(23.08.2013) Seit zwei Jahren besitze ich einen E-Reader, aber ich gebe zu, dass ich erst durch mein Tablet so richtig Freude an E-Books bekommen habe. Ich habe die Bücher überall griffbereit, kann fix etwas im Internet überprüfen und kann – dank einer App – auch E-Books aus der KindleEdition lesen. Ich bin also völlig unabhängig von Zeit, Ort und Format.
Ich gehöre als E-Book-Leserin übrigens zu einer Minderheit von gut 10 % der Bevölkerung, wie eine Forsa-Studie im Oktober 2012 ermittelt hat. Allerdings hat die Anzahl der E-Book-Leser sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Wenn das so weitergeht…
Die Zunahme betrifft auch Kinder und Jugendliche – in den USA, so sagt eine Studie, lesen Kinder schon lieber E-Books als Printbücher. Bei uns sind sie noch nicht soweit, aber laut der aktuellen KidsVerbraucheranlayse lesen auch von den 6- bis 13-Jährigen rund 10 Prozent E-Books. Grund genug, die Entwicklung zu beobachten. In Gesprächen mache ich ganz widersprüchliche Erfahrungen. Die einen glauben nicht, dass Kinder E-Books lesen und die anderen erkundigen sich, ob es meine „Mieke“ und die „Buchstabenverschwörung“ bald als E-Book gibt.

Nun ist mir ein Verlag begegnet, der nur E-Books für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Ich habe mir sofort das Eriginal, wie man die Originalausgabe eines Buches als E-Book nennt, von Tina Zangs „Total durchgekallt, diese Jungs“ schicken lassen und es bekommen.
Als E-Book mit Widmung. Mein erstes E-Book mit Widmung, um genau zu sein. Ein sehr witziges Buch, das ich hier bei Lovelybooks  rezensiert habe. Keine Frage, dass das Buch kein Reste-Manuskript ist, das Verlage nicht haben wollten. Um das Manuskript hätten sich die Verlage sicher gerissen, wenn sie die Chance bekommen hätten. Doch Tina Zang wollte es als Eriginal veröffentlichen. Ich wollte von ihr wissen, wo für sie der Unterschied zwischen E- und P-Book liegt.

Du hast dein neues Jugendbuch „Total durchgeknallt, die Jungs“ in einem reinen E-Book-Verlag veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Ich hatte dieses Jahr (2013) eine Reihe von Frusterlebnissen – darunter Verramschungen von 12 Büchern, aus denen ich noch Lesungen geplant hatte. Da merkte ich, dass ich neben den Printbüchern, den Lesungen und Übersetzungen ein weiteres Standbein brauche, um auch in Zukunft sicher vom Schreiben leben zu können.

Kurz darauf fiel mir auf, dass „Ausgerechnet Liebe“, ein Jugendbuch, das bei Rowohlt erschienen war, sich als E-Book plötzlich recht gut verkaufte – ca. 10 Downloads pro Tag -, nachdem es davor so gut wie nie runtergeladen worden war.

Da bekam ich Lust, die nächste Veröffentlichung selbst in die Hand zu nehmen, und mit Kindle Direct Publishing war das kein Problem. Ich hatte ein Jugendbuchmanuskript fertig, das etwas abseits des Mainstream angesiedelt war – also ideal für dieses Experiment.

Ganz allein bekam ich es dann allerdings doch nicht hin – meine Covergestaltungsversuche waren fast schon peinlich. Außerdem wollte ich nicht auf ein Lektorat verzichten. Thomas Endl, ein langjähriger Freund und Co-Autor von mir, hat letztes Jahr einen E-Book-Verlag gegründet, die „edition tingeltangel“. Ich habe mich riesig gefreut, als er sich einverstanden erklärte, dieses Projekt mit mir gemeinsam umzusetzen, obwohl er wahnsinnig viel zu tun hat.

Welche Erfahrungen hast du als Leserin mit E-Books gemacht?

Ich habe seit drei Monaten einen Kindle-Reader und möchte ihn nicht mehr missen. Ich finde es sehr praktisch, Leseproben runterladen zu können. Was nun die Qualität der Bücher anbetrifft, da ist die Bandbreite wesentlich größer als bei den Printbooks, leider vor allem nach unten hin. Gerade bei den Sachbüchern stieß ich auf einige Titel, die auf mich den Eindruck machten, eilig und lieblos zusammengestoppelt worden zu sein, weil die Autoren das schnelle Geld wittern. Unter den Belletristiktiteln habe ich hingeben einige Schätze entdeckt, da gibt es richtig gute Bücher, auch von bislang unbekannten Autoren.

