Julia Dettmann „Alles Müll“

(26.09.2013) „Alles Müll“ heißt die neunteilige Bildserie von Julia Dettmann, bei der man im ersten Moment schwankt, ob sie die Tapeten aus Omas Wohnzimmer wiederbelebt oder ein Kaleidoskop geplündert hat. Wiederbeleben und plündern ist nicht einmal so falsch gedacht, denn in der Tat hat Julia Dettmann in ihren Bildern Müll verarbeitet. Keine Angst! Es müffelt nicht und es kommen auch keine Mülltierchen um die Ecke. Das Werkzeug der Künstlerin ist die Fotografie – für diese Serie zumindest. Sie hat auch schon gemalt und mit den Sporenabdrücken von Fliegenpilzen oder alten Autoreifen gearbeitet, Für die Serie, die sie in der Ausstellung Hagener Künstler im Osthausmuseum ausstellt, hat sie Müll fotografiert und die Fotos am Computer neu zusammengesetzt, sodass Kompost und Bauschutt, Altkleider und Sperrmüll plötzlich ein ganz neues Gesicht bekommen. Natürlich möchte Julia Dettmann mit ihrem Werk Assoziationen zur Mülltrennung und Wegwerfgesellschaft hervorrufen. Es reizen sie aber vor allem die neuen Formen und die besondere Ästhetik, die entstehen, wenn sie ihre Müll-Fotos spiegelt, dreht und neu zusammenstellt.

Seit sie 13 Jahre alt ist, malt und zeichnet die gebürtige Hagenerin Julia Dettmann, später hat sie Kommunikationsdesign in Wuppertal studiert und einen Abschluss in Malerei erworben. Bei Zeichenstift und Pinsel ist sie in ihrer Ausdrucksform jedoch nicht geblieben. Ich sage nur: Sporen von Fliegenpilzen und geschreddertes Geldscheine. (An dieser Stelle habe ich entschieden, schön schreiben zu trainieren, als ich rätselte, ob es geschredderte Tausendfüßler oder Tausendschön sein sollten und am Ende geschredderte Tausend-Mark-Scheine waren!)

Viele Jahre unterrichtete Julia Dettman an der VHS Aquarellmalerei und Zeichnen. Dafür fehlt ihr heute die Zeit, kümmert sie sich doch, wenn sie nicht an ihren Kunstwerken arbeitet, um Wohl und Wehe von Schloss Hohenlimburg, managt die Veranstaltungen dort und hat im Blick, dass alles reibungslos abläuft.

Julia Dettmann gehört übrigens zu den Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke bereits in den Ausstellungen Hagener Künstler vor der Neueröffnung des Museums zu sehen waren – mit eben jenen Sporenabdrücken, geschredderten Geldscheinen und anderen skurilen Werken. Schade, dass die nicht mehr zu sehen sind. Aber es gibt ja die Müll-Kaleidoskop-Bilder, die fast zum Nachmachen einladen. Ich bin dann mal weg – zur Altpapiertonne 🙂

© Birgit Ebbert