(29.01.2017) Am Freitagabend war ich in der ersten Theaterpremiere in diesem Jahr, der amüsante, aber lange Titel „Hühnchen, ich hab‘ einen Liebling zu rupfen“ passt zwar nicht in die Titelzeile, aber er lässt schon erahnen, worum es geht – um Tiere, Liebe und den einen oder anderen Disput. Und so kam es dann auch.

Zwischen Frauenhass und Liebeskummer

Zunächst einmal durften wir dem Psychiater Hannes Rauhenstein bei seiner mühseligen Analysearbeit über die Schulter schauen. Er hatte aber auch einen hartnäckigen Klienten. Reinigungskraft Mario, der ihn um eine Idee bat, alle Frauen von unserem Planeten verschwinden zu lassen. Schon bald wurde jedoch deutlich, dass Marios Problem mit Frauen bereits länger währt wie auch die Analyse des Herrn Professor. Nach drei Jahren war keine Besserung in Sicht. Auch der Liebeskrankheit von Frau Blökle ist Hannes Rauhenstein in fünf Jahren keinen Schritt nähergekommen. Da ist es ganz hilfreich, dass sich eine gänzlich überraschende Wendung anbahnt.

Von menschlichen & tierischen Patienten

Unversehens steht nämlich Aurelie Tissout in der Praxis des Professors, Schwägerin des Psychiaters und Tierärztin, die ihren Mann soeben verlassen hat. Mit ihrem Hab und Gut trägt sie auch die Idee ins Haus, in den Therapieräumen eine eigene Tierarztpraxis zu eröffnen, nachdem sie in der ihres Mannes nicht mehr mitarbeiten kann. Nun ist Aurelie eine Frau der schnellen Entschlüsse und geschickter Argumentationstaktik. Ehe Hannes sich versieht, stehen bereits die ersten Patienten vor der Tür. Besser gesagt, sie sitzen im Wartezimmer, das sie sich mit Hannes‘ Klienten teilen. Eine Konstellation, die viel Raum für witzige Verwechslungen und Situationskomik bietet.

Eine Komödie mit Humor und Tiefgang

So gibt es viel zu lachen an diesem Abend, nicht nur als Aurelie ihren Anamnesebogen bei Frau Bökle einsetzt und ihre erfolgreichen Therapien auf Hannes ehemalige Klienten überträgt, die Futterbeuteltherapie sollten wir uns auf jeden Fall merken 🙂 Zwischen den Zeilen und das finde ich an diesem Stück so besonders, finden sich kleine Lebensweisheiten, über die man nicht oft genug nachdenken kann. Na gut, Langeweile treibt uns vielleicht nicht in eine Depression, aber manchmal ist eine sinnvolle Beschäftigung eben doch ein guter Ersatz für Medikamente und andere medizinische Therapien. In jedem Fall sollte man sich das Stück anschauen, es verspricht einen vergnüglichen Abend – dank der pfiffigen Textideen und der gelungenen Übertragung auf die Bühne durch Roman Weber als einsichtiger Frauenhasser, Matthias Geck als knorziger Psychiater Rauhenstein, Ariane Raspe als pragmatische, gelassene Aurelie, Kerstin Menzebach als resolute Gemahlin des Professors, Carola Schmidt als liebeskranke Frau Blökle und Indra Janorschke als resolute Hundebesitzerin mit ihren vier knuffigen Hunden an den Leinen. © Birgit Ebbert

Die nächsten Aufführungstermine: 11.02., 12.02., 09.03., 23.03., 29.04., 26.05., 30.06.

Weitere Informationen und Karten: www.theaterandervolme.de

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