(03.03.2013) Haben wir nicht alle schon mal davon gehört, dass es rund um den Handel bei ebay merkwürdige Machenschaften gibt? Was bisher eher gerüchteweise kursierte, kann man nun aus erster Hand erfahren. Na gut, eher aus zweiter Hand, denn der Autor des Buches „Ich war ein Abmahn-Terrorist“ war nicht selbst bei ebay aktiv, sondern er hat lediglich als Anwalt für einen Mandanten Abmahnungen verschickt. Eine perfekte Lektüre für eine Krimi-Autorin, weshalb ich mir die 180 Seiten am Sonntag zu Gemüte geführt habe. Am Ende war ich fassungslos und hatte gleich mehrere Ideen für Opfer in einem Krimi.

Doch worum geht es überhaupt? Ich versuche das als Nicht-Juristin laienhaft zusammenzufassen: Wer in gewerblichem Sinne bei Ebay Waren verkauft, geht rechtlich einige Verpflichtungen ein, er muss z. B. wie jedes andere Versandhaus auch auf das Widerrufsrecht hinweisen und seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen offen legen. Tut er das nicht, kann ein Konkurrent ihn unter Bezug auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb abmahnen lassen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er wirklich ein Konkurrent ist, also mit den gleichen Waren Umsätze macht und damit rechnen muss, dass er durch die Nachlässigkeit des Konkurrenten weniger Umsatz macht.

Der Autor des Buches hat nun im Auftrag eines angeblichen Ebay-Händlers Abmahnungen verschickt. Da es sich bei dem Mandanten um eine Empfehlung von einer anderen Kanzlei handelte, hat er die Geschäftstätigkeit des Mandanten nicht umfassend geprüft und ihm Glauben geschenkt, zumal die andere Kanzlei bereits zahlreiche Abmahnungen für jenen Mandanten verschickt hat.

Nun braucht man für eine solche Abmahnung schon Belege, die recherchiert werden müssen. Der Mandant hat dem Anwalt angeboten, diese Belege zu beschaffen und dafür Gebühren in Rechnung zu stellen, die dann mit den Anwaltsgebühren verrechnet werden. So hätte er das mit der alten Kanzlei auch gemacht.

Gesagt, getan. Dass dieser Mandant in Wirklichkeit nicht von seinen Ebay-Verkäufen, sondern von jenen Recherche-Gebühren lebt, konnte der Anwalt nicht wissen. Das wurde ihm schließlich zum Verhängnis, sodass er am Ende strafrechtlich verfolgt und verurteilt wurde.
Eine unglaubliche Geschichte, die man mit großen Augen und offenem Mund liest, auch wenn er die menschliche Seite des Ganzen beschreibt. Auf den ersten Seiten, das gebe ich zu, braucht man schon ein wenig Geduld, weil da die rechtlichen Zusammenhänge in Juristensprache erklärt werden. Aber es lohnt sich, weiterzulesen oder diesen Teil zu überschlagen.
Ein lesenswertes Buch – nicht nur für Krimiautoren, auch wegen des durchaus praktischen Nutzens, wenn man sich als Ebay-Verkäufer betätigt. Der Autor hat mir freundlicher Weise drei Fragen zum Buch beantwortet, die erklären, wie er in diese Situation gekommen ist. Vielen Dank, Herr Payr.

1. Was wussten Sie über Ebay, als Sie diese Mandantschaft übernommen haben?

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nur, dass es sich um ein Internet –Verkaufsportal handelt. Ich hatte mich damit nicht näher beschäftigt , da ich persönlich mein Einkaufserlebnis brauche. Ein Ver- oder Einkauf kam und kommt für mich dort bis heute nicht in Betracht. Unter anderem wegen schlechter Erfahrungen von Mandanten in jüngerer Zeit, obwohl zwischenzeitlich viele Verbesserungen eingeführt wurden. Siehe“ Paypal.“

2. Welche Lehre haben Sie für sich aus dem Ganzen gezogen?

Werde als Rechtsanwalt nie auf einem Rechtsgebiet tätig von dem du noch keine näheren Erfahrungen hast. Übernehme nie vorformulierte und angeblich abgeprüfte Formularschreiben von Dritten. Werde erst tätig nach eigener Recherche und ordentlicher Überprüfung der damit verbundenen Rechtsfragen. Arbeite nie vorschnell und unüberlegt und traue keinem Dritten, sei er dir noch so nah.

3. Welchen Rat geben Sie Menschen, die bei Ebay verkaufen?

Halten Sie sich an die vorgegebenen Ebay-Regularien. Informieren Sie sich über die rechtlich korrekte Abfassung von „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“. Überprüfen sie zweifelhafte Besteller anhand von Testfragen oder Käufen. Prüfen sie soweit möglich, Name und Adresse des Bestellers insbesondere ob er im Internet bereits auffällig geworden ist.

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