Was unterscheidet das Veröffentlichen eine E-Books von dem eines gedruckten Buches?

1. Es geht schneller. Die Vorlaufzeit bei gedruckten Büchern liegt bei etwa 6 bis 12 Monaten.
2. Ich kann alles mitbestimmen: Cover, Titel, Layout, Preis, Marketing.
3. Ich brauche keine Verramschung zu fürchten.
4. Ich bekomme keinen Vorschuss.
5. Ich vermute, dass ich zu einem E-Book keine Lesungsanfragen erhalten werde.
6. Ich bekomme kein Paket mit Belegexemplaren, die ich unter Freunden verteilen kann.
Punkte 1 bis 3 sprechen für das E-Book, der Rest eher für das gedruckte Buch.

Wie hat deine Fangemeinde darauf reagiert, dass der – übrigens sehr witzige – Roman „nur“ als E-Book erhältlich ist?

Es gab einige Anfragen von Leuten, die keinen Reader haben oder die einfach lieber ein gedrucktes Buch lesen, ob und wann es „Total durchgeknallt, die Jungs!“ im Print gibt. Über CreateSpace lässt sich das natürlich gut machen, und wir (also Thomas und ich) haben es auch vor. Bis dahin hoffe ich, ein paar neue Fans unter den begeisterten E-Book-Lesern zu finden.

Welche Reaktionen kamen von Rezensenten und Medien auf die reine E-Book-Version? Weißt du überhaupt, wie diese Zielgruppe mit den Nur-E-Books deines Verlages umgehen?

Die lokale Zeitung hat einen Artikel über mich veröffentlicht. Darin stand auch etwas zum Thema E-Books, aber schwerpunktmäßig schrieben sie über meine Print-Veröffentlichungen. An andere Medien bin ich noch nicht herangetreten.

Was nun die Rezensenten anbetrifft: Ich habe gezielt Blogger angeschrieben, die auch E-Books lesen. Es ist sehr praktisch, mobi- oder epub-Dateien zu verschicken. Da ist es auch nicht schlimm, wenn ein Teil der Blogger das Buch hinterher nicht liest. Bei meinen Printbüchern gebe ich oft eine Menge Geld aus, um sie an Rezensenten zu versenden – obwohl das ja eigentlich Aufgabe der Verlage wäre. Doch das Marketing wird auch dort gern dem Autor überlassen.

Viele Verlage gründen inzwischen reine E-Book-Imprints. Es scheint also wohl etwas an der E-Book-Euphorie zu sein. Oder ist das nur ein momentaner Hype? Wie schätzt du das ein?

Ich vermute, dass sich das bald auf ein harmonisches Nebeneinander einspielen wird. Ich glaube weder, dass die Printbooks verschwinden, noch das die E-Reader irgendwann wieder weg sind. Beide Medien haben ihre Vorzüge. Neulich im Urlaub war ich echt froh, den Kindle dabei zu haben, denn es gab in der Ferienwohnung keine Leselampe.

Abschließend interessiert mich noch, wo du Vor- und Nachteile eines E-Books siehst und wo du denkst, dass technische Verbesserungen nötig sind.

Die beiden größten Vorteils sind für mich:

– Platzsparen. Meine Bücherregale quellen sowieso schon über.

– Schriftgröße anpassen. Das findet auch mein Vater toll. Er ist 82 und liest seit drei Jahren nur noch E-Books, weil er dafür keine Lesebrille braucht.

Eine deutliche Verbesserung wäre ein Reader mit Farbdisplay, der zudem eine ausreichende Akkulebensdauer hat. Ich finde es schade, dass die Cover auf dem Kindle Paperwhite nur in Graustufen erkennbar sind. Ich liebe schöne, bunte Cover. Sie machen für mich einen großen Teil des Reizes eines Buchs aus. Außerdem lese ich gern Kinderbücher, und da möchte ich auf bunte Illustrationen nicht verzichten.

Ansonsten bin ich von den Readern bereits begeistert, weil ich schon lange auf diese Entwicklung gewartet habe. Mein erstes Buch erschien 1999 in den USA als E-Book. Damals gab es noch keine Reader, die E-Books wurden nur als Downloads für den PC verkauft. Seitdem hat sich viel getan. Dass mein 45. Buch genau wie mein Erstes ein E-Book-Original ist, stimmt mich direkt ein wenig nostalgisch.

Weitere Informationen über Tina Zang gibt es hier:
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Infos zum neuen Jugendbuch „Total durchgeknallt“