toilette, einer gemütlichen Bar, der Bühne natürlich, an die sich eine kleine Technik klammert, dem Zuschauerraum mit schönen Plüschstühlen – ich liebe das – und dem Garten. Irgendwo gibt es wohl auch noch eine Künstlergarderobe, aber da war ich nicht. Man muss ja nicht alles sehen. Und dann gibt es ja wohl noch einen Flur, meint ihr? Jein! Es gibt einen kleinen Flur, vo dem aus man in den verwunschenen Garten gelangt. Aber der Flur wird während der Aufführung zur Bühne – das Theater ist also nichts für Leute, die gerne mal während der Vorstellung verschwinden, wohin auch immer 🙂 Doch zurück zum Garten, in dem neben den üblichen Insekten zwei Schweine leben. Um sie herum befindet sich ein kleiner Park mit vielen Sitzgelegenheiten, sodass man sich die Zeit bis zur Aufführung gut vertreiben kann – zum Beispiel mit einem Suchbild mit Kranich 🙂 Ich war sicher nicht das letzte Mal dort und überlege, ob ich eher am 22. oder 23. September noch einmal hinfahre. 🙂 © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: www.theaternero.de