Werke von Karel Appel(27.08.2016) Auf die Gefahr, dass ich als Kulturbanausin gelte, beginne ich meinen Bericht über die Ausstellung Karel Appel mit einem Geständnis: Ich habe bisher noch nie von diesem Künstler gehört. Da mögen die Kunstexperten nun aufschreien, aber das soll all jene entspannen, die den Namen auch noch nicht gehört hatten. Was nicht verwunderlich ist, immerhin sind 25 Jahre vergangen seit der letzten Ausstellung und die war – für mich eine Entschuldigung – in Köln, während ich damals in Suttgart lebte. Auch sonst ist es, so berichtete Rouven Lotz beim Pressegespräch, eher ruhig um den 2006 verstorbenen Künstler geworden. Erst jetzt anlässlich seines zehnten Todestages knubbeln sich plötzlich weltweit die Ausstellungen – schön für Hagen, reiht sich die Ausstellung im Emil-Schumacher-Museum doch ein in Werkpräsentationen in Paris, Amsterdam, Wien, Den Haag und Washington.

Der abstrakte Blick in Hagen

IMG_0803In Hagen werden 41 Werke von 1945 bis 2000 gezeigt, die meisten großformatig, sodass sich bei der Präsentation die für die Toulouse-Lautrec-Ausstellung angeschafften zusätzlichen Wände bezahlt machten. Das verschafft den einzelnen Werken mehr Raum und die Chance, den Besucher in den Bann zu ziehen. Mich zumindest hat die Farbkraft der Bilder und die Größe gleich gepackt, am liebsten hätte ich mein Notizbuch gezückt, um die Geschichten aufzuschreiben, die mir beim Anschauen durch den Kopf gingen. Aber ich habe mich erst einmal mit der Kamera begnügt, um den Eindruck weiterzugeben. Die Ausstellung läuft bis zum 15. Januar 2017, da habe ich im Winter noch Zeit zu einem Schreibbesuch im Museum 🙂 Oder ich lasse mich von den Abbildungen in dem schönen Katalog inspirieren, der extra für die Ausstellung produziert wurde.

Wer war Karel Appel?

c-birgit-ebbert-IMG_0787Für diejenigen, die wie ich noch nie von Karel Appel gehört haben, zur Info – die anderen können ja unten weiterlesen 🙂 – Karel Appel gilt als der wichtigste niederländische Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit wem ist er in Deutschland vergleichbar? Das hätte ich fragen sollen 🙁 Er ist  am 25. April 1921 in Amsterdam als Sohn eines Friseurs geboren und hat auch zunächst auf Wunsch seines Vaters eine Friseurausbildung absolviert. Doch ihm war schon früh klar, dass das nicht seine Berufung ist.

Dank eines Onkels, der Maler war, fand er den Zugang zur Malerei. Schon bald zeigte sich sein besonderes Talent für Farben, Formen, Kompositionen etc., sodass sein Onkel sich nicht mehr in der Lage sah, ihn zu fördern, sondern ihn an seinen eigenen Lehrer verwies. 1940 verließ er sein Elternhaus und begann ein Kunststudium und tat sich mit anderen Künstlern zusammen.

1946 hatte er seine erste Einzelausstellung und übernahm danach auch Kunstaufträge. Einer davon, ein Kinderbild in der Kantine des Amsterdamer Stadthauses, sorgte für großen Wirbel und wurde am Ende zugehängt, weil sich die Mitarbeiter beschwert hatten. Das war für Karel Appel 1950 der Auslöser, nach Paris zu ziehen.

Nachdem 1953 seine Werke bei der Biennale gezeigt wurden, wuchs sein Ansehen und seine Bekanntheit. Ob man die Verhüllung im Stadthaus dann wohl abgenommen hat? Das kommt auch auf die Fragenliste 🙂 Aber auch unabhängig davon ging es ihm wohl nicht schlecht, denn er besaß zeitweise mehrere Ateliers gleichzeitig – in Monaco, New York, der Toskana. Einem Journalisten, der das Chaos in seinem Atelier bemängelte, soll er gesagt haben, wenn ein Atelier zu durcheinander wäre, würde er eben in einem anderen weiterarbeiten. Mir würden ja schon mehrere Schreibtische reichen 🙂

Karel Appel im Emil-Schumacher-Museum

c-birgit-ebbert-IMG_0773Im Emil-Schumacher-Museum befinden sich nun für 4 ½ Monate 41 Werke von Karel Appel, der am 3. Mai 2006 in Zürich gestorben ist: Landschaften und Kinder, Porträts und Akte, Stadtansichten und Stilleben inkl. einiger Versuche, sich in den 60er Jahren auf den Stil der jungen Künstler einzulassen. Für mich als interessierte Laiin ist es schwer, die Gemeinsamkeit in dem Werk zu erkennen. Ich finde es immer spannend, wenn es ein Element oder einen Stil gibt, der sich durchzieht und einem ein Aha-Erlebnis beschert. Aber das war eben nicht Karel Appel, er hat sich anregen lassen – bei den Kinderbildern aus den ersten Jahren von Paul Klee, scheint mir – und experimentiert. Er wollte gerade keine Routine, sondern die Abwechslung, was sich im Werk und im Leben widerspiegelt. Jedenfalls gibt es viel zu entdecken und zu rätseln. Ich stelle gerade fest, dass ich mein Lieblingsbild gar nicht fotografiert habe. Aber ich gehe morgen zur Eröffnung, am 28. August um 11.30 Uhr im Emil-Schumacher-Museum. Vielleicht kann ich da auch noch meine Fragen loswerden 🙂 und vielleicht sehen wir uns. Auf jeden Fall muss ich mir den 15-minütigen Film über Karel Appel von 1961 noch einmal in Ruhe anschauen, der in einer Endlosschleife im Erdgeschoss gezeigt wir. © Birgit Ebbert

Weiterführende Informationen: www.esmh.de

Karel Appel Foundation

Karel Appel und die Kraft der Farbe (Ruhrnachrichten 26.08.2016)