c-birgit-ebbert-P1310994a(02.09.2016) Ein wenig fühlte ich mich bei der Semesteröffnung der VHS Hagen gestern wirklich wie in anderen Sphären. Manches, was WDR-Wissenschaftsredakteur Joachim Hecker über den momentanen Stand in Sachen „Künstliche Intelligenz“ berichtete, eignete sich für einen Roman, den einem keiner abnimmt, weil die Geschichte zu weit her geholt erscheint. Und Stefan Erbe hat uns mitgenommen in seine Welt der Musik, verknüpft mit Bildern, von denen ich mir teilweise lieber nicht vorstellen wollte, was sie darstellen – hoffentlich Science Fiction 🙂 Nein, beschreiben kann ich das nicht, da hättet ihr schon selbst kommen müssen. Aber soviel kann ich verraten: Ihr habt was verpasst! Hier ist für euch und für mich als Gedächtnisstütze eine Zusammenfassung dessen, was Joachim Hecker referiert hat. Zum Gänsehaut-Kriegen, sag ich euch.

Künstliche Intelligenz

Gastgeberinnen der VHS Hagen
Die Gastgeberinnen Bianca Sonnenberg & Sigrun Politt

Für diejenigen, die gerade nicht präsent haben, was Künstliche Intelligenz (bei uns als KI abgekürzt oder auch AI nach der englischen Bezeichnung Artifical Intelligence) ist, ein kleiner Exkurs: Es handelt sich bei KI um Computersoftware, die sich selbst fortschreibt und entwickelt. Nach einer Woche reagiert sie in der gleichen Situation anders als zuvor, sie hat etwas gelernt und das ist nicht immer im Sinne des Menschen oder Programmierers. Begonnen hat die Entwicklung mit „Eliza“ einem Computer, der auf Fragen halbwegs sinnvoll reagieren konnte. Er wurde konzipiert von Joseph Weizenbaum, der von dem, was er erschaffen hat, so erschrocken war, dass er sich vom Vorreiter zum Kritiker gewandelt hat. Ich habe sein Buch „Kurs auf den Eisberg“ verschlungen und wenn ich mich recht erinnere, habe ich ihn in meiner Stuttgarter Zeit sogar als Redner bei einem Kongress erlebt. Doch das am Rande, zurück zu dem, wie KI heute bereits eingesetzt wird.

Künstliche Intelligenz in der Fiktion

c-birgit-ebbert-P1310997Na gut, in der Antike kannte man den Begriff KI wohl noch nicht, aber doch schon die Idee, etwas Unbelebtes zu beleben und mit einem eigenen Willen zu versehen. Wie der Zauberlehrling den Besen.

Die Literatur glänzte ohnehin sehr früh mit entsprechenden Fantasien. In der Kurzgeschichte „Robbie“ von Isaac Asimov werden sogar bereits Robotergesetze verabschiedet, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben:

  1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen.
  2. Ein Roboter muss dem Menschen gehorchen, es sei denn, er müsste gegen Gesetz 1 verstoßen.
  3. Ein Roboter darf sich selbst beschützen, sofern er dafür nicht Regel 1 oder 2 verletzen muss.

Die letzte mediale Umsetzung erfolgte in dem Tatort „Hal“, der am 28. August ausgestrahlt wurde und den ich genial und spannend fand, was vielleicht am Thema lag, das mich schon seit meinem Studium beschäftigt: Die Wirkung und Rolle von Medien. Deshalb habe ich ja den Vortrag besucht und um Stefan Erbe zu hören.

