(13.09.2013)Wer ist nicht schon einmal gackernden Frauen in verrückten Outfits in der Fußgängerzone begegnet oder wurde gar angesprochen, ob er nicht etwas aus dem Bauchladen kaufen möchte. Für alle, die sich noch immer fragen, was das war, ist hier die Antwort: Junggesellinnenabschied oder Hen Night, wie es in den USA heißt. Zum Glück geht er selten so aus wie Helenas Hen Night in dem neuen Thriller „In guten wie in toten Tagen“ von Gina Mayer. Und selten ist wohl ein Thriller so überraschend ausgegangen wie dieser, schon deshalb sollte man ihn lesen. Doch worum geht es. Helena will heiraten und da sie eine Perfektionistin ist, möchte sie einen schönen Junggesellinnenabschied. Den kann sie nun schlecht selbst organisieren, so springt ihre jüngere Schwester Cara ein, die für ihre gut aussehende, zauberhafte ältere Schwester die Arbeit gerne auf sich nimmt. Zum Motto der Party macht sie – in Anlehnung an die amerikanische Hen Night – Hühner. Wochenlang beschafft und bastelt sie alles, was ihr zu Hühnern in die Hände fällt: Schnäbel und Eierlikör, Gelee-Eier und Tassen mit Hühner-Motiven. Alles ist perfekt vorbereitet, die Party läuft super, bis sich die Freundinnen-Küken mit Henne Helena in die Welt wagen. Schon bald gibt es Ärger, die Stimmung wird angespannt, als spürten alle, dass noch etwas passieren würde. Thriller-trainierte Leser ahnen es schon – der Bräutigam wird ermordet. Nach all den Enthüllungen während der Party wird natürlich Helena verdächtigt – von allen, der Kommissarin, den Eltern, den Freundinnen. Nur Cara glaubt an Helenas Unschuld und macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Sie findet vergessene Geheimnisse heraus und die Liste der Motive wird immer länger. Es wimmelt nur so von Verdächtigen, dass man als Leser ständig schwankt, wer es nun wirklich war.

Gina Mayer schafft es, die Spannung über die gesamten 350 Seiten aufrecht zu erhalten, auch durch die Liebesgeschichte zwischen Cara und ihrem Kollegen Vitali, die so wechselvoll ist wie die Tätersuche. Und dann rätselt der Leser natürlich noch, was es denn mit dem in roten Samt gebundenen Buch auf sich hat. Am Schluss fügt sich alles ineinander, auch wenn nicht alles explizit aufgelöst wird. Die Autorin verlangt von ihren Lesern schon, dass sie mitdenken beim Lesen und eigene Schlüsse ziehen. Kein Buch für Denkfaule, aber welcher Leser ist das schon.

Mich hat aber doch interessiert, warum es für Denkfaule kein Abschlusskapitel gibt und wie Gina Mayer auf die Idee mit der Hen-Night gekommen ist. Hier sind die drei Fragen zum Buch, die ich ihr gestellt habe.

1. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Junggesellinnenabschied in den Mittelpunkt des Buches zu stellen?
Ich singe in einem Chor, der Freitagsabends in der Düsseldorfer Altstadt probt. Immer wenn ich zur Probe gehe, sehe ich Gruppen fröhlicher junger Frauen in alberner Verkleidung. die zu ihrem Junggesellinnenabschied aufbrechen. Und wenn die Probe vorbei ist, torkeln sie schon mächtig rum und wirken auch längst nicht mehr so fröhlich. Ich frage mich dann immer, wie viele Beziehungen (nicht nur zwischen Braut und Bräutigam, sondern auch zwischen Freundinnen) in dieser Nacht zerstört werden. So ist die Idee zu dem Buch entstanden.

2. Wie hast du denn für das Buch recherchiert? Eine Anzeige aufgegeben: Ich wäre gerne mal bei einem Junggesellenabschied dabei?
Ich hab keinen einzigen Junggesellinnenabschied mitgemacht, ich muss es gestehen. Ich bezweifle auch, dass ich es überstanden hätte, ich bin für so was nicht geschaffen. Aber ich hab mir viele Berichte angehört und nachgelesen. Das musste reichen.

3. Welchen Sinn haben diese mysteriösen Gedichte zwischen einzelnen Kapiteln?
Zwischen den einzelnen Kapiteln standen ursprünglich Auszüge aus Gesprächen, die ein Psychiater mit Täterin oder Täter führt. Die waren zwar schön zu lesen, haben aber letztlich viel zu viel über den Ausgang der Geschichte verraten. Deshalb mussten sie raus. Die Gedichte sind die konzentrierte „Zusammenfassung“ dieser Therapiegespräche. Und sie geben einen kleinen Einblick darin, wie es mit dem Täter oder der Täterin nach dem Ende des Buches weitergeht.

Weitere Informationen über Gina Mayer www.ginamayer.de
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