Andrea Behnke: Vom Großwerden und Miteinander(15.06.2013) Für mich gehören Geschichten auch im Zeitalter von Fernsehen, Internet, Gameboy und Smartphone noch immer zur Kindheit dazu. Daher freue ich mich so über die beiden Bücher von Andrea Behnke mit Geschichten zum Vorlesen und Weiterdenken. Unter dem Titel „… jeden Tag ein Stück!“ hat sie 10 „Kindergeschichten vom Großwerden“ zusammengefasst, während sich hinter dem Titel „Ich, du und wir“ „Kindergeschichten vom Miteinander“ verbergen.

In einfacher, aber anspruchsvoller Sprache erzählt Andrea Behnke kleine Geschichten aus dem Leben von Kindergartenkindern. Sie nimmt die Leser und Zuhörer mit in die Gedankenwelt der Kinder und zeigt ihnen, wie die Geschichten-Kinder mit ihren Sorgen und Nöten, Ängsten und Problemen umgehen. Da ist zum Beispiel Oscar, der sich nicht von seinem Schnuffeltuch trennen kann, und Pia, die keine Lust hat, in die Schule zu gehen, weil ihre Freundin Lena und ihre Erzieherin Marion im Kindergarten zurückbleiben. Die kleinen Zuhörer können mitleiden, sich aber auch mitfreuen, wenn die Kinder wunderbare und altersgerechte Lösungen für ihre Sorgen finden.

Die Bücher sind vorrangig für den Einsatz in der Kita oder in anderen Kindergruppen gedacht, deshalb finden sich im Anschluss an jede Geschichte drei bis vier Seiten zur pädagogischen Bearbeitung: Fragen, Lieder, Bastelanregungen, Spiele, Andrea Behnke hat tief in ihre Kreativ-Kiste gegriffen, um auch hier für Abwechslung zu sorgen.

Die zauberhaften Erzählungen eignen sich aber ganz genauso zum Vorlesen zu Hause. Und die Anregungen sind größtenteils auch in der Familie umzusetzen. Manche Mutter und mancher Vater wird sicher froh über die Tipps sein, sich nach dem Vorlesen noch intensiver mit der Geschichte und seinem Inhalt zu beschäftigen. Schon, weil sich dadurch manche Probleme, die vielleicht unterschwellig in der Familie schwelten, von alleine erledigen.

Durch beide Bücher zieht sich wie ein roter Faden, dass die Kinder und ihre Sicht der Welt im Vordergrund stehen. Auch die ansprechenden Illustrationen tragen ihren Teil dazu bei, dass dieser Eindruck haften bleibt.


Ich habe Andrea Behnke gefragt, was mir beim Lesen der Geschichten und Denkanregungen durch den Kopf gegangen ist. Da ich sie kenne und die Entstehung des Buches verfolgt habe, konnte ich mir die Antworten zwar denken. Aber davon habt ihr nichts, daher sind hier die Antworten auf meine drei Fragen:

1. Wieso hast du ausgerechnet die Themen „Großwerden“ und „Miteinander“ ausgewählt?

Die Themen haben Programmleitung, Lektorin und ich gemeinsam entwickelt. Ich hatte etliche Vorschläge gemacht – allesamt Themen, die Kindern zwischen drei und sieben Jahren beschäftigen. Dann wurden meine Vorschläge zum Teil zusammengefasst, und dabei herausgekommen sind eben jene Oberthemen. Gerade das Thema Konflikte und Zusammenleben liegt mir persönlich sehr am Herzen. 

2. Warum hast du Kinder-Protagonisten für deine Geschichten gewählt und keine Tiere oder Fantasiefiguren?

Der Verlag hat mir beim Schreiben und bei der Art Geschichten wirklich allen Freiraum gelassen. Und für mich war bei diesem Projekt sofort klar, dass ich realistische Kindergeschichten mit einer Portion Phantasie schreiben möchte. Das ist „meins“. Irgendwie hätten sich Tier- oder Fantasiefiguren für mich nicht stimmig angefühlt. Ich denke auch, dass die Kinder sich gut in die Kindercharaktere hineinversetzen können. 

3. Woher nimmst du die Ideen für die Geschichten und für die wirklich abwechslungsreichen Denkanregungen?

Bei den Denkanregungen habe ich viel aus meinem „inneren Fundus“ geschöpft, den ich mir durch meine Theatererfahrung, meine kreativen Werkstätten und durch mein Ratgeberbuch „Und was passiert dann? Geschichten erfinden mit Kindern“ geschaffen habe. Dann habe ich teilweise alte Spiele abgewandelt, habe alte Lieder umgetextet und Fingerspiele gereimt … Zwischendurch dachte ich schon mal „Puh, jetzt fällt mir nichts mehr ein“ – aber mit einem Tag Pause ging es dann doch wieder. Und woher die Ideen für die Geschichten kommen? Zumeist habe ich erst eine Figur im Kopf – es ist ein Bild, das mich förmlich anfliegt. Zum Beispiel Ben, der in den Hunden im Wald Wölfe sieht, oder ein Mädchen, das das Meer in ihren Koffer packt. Wenn dieses Bild da ist, fällt mir das Schreiben leicht.

Andrea Behnke: … jeden Tag ein Stück!: Kindergeschichten vom Großwerden. Herder 2013