(05.08.2014) Bis zur Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten waren Juden nicht nur, aber auch in Westfalen und im Ruhrgebiet Nachbarn wie andere auch. In religiöser Hinsicht mochten für sie andere Gesetze gelten wie für die Bürger christlicher Herkunft, die in der Region hauptsächlich lebten. Im Alltag hatten alle die gleichen Probleme zu lösen, sie mussten arbeiten, ihre Familie ernähren, Kinder erziehen und miteinander leben.

Das Jüdische Museum in Dorsten ermöglicht einen Einblick in den Alltag der Juden vor und während des Nationalsozialismus. Der Holocaust wird allerdings nur gestreift, im Mittelpunkt stehen das Judentum und die damit verbundenen Bräuche und Sitten sowie der Lebensalltag. Dieser unterscheidet sich vor allem dadurch von dem ihrer Mitbürger, dass Juden immer in der Minderheit waren und Minderheiten stets besonders beobachtet werden – nicht immer, aber doch oft misstrauisch.

An 14 Lebensbeispielen wird dieser Alltag in dem Museum aufgezeigt. Die Biografien machen deutlich, dass auch Juden nicht alle die gleichen Visionen haben, sondern jeder seine Geschichte hat. Das wird heute manchmal vergessen, wenn von „den Juden“ gesprochen wird, als hätten sie 1933 im Einheitsgewand aufgereiht da gesessen. Manche haben schon vorher Restriktionen erlebt, andere waren anerkannte Bürger, einige haben das Leben genossen, ohne sich um die Zukunft zu kümmern, andere haben sich engagiert – für ihren Glauben oder auch für Deutschland, bis hin zum Einsatz im ersten Weltkrieg.

Neben der Dauerausstellung sind im Jüdischen Museum in Dorsten Wechselausstellungen zu sehen wie derzeit die über den Nivea-Gründer Oscar Troplowitz, der bis zu seinem Tod 1918 Eigentümer der Firma Beiersdorf war. Hand aufs Herz, wer hätte gewusst, dass der heutige Konzern jüdische Wurzeln hat. Und nicht nur Beiersdorf verdankt ihm seinen Aufstieg, auch in Hamburg könnten im Kultur- und Bildungsbereich noch Spuren von seinem Engagement zu finden sein. Diese Sonderausstellung dokumentiert mit vielen interessanten Zeugnissen aus den Anfangszeiten der Nivea-Creme, welche Rolle Juden in Deutschland gespielt haben, bis Hitler sie zu unerwünschten Personen erklärte.

Bottroper Bücherkorb aus dem Jahr 1940 –
wurde 1989 auf einem Dachboden gefunden

Für den Herbst ist eine weitere Sonderausstellung geplant, in der noch stärker auf das jüdische Leben in NRW eingegangen wird. Wieder sind es vor allem Mitglieder des Vereins für jüdischeGeschichte und Religion e. V., die sich engagieren. Dieser Verein ist auch der Träger des Museums, unterstützt wird der Verein vom Land NRW, vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, vom Kreis Recklinghausen und der Stadt Dorsten. Sie haben neben zahlreichen Spendern dafür gesorgt, dass zwischen Ruhrgebiet und Münsterland täglich an jüdische Menschen, Geschichte und Gepflogenheiten erinnert wird. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: www.jmw-dorsten.de