Ines Sybille Hoepfner „This ist not a love song“

(23.09.2013) Betritt man die Ausstellung der Hagener Künstler im Osthausmuseum, empfangen einen zwei Werke von Ines Sybille Hoepfner. Vielleicht hat es deshalb so lange gedauert, bis ich dazu kam, etwas über sie zu schreiben. Die Führungen begannen immer bei Ines‘ Bildern und wenn ich beim letzten der 71 Werke der Ausstellung angekommen war, war mein Kopf so voller Eindrücke, dass ihre Bilder unten lagen und krampfhaft versuchten, sich an die Oberfläche zu kämpfen. (Kleine Ebbertsche Assoziationsstudie: Beim Schreiben des Satzes sehe ich ein Bild vor mir, auf dem sich sämtliche Kunstwerke der Ausstellung auf den Bildern stapeln und die „Rebellen“, die auf Ines‘ Bilden zu sehen sind, ganz unten liegen und mit letzter Kraft versuchen, auf sich aufmerksam zu machen.)

Am letzten Donnerstag bin ich deshalb noch einmal vor ihren Bildern stehen geblieben, als ich ging. Dabei habe ich übrigens festgestellt, dass die Bilder ganz anders wirken, wenn man die Treppe vom Ende der Ausstellung heruntergeht. Kleiner Tipp am Rande!

Besonders fasziniert mich die Technik ihrer Bilder. Diese Mischung aus Fotografie und Malerei, am Computer zu einem neuen Genre zusammengesetzt. Gibt es eigentlich einen Begriff dafür? Fotomälde? Gemäldografie? Ines nennt sie „digitale Collagen“. Darunter kann ich mir etwas vorstellen. Ich sehe sie geradezu vor dem Computer sitzen und in Photoshop schnipseln und pinseln, nachdem sie vorher die Fotos – mal zufällig und mal gestellt – geschossen und die Bilder gemalt hat.

Warum die Serie „Rebellen“ heißt,  versteht sich von selbst. Eine junge Frau, die mit einem Stuhl wirft und zwar trotz der künstlerischen Verzerrung so real, dass man den Kopf einziehen möchte, und ein junger Mann, der den Finger in eindeutiger Pose in den Mund steckt – da braucht es keine erklärenden Titel. Stattdessen gefällt es der Künstlerin, die Betrachter mit einem Titel wie „This ist not a love song“ zu verwirren. Möglicherweise nur Menschen wie mich, deren Heimat die Sprache ist. Ich grüble noch immer, wie Bild und Text zusammenpassen. Und handelt es sich bei dem Bild mit der jungen Frau gar um einen Protest gegen den Schönheitswahn, wie ich es bei einer der Sonntagsführungen gehört habe? Ja, das ist eben Kunst. Nicht Abbild der Wirklichkeit, sondern Denkhaken zum Grübeln und Weiterspinnen.

Ines Sybille Hoepfner stammt aus Hagen, zur Kunst kam sie 2007 nach dem Besuch einer Ausstellung von Anselm Kiefer. Sie experimentierte anfangs mit Malereien und Collagen, um ihren Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken, zu realisieren. Dann entdeckte sie die Fotografie und die Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung. Ein großer Wunsch, mit ihren sehr persönlichen Werken im Osthausmuseum zu sehen zu sein, ging 2011 Erfüllung. Schon damals konnte sie wie in diesem Jahr wieder die Jury mit ihren digitalen Collagen überzeugen. Zurecht, finde ich, denn sie schafft es mit ihrem Werken immer neue Facetten zu zeigen und dennoch findet man ihre Bilder unter vielen anderen heraus. Das merke ich, wenn sie eines ihrer Werke bei Facebook postet – sie fallen mir sofort ins Auge und sie gehören zu den Bildern, die ich nicht nur an mir vorbeiziehen lasse, sondern in voller Größe anschaue.

Die nötigen Fähigkeiten für ihre Werke hat Ines Sybille Hoepfner sich im Selbststudium angeeignet, sie hat auch Kunstseminare besucht, aber vor allem verfeinert sie ihre Ausdrucksmöglichkeit durch tägliches Arbeiten an den Objekten. Einige von ihnen sind auf der Internetseite der Künstlerin zu sehen. Aber auch auf ihren Facebook-Seiten Ines Sybille Hoepfner und Isy Hoepfner. © Birgit Ebbert

Die Ausstellung der Hagener Künstlerinnen und Künstler ist noch bis zum 6. Oktober zu sehen. Neben der öffentlichen Führung mit Ausstellungskoordinatorin Dr. Christine Kracht am 29.09. um 11.15 Uhr gibt es am kommenden Donnerstag noch eine öffentliche Führung mit Künstlern, bei der unter anderem Nuri Irak, Timo Schmidt, Dietmar Schneider, Jutta Tewes und Uwe Will teilnehmen werden.

Am 3.10 findet um 11.15 Uhr eine Lesung mit Musik in der Ausstellung statt.

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