(16.11.2013) Ich hoffe, Uwe Zellmer und Bernhard Hurm vom Theater Lindenhof sind mir nicht böse, dass ich ihren Programm-Titel leicht abgewandelt habe. Aber er passt so gut und ich habe mich so sehr gefreut, die beiden wieder einmal live auf der Bühne zu sehen. Gestern fand nämlich die Feier zur Eröffnung der Albstädter Literaturtage in Onstmettingen statt – mit einem Saal voller Albstädter und ich ganz vorne dabei, auf einem namentlich reservierten Platz in der ersten Reihe. Daran könnte ich mich gewöhnen, keine Suche nach einem guten freien Platz, kein Kampf um die frei gehaltenen Stühle, während die Begleitung noch schnell mal verschwindet. Wunderbar. Wirklich wunderbar war aber der Abend mit interessanten Gesprächen und schwäbischer Kultur der unterschiedlichsten Art.

Charmant und locker führte Bernadett Schoog durch den Abend und stellte in Gesprächen die Organisatoren und Sponsoren der Albstädter Literaturtage vor. Dazwischen gab es schwäbisches Kabarett mit dem Theater Lindenhof, schwäbischen Jazz und Blues mit Volker Lässing,, Hermann Bizer und Thomas Güttinger und schwäbische Heimatmusik mit dem Singkreis Onstmettinger Kasten.

Nur Schwäbisch! Kann das denn wunderbar sein?, höre ich Nicht-Schwaben schon skeptisch sagen. Ja, kann es. Aber das wusste ich schon vor dem gestrigen Abend. Zumindest kannte ich das Theater Lindenhof und die beiden Schauspieler aus meiner Stuttgarter Zeit. Damals habe ich verschiedene Programme von ihnen gesehen, unter anderem „Kenner trinken Württemberger“, ihren Klassiker, den sie inzwischen fast 1.500-mal aufgeführt haben. Gestern haben sie Literatur über Schwaben dargeboten – von Thaddäus Troll über Eduard Mörike bis Peter Härtling. Ach was, dargeboten – inszeniert. Natürlich wurden die Texte vorgetragen, aber so kongenial – mit vollem Gesichts- und Körpereinsatz. Einfach wunderbar.

Aber auch die Herren des schwäbischen Jazz haben mich begeistert. Noch habe ich ihren „Talgang-Blues“ nicht erlebt, aber meine Schwäbisch-Kenntnisse und meine Vorstellungskraft reichen aus, um ihn mir auszumalen. Direkt vor Augen hingegen hatte ich das „Café Lenau“, dem sie ein Lied gewidmet haben und in dem ich am Donnerstag genauso empfangen wurde, wie sie es beschrieben. Als hätten sie Mäuschen gespielt.

Nicht unterschlagen darf ich natürlich den Onstmettinger Singkreis Kasten, der zunächst passend zum Motto der Literaturtage „Zeiten auf Seiten“ „Die Gedanken sind frei“ intonierte und dann mit einem Song über den „Onstmettinger Wind“ zeigten, dass die Schwaben Humor und Tempo haben.

In diesen unterhaltsamen Abend platzte ich dann mit einer Mini-Lesung aus „Brandbücher“ nach einem Interview mit Bernadett Schoog. Hätte ich das vorher gewusst – hätte ich auch diese Stelle aus dem Roman gewählt. Und irgendwie passte sie eine Woche nach dem Gedenktag zur Reichspogromnacht doch, das fanden auch einige Zuhörer, die mich nachher extra noch darauf angesprochen haben. Wenn sie dazu kamen, mich anzusprechen. Kaum hatte ich mein Headset-Mikro abgegeben, war ich umringt von Albstädtern. Ich muss nachher die zahlreichen Informationen und vor allem die Einladungen erst einmal sortieren und meinen Plan für die Woche aktualisieren. Faszinierend, was es in einer Stadt gibt, wenn man genau hinschaut und hinhört – gleich fahre ich zum Kräuterkasten und bin gespannt, was mich dort erwartet. Wo genau ich nun den Olympiasieger in der Dressur, Martin Schaudt, finde, habe ich mir nicht gemerkt, aber die Internetseite eines jungen Albstädter Gründerpreis-Trägers, der eine Teemaschine für die chinesische (!) Teezeremonie erfunden hat und die Telefonnummer der neuen Schulleiterin der Oststadtschule, Karin Hansel, um mit ihr für die nächste Woche noch eine Lesung zu vereinbaren. Auch die Landessportschule sollte ich mir anschauen und und und … jetzt aber mache ich mich erst einmal auf den Weg, um diesen Beitrag hochzuladen und zu erkunden, was es mit dem Kräuterkasten auf sich hat. © Birgit Ebbert