(11.11.2013) Als Schokoladenfreak, um nicht zu sagen Schokosüchtling, habe ich vor einiger Zeit für ein Projekt den Newsletter von chclt.net abonniert. Wie das so ist, habe ich den Newsletter vergessen, gelegentlich hineingeschaut und ansonsten alles auf Wiedervorlage gelegt für den Zeitpunkt, wenn ich mich mit dem Projekt beschäftigen werde. Am letzten Sonntag erreichte mich eine E-Mail, als Newsletter-Abonnent hätte ich eine Präsentbox mit – Achtung! – Kamelmilch-Schokolade gewonnen und ich möge meine Adresse mitteilen, damit man mir die Präsentbox zuschicken könne.

Kamelmilch! Ich habe mich erst einmal bedankt, schließlich bin ich mit der Losung „Einem geschenkten Gaul …“ aufgewachsen. Mulmig wurde mir dann, als man mir mitteilte, die Kamelmilchschokolade sei noch ungetestet. Schluck! Steht auf irgendeinem Wunschzettel, dass ich Kamelmilchschokoladentestpionierin werden möchte? Ganz sicher nicht. Zumal ich bis zu dem Zeitpunkt nicht wusste, dass es Schokolade aus Kamelmilch gibt.

Inzwischen habe ich natürlich recherchiert. Ich weiß dann doch lieber, was ich zu mir nehme, ehrlich gesagt. Zu meiner Überraschung gibt es bereits fundierte deutschsprachige Informationen über Kamelmilch und Produkte, die daraus hergestellt werden: Creme, Seife. Klingt nicht so verlockend, oder? Allerdings versprechen mir die Artikel, dass Schokolade aus Kamelmilch mehr Vitamin B und C sowie Eisen und weniger Fett und Milchzucker enthält als die Milchschokolade, die ich bisher ausschließlich verzehrt habe. Außerdem heißt es, sie enthalte eine hohe Konzentration an entzündungshemmenden Eiweißen, was besonders für Menschen mit Magen-und Darmbeschwerden gut ist. Schokolade als Medizin? Meine Bereitschaft, sie zu probieren, steigt deutlich. Zumal die Schokolode vom Hersteller sogar als Schokoladen-Alternative für Diabetiker und Personen mit Laktose-Intoleranz angepriesen. Kurz überlege ich, ob ich die ganze Box gleich an jemanden mit Laktose-Intoleranz weiterschicken soll. Doch jetzt ist meine Neugier geweckt. Die Lust, Schokoladen-Pionierin zu sein, wächst.

In Europa wird Kamelmilchschokolade seit 2010 von der Konditorei Vermeulen & Den Otter in Den Bosch, einer der besten niederländischen Konditoreien hergestellt. Damals war Den Bosch die „Hauptstadt des Geschmacks“ und die Konditorei, die bekannt ist für ihre Schokoladeninnovationen, hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Meine Schokolade kommt aus Dubai. Freundlicherweise finden sich alle Informationen zu Hersteller und Inhaltsstoffen sowohl in – vermutlich – Arabisch als auch in Englisch auf der Verpackung. Daher weiß ich auch, dass die Pralinen wirklich Kamelmilchpulver enthalten. Zunächst dachte ich beim Auspacken nämlich noch, das Ganze wäre ein Scherz, weil die Pralinen eine Kamelform hatten. Inzwischen weiß ich, der Hersteller ist die Firma Al Nassma und habe mit großer Verblüffung gelesen, dass der Gründer dieser Firma ein Kölner ist. Martin van Almsick, früherer Marketing-Leiter des Schokoladenmuseums. Das macht mich nun wieder neugierig, wie ein Kölner nach Dubai kommt, um Schokolade aus Kamelmilch herzustellen. Ich werde ihn fragen.Aber zuerst fahre ich nach Albstadt und vorher will ich unbedingt noch verraten, wie mir die Kamelmilchschokolade geschmeckt hat.

Corvo muss seine Nase eben überall hereinstecken!

Sehr gut. Nun habe ich vermutlich die Luxus-Version, die „Kamel-Karawane“. Hier sind die Schokoladenkamele noch mit einer Art Nougat aus Macadamia und Honig gefüllt. Den Unterschied zur herkömmlichen Milchschokolade würde ich als „schwer“ bezeichnen. Etwa so wie den Unterschied zwischen einem Trollinger und meinem Lieblings-Dornfelder aus dem Barrique-Fass. Das Schöne an dieser Schwere ist, ich futtere die Kamele nicht so schnell in mich hinein wie eine Tafel Schokolade sonst schon mal. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich weiß, dass ich eine solche Schokolade vermutlich nie wieder essen werde, das kann sein. Jedenfalls ist sie ein Genuss und ich bewahre mir ein paar Kamele für meine Rückkehr auf. Advent ist schließlich Schokoladenzeit und vielleicht, ganz vielleicht, lasse ich sogar den einen oder die andere ein Stückchen probieren, ein Bein oder einen Höcker.

Eines weiß ich, sollte ich jemals nach Dubai kommen, werde ich vorher checken, ob es einen Fabrikverkauf gibt. Und sollte ich demnächst in Holland sein, halte ich Ausschau nach der holländischen Kamelmilchschokolade. © Birgit Ebbert

Und hier einige Links zum Weiterlesen für alle, die auch mal in die Situation geraten, dass ihnen Kamelmilchschokolade kredenzt wird:
Firma Al Nassma 
Über Al Nassma
Wie die Schokolade nach Dubai kam  
Selbsterfahrung: Essraum-Blog
Deutscher Vertrieb Kamelmilchschokolade Vermeulen & Den Otter
Artikel über die Kamelmilch-Farm in Cromvoirt
Videoclip über die holländische Kamelmilch-Farm