Künstliche Intelligenz in der Realität

Jo Hecker kommuniziert mit "Siri"
Joachim Hecker kommuniziert mit „Siri“

Wie gesagt, begonnen hat alles mit Eliza. Vor 20 Jahren dann hat ein Computerprogramm erstmals einen Schachweltmeister besiegt, was dem Programm einen besonderen Nimus verlieh – für viele zumindest. Hoimar von Ditfurth soll das nicht beeindruckt haben, vielmehr soll er gesagt haben: Wenn Computer Schach spielen können, kann das ja nicht so schwer sein.“ Vor fünf Jahren hat der IBM-PC Watson in US-Quizshows abgeräumt und im Oktober 2015 hat ein PC-Programm sogar den Europameister im Go geschlagen, wo Go doch als besonders schweres Spiel gilt. Das alles waren Meilensteine in der Entwicklung eines lernenden Systems, eines Irgendwas, das mit einer dem Menschen vergleichbaren Denkweise ausgestattet ist. Wenn das jemandem Angst macht, dann sollte er nicht weiterlesen. Mich hat im ersten Moment geschockt, dass die Theologin, die am MIT für die Ethik von elektronischen Entwicklungen tätig ist, Roboter oder andere Künstliche Intelligenzen als nächsten Evolutionsschritt der Menschheit in Betracht zieht. Beim zweiten Nachdenken fand ich das durchaus logisch, wenn man nicht in 20 oder 50 Jahreszeiträumen denkt, sondern in 100 oder gar 1.000. Mal ehrlich, wenn man sich anschaut, dass es Menschen gibt, die einen künstlichen Hund besitzen, diesen erziehen und den Chip, der alles programmiert, mit den Urlaub zu nehmen, um ihn dort einem Kunststoffhund einzusetzen, wünscht man sich bereits 1.000 Jahre weiter zu sein 🙂

Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz

c-birgit-ebbert-P1310991Aber viele seltsame Dinge können auch positive Seiten oder Wirkungen entfalten. KI hilft beim Übersetzen. Im Gespräch von zwei verschiedensprachigen Menschen übersetzt KI für die Partner. Auch in der Altenpflege denkt man bereits über den Einsatz von Robotern nach, die den alten Menschen signalisieren, es wäre jemand bei ihnen und reagiert auf ihre Fragen und Wünsche. Die eine oder andere Gefahr ist durchaus abzusehen. So steuert KI die Finanzmärkte und ist da kaum oder nicht zu stoppen. Das kann im wahrsten Sinne des Wortes teuer werden.

Einen Trost hat Jo Hecker für uns aber doch bereit: Künstliche Intelligenzen sind Spezialintelligenzen, sie scheitern bei Verknüpfungen und Paralleltätigkeiten, die wir Menschen automatisiert haben wie Geschirr in die Spülmaschine räumen. Trotzdem bezeichnen selbst Experten KI als größtes Risiko unseres Jahrhunderts. Wir, die wir den Tatort gesehen haben, ahnen, was uns da bevorsteht.

Fest der Sinne mit Stefan Erbe

Stefan Erbe
Stefan Erbe

Mein Kopfkino war jedoch angefacht nach dem Vortrag. Da war es gut, dass noch ein Musikact mit Stefan Erbe geplant war. Ich könnte nicht sagen, wie lange sein Auftritt dauerte, ich habe mich mal wieder schön in seine Musik hineinziehen lassen. Wenn die Bilder bei mir zu unangenehme Assoziationen hervorriefen, habe ich eben zum Fenster hinaufgeschaut, wo mit Licht Muster zur Musik gezeichnet wurden. Da ist mir noch einmal klar geworden: Ich liebe Muster und konnte nicht genug bekommen. Ein paar habe ich fotografiert (na, sagen wir, meine intelligente Kamera), aber mehr Fotos der rücke ich heute noch nicht heraus 🙂 Die horte ich wie Frederick, die Geschichtenmaus, ihre Erinnerungen. Im Herbst, wenn es dunkel ist, komme ich dann damit um die Ecke. Dann gibt es übrigens eine neue CD von Steafn Erbe und Steve Baltes, mit dem er in der Stadtbücherei gespielt hat. Auf die Präsentation im Planetarium freue ich mich, bis dahin höre ich CD, die Auswahl wächst und wächst 🙂 Wie gesagt, wer die Chance nicht genutzt hat, hat etwas verpasst. © Birgit Ebbert

Mehr über Jo Hecker: www.joachim-hecker.de

Mehr über Stefan Erbe ink. musikalischer Kostproben: www.erbemusic.de