(24.06.2015) Um es vorweg zu sagen: Ich habe keine Vergangenheit als Zockerin. Im Gegenteil, ich habe mich schon mit 8 oder 9 Jahren geweigert, um Geld zu spielen, weil ich merkte, dass dieser Anreiz – obwohl nur um Pfennige gespielt wurde – manche Spieler aggressiv machte und der Spaß am Spiel für mich verloren ging.

Meine Spiel-Vergangenheit hat mich im letzten Schreibjahr auf besondere Weise eingeholt – bei der Arbeit an verschiedenen Büchern. Plötzlich erinnerte ich mich daran, dass ich als Kind leidenschaftlich gerne Fadenspiele gespielt habe und dabei meine Feinmotorik trainiert habe. Auf unserer Straße waren auch immer Hüpfkästchen aufgemalt, die man schnell mal eben nutzte, wenn Zeit zu überbrücken war. Nun bin ich in einer eher ländlichen Region aufgewachsen, zunächst wohnten wir in einer Straße, die kaum befahren war und dann in einem Neubaugebiet, in dem damals noch nicht viele Häuser standen. Quasi ein Kinderparadies, von dem heutige Kinder nicht einmal träumen, weil sie es sich nicht vorstellen können. Vielleicht sind mangels dieses Freiraums manche Beschäftigungen, mit denen ich nebenbei wichtige Fähigkeiten trainiert habe, untergegangen. Ich habe in der Innenstadt zum Beispiel noch niemals irgendwo ein Hüpfkästchen, das viele eher unter „Himmel und Hölle“ kennen, gesehen.

Mein Lieblingsspiel war schon Anfang der 70er nicht mehr politisch korrekt. Ein Ballspiel mit dem Namen „Deutschland erklärt den Krieg“. Darüber, was wir da ausriefen, habe ich sicher nicht nachgedacht. Mir gefiel diese Mischung aus Ball auf den Boden prellen, laufen, abwerfen und mit Kreide ein Stück vom Nachbarland abtrennen, weil ich gut abwerfen konnte und vor allem groß war und mein Arm weit ins Nachbarland reichte. Von wem ich das Spiel gelernt habe, weiß ich nicht, aber das geht mir mit vielen Spielen so. Ich kann sie einfach, so wie ich manche Lieder einfach mitsingen kann.

Und damit bin ich bei dem, was mir beim Rückblick in meine Spiel-Vergangenheit aufgefallen ist. Es gibt zwar eine Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, aber bisher keine Sammlung der Kinder- und Hausspiele. Wer mich kennt und weiß, dass ich ein stark ausgeprägtes Sammler-Gen habe, ahnt es schon. Gleich hatte ich die Idee, ab sofort Haus- und Kinderspiele zu sammeln. Dank Internet muss ich dafür nicht mehr durch die Lande ziehen und die Geschichten aufschreiben. Ich suche im Internet, durchstöbere Spielebücher und werde morgen eine Blogparade zu alten Spielen starten. Ich wäre nicht ich, hätte ich nicht sofort damit begonnen, eine Liste zu erstellen. Die Liste wird laufend erweitert und darf für die Blogparade gerne genutzt werden.  © Birgit Ebbert

PS: Ach ja, eines der Bücher heißt übrigens „Spiele der Kindheit“. Es wird Anfang August beim Verlag an der Ruhr erscheinen und enthält 18 Vorlesegeschichten für die Arbeit mit Demenzkranken. Deshalb sind die Erzählungen kurz und flott geschrieben und sie dürfen von allen gelesen werden. Übrigens sind das auch schöne Vorlesegeschichten, wenn die Enkel zu Besuch sind, da kommt man gleich über Spiele früher und heute ins Gespräch.