Ein echtes Bildfeuerwerk von Christoph Böll(20.09.2015) Genau so, wie der Titel klingt, habe ich mich gestern Abend gefühlt – ein Bilderfeuerwerk, das an manchen Stellen direkt bis in meine Seele ging, und Live-Musik, die mein ich zum Klingen brachte. Ich konnte gar nicht verstehen, wie der Mann neben mir, die ganze Zeit mit verschränkten Armen in der gleichen Position verharren konnte. Ich musste mich zur Ruhe zwingen, um in dem dunklen Raum des Osthausmuseums wenigstens ein paar brauchbare Bilder für den Blog zustande zu bringen.

Auf der AchterbahnAch, ich sagte es noch nicht – ich war im Osthausmuseum, wo Dream Control live Filme von Christoph Böll musikalisch untermalten, eher begleiteten. Ein Erlebnis, das man nicht beschreiben kann – außer als visuelles und akustisches Kaleidoskop. In dem großen Raum in der neuen Galerie werden derzeit Filme von Christoph Böll gezeigt, ich schrieb darüber. Die Stirnwand sowie die rechte und linke Wand dienen als Projektionsfläche und werden komplett bespielt. Mit dem gleichen Film, aber eben aus verschiedenen Projektsrichtungen. Das ist schon das, was mich so fasziniert hat. Manche Filmsequenzen gehen an den Ecken so nahtlos ineinander über, dass man sich in einem Panoramakino wähnt. Sehr beeindruckend.

Christoph Böll am KontrollmonitorDie Bilder der Filme wirken teilweise real, in dem Kirmesfilm z. B. eine Bahn oder Mädchen, die in einem Fahrgeschäft sitzen. Dann aber auch als Detailaufnahme oder verfremdet, zudem werden sie in unterschiedlichem Tempo gezeigt, sodass der Kaleidoskopeffekt entsteht. Das war der eine Teil des heutigen Events, der mit „Konservenmusik“ (4. Satz aus der 3. Sinfonie von Mahler, eingespielt vom Sinfonieorchester Duisburg) noch bis zum 15. November zu sehen ist.

Die Musiker samt SängerDer zweite Teil und heute eben das Besondere war die Musik von Dream Control. Dream Control, das sind Steve Schroyder, ehemals Tangerine Dream, und Zeus B. Held, ehemals Birth Control, die seit einem Jahr zusammen Musik machen. Die beiden haben im ersten Schritt Musik zu dem Film „Kirmes“ von Christoph Böll komponiert, wobei ihrer Musik eher ein Konzept statt eine Partitur zugrunde liegt. Heute Abend wurden sie von den AlienVoices Felix Mönnich und Kolja Simon unterstützt, einfach klasse.

Zum Gucken und StaunenJede Aufführung ist anders und so war der heutige Abend wieder ganz anders als der gestrige. Besonders die Musik zu dem Film „Blick aus meinem Fenster“, dessen Rohmaterial Christoph Böll selbst erst aus dem Filmarchiv hatte besorgen müssen, war völlig anders. Der Filmemacher hatte nämlich erzählt, dass er diesem Film, als er ihn in den 70er Jahren entwickelte, einen Song von Birth Control unterlegt hatte. Das hat die beiden Musiker inspiriert, den Film noch einmal anders zu begleiten – sehr zur Überraschung, Freude und Rührung von Christoph Böll.

Die Musiker von Dream ControlEin Abend, der in Erinnerung bleibt – ich war froh, dass ich mir nach der Ausstellungseröffnung am letzten Samstag gleich eine Karte gekauft hatte. Sonst wäre ich vielleicht doch auf der Couch geblieben. Natürlich hätte ich nicht gewusst, was ich verpasst hätte, aber mir wäre dieses wunderbare, einzigartige Erlebnis entgangen. Das lässt sich nun nicht nachholen, aber der Film ist – wie gesagt – weiterhin zu sehen! © Birgit Ebbert

Bericht über das Pressegespräch mit Christoph Böll