c-birgit-ebbert-kindergartenmappe3a(14.06.2017) Für ein Projekt war ich im ersten Halbjahr in etwa 50 Kindertageseinrichtungen unterwegs. Sehr interessant, einen Einblick in die heutigen Kindergärten zu bekommen und diese mit meinem Kinder-Erlebnis aus den 60er-Jahren und meinen Praktikantin-Erfahrungen aus den 80-ern zu vergleichen. Unter anderen durfte ich die Kindergartenmappen der heutigen Kinder anschauen. Sie heißen zwar nicht mehr Kindergartenmappe sondern Portfolio und statt Bilder auf alten Briefbögen und Stundenplänen habe ich in den Ordnern oft kopierte Vorlagen aus Portfolio-Büchern gefunden, aber sonst sind die Mappen doch sehr ähnlich. Ich gebe zu, dann wundere ich mich manchmal, wieso sich alle Beteiligten darauf einlassen, für etwas Geld auszugeben, das sie schon seit Jahren machen – nur ohne Kopiervorlage.

c-birgit-ebbert-kindergartenmappemutterDer Unterschied zwischen dem Bild, das ich als Kind über mich gemalt habe und das Ich-Bild, das heute in den Mappen ist, besteht darin, dass auf meinem Bild mit der Hand das Datum und „Das bin ich“ geschrieben wurde und heute in der Portfolio-Mappe meist „Das bin ich“ gedruckt oben auf dem Papier steht. Der Hintergrund wird sich mir nie erschließen, die Zeitersparnis wird es kaum sein, denn der Name des Kindes und manchmal auch eine Bemerkung stehen bei mir fast immer handschriftlich neben dem Werk. Aber darüber wollte ich nicht schreiben. Ich wollte von meiner Kindergartenmappe berichten, die ich kürzlich wieder in der Hand hatte und  eingescannt habe.

Meine Kindergartenmappe

c-birgit-ebbert-kindergartenmappe2bIch habe die Bilder nicht eingescannt, weil ich so von meinem Zeichentalent begeistert bin. Ich wollte dokumentieren, was Kinder in den 60-er-Jahren im Kindergarten gemalt und auch gelernt haben. Natürlich ist meine Mappe nur eine Momentaufnahme aus einer bestimmten Zeit und Umgebung. Ich bin im katholischen Münsterland aufgewachsen, was sich an den Zeichnungen zu Bibelgeschichten schnell erkennen lässt. Und ich habe einen Kindergarten besucht, der sehr nah an dem Kindergarten-Konzept von Friedrich Fröbel gearbeitet hat. Das wurde mir klar, als ich das Fröbel-Museum in Bad Blankenburg besuchte. Vieles, was dort ausgestellt wurde, habe ich als Kind selbst erarbeitet – ob es das gewebte Papiermuster ist oder die Faltarbeit, das geprickelte Haus oder die bestickte Karte, manches findet sich in der Kindergartenmappe, an anderes erinnere ich mich gut.

Portfolio gestern und heute

c-birgit-ebbert-kindergartenmappe6bAußer diesen sicher für meinen Kindergarten typischen Exponaten finden sich in meiner Mappe witzige Selbstbildnisse, Darstellungen meiner Eltern und Alltagssituationen. Aber auch schon erste Collagen aus Baumblättern und mit ausgeschnittenen Bildern aus Katalogen, so haben wir damals unseren Wunschzettel gestaltet. All diese Dinge finden sich in den meisten Portfolio-Mappen ebenso und zu meiner Freude und Überraschung habe ich in einer Grundschule kürzlich Erstklässler erlebt, die Strohhalmbilder gestalteten und Klecksographien herstellten, wie ich sie im Kindergarten gearbeitet habe. Eine meine Lieblingsbeschäftigungen gibt es heute sogar als „Kratzbuch“ zu kaufen – wir haben damals noch eine Schicht mit bunten Wachsmalkreiden bemalt und darüber schwarze Wachsmalkreide, in die wir dann mit einem spitzen Gegenstand eine Zeichnung ritzten.

Ich fand es jedenfalls – auch mit Blick auf den neuen Blog, an dem ich gerade arbeite – sehr interessant zu sehen, was ich als Kind gebastelt und gelernt habe und wie viel oder wenig sich daran bis heute geändert hat. Wer Lust hat, kann hier meine Kindergartenmappe durchblättern, aber es sind über 50 Seiten! Deshalb habe ich auf die Grundschulmappe auch noch verzichtet, die habe ich nämlich ebenfalls wiedergefunden und einige Werke aus dem Kunstunterricht des Gymnasiums, die beweisen, dass ich zurecht niemals über ein Kunststudium nachgedacht habe 🙂 Viel Spaß und wenn ihr noch eure Kindergartenmappe habt, erzählt doch, was sich darin befindet. © Birgit Ebbert

Und hier sind meine Kindergartenwerke