(04.09.2014) „Still wie ein Veilchen im Moose“, fällt mir ein, wenn ich an die kleine, aber feine Ausstellung „In wessen Namen?“ im Christian-Rohlfs-Raum des Osthausmuseums denke. Auf besondere Weise erinnert sie daran, dass Krieg uns auch heute noch angeht, selbst wenn er weit weg scheint. Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns gezogen sind oder die Freunde und Verwandte dort haben, wissen das. Aber für viele gerade junge Menschen findet Krieg allenfalls in Filmen oder Comics statt. Das Leid, das Krieg für den Einzelnen, ein Land und eine Kultur bedeuten, wird dabei häufig ausgeblendet.

Die Museumspädagogen des Osthausmuseums haben daher begleitend zur Weltenbrand-Ausstellung eine Ausstellung kreiert, die zeigt, was Krieg heute bedeutet. Im Zentrum steht eine Installation aus Schwarzweißfotos von Andy Spyra, einem in Hagen geborenen Fotografen, der heute mit der Kamera die Welt und auch Kriegs- und Krisengebiete bereits. Erstmals in einer Ausstellung beschreibt er seine Eindrücke nicht nur mit der Kamera, sondern auch mit Worten. Schon dafür lohnt sih ein Besuch der Ausstellung.

Aber auch die anderen Exponate wie die Marschierstiefel von Timm Ulrichs, die mich an eine skurrile Begegnung mit dem Künstler erinnert haben, zeigen die bedrückende Realität des Krieges. Wie eng Kunst und Krieg miteinander verwoben sind, wird deutlich beim Betrachten der Bilder und Vitrine des Hagener Künstlers Karl-Friedrich Fritzsche. Als er 1972 seine Einberufung zum Wehrdienst erhielt, hat er den Wehrdienst verweigert und seiner Begründung Kunstwerke beigefügt, die seine ablehnende Haltung dem Krieg gegenüber dokumentieren. Dieser Vorgang samt Bildern kann in der Ausstellung besichtigt werden.

Auf einem Tisch finden sich 100 Protest- und Antikriegssongs wie „Hiroshima“ oder „Where hav all the flowers gone?“, die viele kennen, aber nicht mit Krieg und Engagement gegen den Krieg in Einklang bringen.

Und schließlich zeigt die kleine Sammlung von Comics zum ersten Weltkrieg beispielhaft, wie sich Comics des Themas annehmen und Krieg in ihrer ganzen Bandbreite und nicht nur als spannende Action darstellen. Darunter „1914“ von Reinhard Osteroth / Reinhard Kleist über den Soldaten und Künstler Franz Marc, der im ersten Weltkrieg starb.

Wer bis zum 19. Oktober das Kunstquartier besucht, sollte diese Ausstellung in jedem Fall auch ins To-See-Programm aufnehmen.

Zu der Ausstellung ist Begleitmaterial erhältlich, mit dessen Hilfe Lehrkräfte sich auf einen Besuch von „In wessen Namen?“ mit Schülern vor und vor allem die Ausstellung auf- und nachbereiten können. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zur Ausstellung: www.osthausmuseum.de