(01.03.2014) Als ich vor zwei Wochen den Historischen Jahrmarkt in Bochum betrat, begegnete mir gleich als erster Jakob Schleifer. Mit großer Begeisterung erzählte er mir die Geschichte der Berg- und Talbahn „Evas Fahrt ins Glück“, die er neben drei anderen Fahrgeschäften zusammen mit seinem Sohn betreibt. „Ich bin nur der Senior-Chef“, sagte er und ich merkte ihm an, wie froh und stolz er war, dass der Familienbetrieb von seinem Sohn Toni Schleifer weitergeführt wird. Immerhin hat der Familienbetrieb eine lange Tradition, er wurde 1878 gegründet und seither immer vom Vater an den Sohn weitergegeben. Kein Wunder, dass Jakob Schleifer sich freut, dass auch die Enkelkinder schon gelegentlich mitwirken wie vor einigen Jahren, als man begann, die älteste Vier-Berge-Berg-und-Talbahn der Welt wieder herzurichten.

Diese Bahn hat eine ganz besondere Geschichte. 50 Jahre lang schlief sie in einem Schuppen in der Nähe von Kaiserslautern ihren Dornröschenschlaf, ehe Jakob Schleifer und seine Familie sie – nicht wach küsste, sondern eher wach restaurierte. Eine Mammutaufgabe, der sich nur jemand widmen kann, der von der Sache begeistert ist. Und diese Freude über seine Arbeit merkt man Jakob Schleifer in jeder Sekunde des Gesprächs an. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob es diese Freude ist, die fit halten. Niemals hätte ich ihn auf 78 Jahre geschätzt, er sprühte förmlich vor Energie und sprintete los, um mir das Fotobuch zu holen, mit dem die Familie die Wiederherrichtung der Berg- und Talbahn dokumentiert hat.

Salzwasseranlasser (Foto: Ulrich Wens)

Die ersten Bilder zeigen die Bahn im Schuppen, auseinandergebaut, alt, aber doch auf erstaunliche Weise gut erhalten. Selbst die Bemalungen sehen aus wie neu. Trotzdem war viel zu tun, bis die Bahn fahrtauglich war und den heutigen Sicherheitsanforderungen entsprach. Soweit es möglich war, wurden die Ursprungselemente beibehalten, sogar der Salzwasser-Anlasser ist noch in Betrieb. Allerdings mussten einige Kleinigkeiten an der Bahn mit Blick auf den Brandschutz erneuert werden. Dennoch kommt es einem beim Betrachten der Bahn und beim Fahren vor, als würde man in eine andere Zeit versetzt.

Jakob Schleifer und ich vor einer alten Jahrmarktorgel

Sieben Jahre dauerte es, bis der Kirmesschatz wieder soweit war, dass er auf einem Jahrmarkt zum Einsatz kommen konnte. Die Premiere war 2010 auf der Annakirmes in Düren, das Highlight aber war das Oktoberfest in München, das 2010 sein 200-jähriges Bestehen feierte – mit „Evas Fahrt ins Glück“.

Neben der Berg- und Talbahn gehören zum Familienbetrieb zwei Pferdekarusselle, unter anderem das, mit dem der Urgroßvater 1878 das Unternehmen gegründet hat, ein Babyflieger und drei Jahrmarktorgeln, die auch bereits zwischen 90 und fast 130 Jahre alt sind. Bei meiner Nachrecherche habe ich entdeckt, dass eine der Orgeln, die Gebrüder-Richter-Kirmesorgel, 2013 in der Annakirche in Düren im Duell oder Duett mit der Kirchenorgel musiziert hat. Eine witzige Idee, wer gewonnen hat, war dem Artikel nicht zu entnehmen, in der Kategorie Alter jedoch war die Kirmesorgel auf jeden Fall der Sieger, stammt sie doch aus dem Jahr 1896, dagegen ist die Metzler-Orgel aus dem Jahr 2010 ja noch im Krabbelalter.

Doch zurück zu Jakob Schleifer, der mich fast ein bisschen mit dem Jahrmarktvirus infiziert hat. Er hat mir verraten, dass er ein echtes Kirmeskind ist und sogar in einem Wohnwagen am Rande eines Volksfestes in Gürzenich zur Welt kam. Auf der Annakirmes in Düren, die ganz in der Nähe seines Heimatortes stattfindet, ist er seit über 60 Jahren immer mit dem gleichen Fahrgeschäft vertreten. Als er jung war, hat er kurz davon geträumt, Autoschlosser zu werden, heute ist er froh und stolz, ein Schausteller zu sein. Das merkt man ihm an. Ich wünsche ihm, dass er noch lange diese Freude genießen kann. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: www.schleifers-carouselle.de

Porträt von Jakob Schleifer in den Aachener Nachrichten

Fotos von Jakob Schleifer, seinen Orgeln und seiner Berg- und Talbahn