Eine kleine Auswahl der Bücher, die ich in den letzten 12 Jahren zur Bücherverbrennung gelesen habe.

(02.02.2013) Vor 70 Jahren, am 4. Februar 1943, wurde erstmals mein Lieblingsstück von Bertolt Brecht „Der gute Mensch von Sezuan“ aufgeführt. Als ich für das Portal „Schulbuchzentrum Online“ einen Artikel darüber schrieb, kamen mir die 17 Jahre, die Brecht für die Umsetzung gebraucht hat, unglaublich lang vor. Nun sortiere ich gerade meine Unterlagen zu meinem Roman „Brandbücher“, der am 1. Juli im Gmeiner-Verlag erscheinen wird, und bin völlig verblüfft, wie lange mich das Thema schon beschäftigt.

Die erste Begegnung mit dem Thema „Bücherverbrennung“ hatte ich schon Mitte der 80er Jahre, als ich bei der Landeszentrale für politische Bildung NRW das Buch „10. Mai 1933“ von Ulrich Walberer bestellt und das Buch „Dort wo man Bücher verbrennt“ von Klaus Schöffling aus dem Stapel der reduzierten Bücher in einer Buchhandlung in Münster gefischt habe. Als ich Anfang der 90er Jahre meine Doktorarbeit über Erich Kästner schrieb, der in Berlin Zeuge war, wie seine Bücher verbrannt wurden, wurde ich daran erinnert.

1999 habe ich nach einem sehr arbeitsreichen Jahr beschlossen, dass ich mich dringend in meiner Freizeit mit anderen Themen als meinem Job beschäftigen sollte. Dabei fielen mir die Unterlagen über die Bücherverbrennung wieder in die Hände und ich begann zu recherchieren. Das Internet war keine große Hilfe, es gab weder Wikipedia und auch die Suchmaschinen steckten noch in den Kinderschuhen. Sie spuckten zum Thema „Bücherverbrennung 1933“ ein oder zwei Beiträge aus.

Aus jener Zeit stammen auch meine ersten Notizen für einen Roman zur Bücherverbrennung. Das heißt, dass ich mich – je nachdem, wann die Zeitrechnung beginnt – doch auch 13 oder sogar 20 Jahre mit dem Roman beschäftigt habe. In der Zeit habe ich mich unter anderem für die „Aktion Patenschaften für verbrannte Bücher e. V.“ engagiert, deren Ziel es war, der Sammlung von Büchern „verbrannter“ Autoren, die Georg P. Salzmann aufgebaut hatte, ein neues Zuhause zu verschaffen. Manche der Beiträge in meinem Blog zur Bücherverbrennung stammen noch aus der Zeit, da ich für die Internetseite die Autorenprofile geschrieben habe. Und ich habe Material gesammelt über Bücherverbrennungen in Deutschland, das sich in über 20 Ordnern befindet, die Bücher zu dem Thema noch nicht mitgerechnet. Besonders stolz bin ich, dass ich eine Erstausgabe von „Verboten und verbrannt“ von Richard Drews und Alfred Kantorowicz besitze. Es ist im Heinz Ullstein-Helmut Kindler Verlag erschienen, der unter der Lizenz Nr. B 206 von der amerikanischen Militärregierung zugelassen wurde.

Ich wusste immer, dass ich irgendwann einmal ein Buch zu dem Thema schreiben wollte. Inzwischen sind schon so viele Sachbücher erschienen, dass mich das nicht mehr gereizt hat. Aber es gab noch keine belletristische Bearbeitung des Themas. Im letzten Jahr habe ich entschieden, dass es nun an der Zeit wäre, den Roman zu schreiben. Überrascht stellte ich fest, dass bereits ein Drittel des Manuskriptes samt Profilen der Protagonisten und Plot in meinem Computer schlummerten.

Irgendwie schön zu sehen, dass auch nach langer Zeit ein Projekt Wirklichkeit wird. Buchideen sind eben nicht immer wie Blumen, die in wenigen Monaten wachsen, sondern wie Bäume, die mehrere Jahre brauchen, um Früchte zu tragen.