(19.06.2014) Beim Aufräumen fand ich nicht nur mein allererstes Schreibheft, sondern auch ein Deutschheft aus der siebten und ein Religionsheft aus der achten Klasse. Während das Schreibheft einfach nur verrät, wie ich 1969 Schreiben gelernt habe, geben die anderen Hefte zu meinem Erstaunen auch einen Einblick in das Leben jener Zeit.

Am 26. Januar 1976 zum Beispiel mussten wir als Hausaufgaben Beispiele für die negative Wirkung von Spielen (!) und Fernsehfilmen geben. Da war ich doch überrascht, weil ich bisher immer davon ausging, dass mich das Thema während des Studiums bzw. später als Jugendschützerin das erste Mal beschäftigte. Als Beispiel für die Gewöhnung an Brutalität habe ich (mit 13) geschrieben: „Manche Kinder schlagen sich oft, so daß sie es nachher gar nicht schlimm finden, wenn in Kriegen geschlagen oder geschossen wird.“

Meine damaligen Fernsehhelden waren übrigens (Hausaufgabe vom 6. Februar 1976):

  1. Wickie
  2. Caine
  3. Tarzan
  4. Daktari
  5. Columbo (Sehe ich heute noch gerne, so ganz hat sich mein Geschmack wohl nicht geändert.)
  6. Kojak
  7. Derrick
  8. Lassie
  9. Flipper
  10. Kommissar Keller (Der Kommissar)
  11. Cannon (Das sagt mir heute gar nichts mehr.)
  12. Dudley Duright (Keine Ahnung, was das war.)
  13. Cartwrights (Bonanza, Serientitel waren mir schon damals nicht so wichtig.)
  14. Barlow (Was das war, weiß ich nicht.)
  15. Kim (An die Sendung habe ich keine Erinnerung.)
  16. Robbi, Tobbi (Ich habe schon als Schülerin nur das Nötigste geschrieben und Fliewatüüt fand ich wohl überflüssig.)

Ein Trend zum Krimi war schon damals unverkennbar, aber dafür habe ich mich auch noch mit Kindersendungen aufgehalten.

Nach diesem eher unterhaltsamen Thema wandten wir uns übrigens „Hektors Tod“ zu und mussten als erstes lalle Fremdwörter herausschreiben und erklären, zu manchen Begriffen habe ich damals keine Übersetzung gefunden, zum Beispiel zu „langhinschattend“ und „viergebügelt“, dafür konnte ich aber „indes“, „hehr“, „stracks“ und „Verruchter“ erklären. Was mir dabei auffällt – ich hatte in den acht Jahren Lernbegleitung noch keinen Schüler, der eine solche Hausaufgabe bekommen hätte. Entweder standen die Erklärungen im Schulbuch und sie mussten selbst damit zurechtkommen.

Puh, die Lehrer sind damals zügig durch den Stoff getrabt – Anfang Februar noch Fernsehen, dann Hektors Tod, am 19. Februar mussten wir uns in der Hausaufgabe schon mit der Brutalität im Comic „Batman“ befassen.

Ich sehe gerade, dass wir uns im März 1976 mit der Bürgschaft beschäftigt haben, ich dachte, das Gedicht wäre im Deutschunterricht an mir vorbeigelaufen – ok, ist es wohl auch, wenn ich mich nicht mehr erinnere. Nach der Bürgschaft – alles noch im zweiten Halbjahr der siebten Klasse (!) haben wir uns dann mit Heike Hornschuh „Ich bin 13“ befasst, das Buch werde ich gelegentlich wieder einmal lesen. Ich bin gespannt, wie ich die Fragen in dem Heft 40 Jahre später beantworten werde. Zwischendurch gab es noch ein wenig Grammatik, aber die fand ich zu langweilig für diesen Beitrag.

Eigentlich sollte jetzt noch ein Blick in das Religionsheft erfolgen, aber das wäre zu schade, von Teufelsaustreibung bis zum § 218 kommt nämlich alles vor. Fortsetzung folgt also. © Birgit Ebbert