(20.11.2013) Ehe ich mich gleich auf den Weg zu meiner eigenen Lesung im Bergcafé mache, schnell ein kleiner Zwischenbericht über meinen heutigen Tag. Nachdem ich mich vom Schnee-Schock erholt und das Auto vom Schnee befreit habe, konnte ich mich auf den Weg nach Ebingen machen, wo in der Martinskirche die Eröffnung der Ausstellung zur neuen Ausstattung der Martinskirche 1910 stattfand.

Dr. Veronika Mertens erläuterte in einem interessanten Vortrag, was sich Anfang des letzten Jahrhunderts in der Martinskirche getan hat und vor allem, warum überhaupt eine neue Kirche gebaut wurde. Die Bürger aus der Umgebung fanden die damalige Kirche nicht mehr passend zu ihren Villen und all den schicken Häusern. Sie wollten eine repräsentative Kirche und holten einen Stuttgarter Architekten nach Ebingen, damit er ihnen eine schöne, moderne Kirche baue.

Dieser entschied dann aber doch, den gotischen Chorraum zu belassen und nur das Hauptschiff im Jugendstil umzubauen. Zu sehen ist davon heute kaum noch etwas, auch nicht von den Fenstern und den Wandgemälden Otto Gussmanns, einem bekannten Wandmaler der Zeit. Lediglich an zwei freigelegten Stellen in der Decke ist innen noch ein Hauch von Jugendstil zu spüren. Wobei Jugendstil, wie ich auch heute gelernt habe, eigentlich nicht die richtige Bezeichnung ist. Eher war es eine neue Stilrichtung, mit der man sich von dem klassizistischen Stil abheben wollte, die damals vorherrschte.

Während die Architektur und Kunst auf einem neuen Weg war, waren auch die Theologen nicht untätig, erklärte uns Pfarrer Walter Schwaiger. Er stellte uns Adolf von Harnack vor, einen Theologen, der mit seiner Vorlesung und Schrift „Das Wesen des Christentums“ zur Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert für einige Turbulenzen sorgte. Ihm war wichtig, die Religion in den Alltag zu holen und nicht wie bis dahin das Jenseits, die Qual und den Sühnetod in den Mittelpunkt zu rücken. Es war also eine Zeit des Aufbruchs, in der die Martinskirche und auch das Ebinger Rathaus erbaut wurden. Umrahmt wurden die Vorträge musikalisch von Mahler-Stücken – passend zu den Literaturtagen nach Texten von Friedrich Rückert.

Das war der eine Teil des Tages, interessant und es wurde auch viel gelacht, vor allem im Gespräch mit den Herren Gemeinderatsvorsitzenden. Deren Lachen wurde aber eindeutig übertroffen vom Lachen der Kinder bei der Aufführung der „Zauberbühne Rottweil“ im Bildungszentrum. Der Saal war vollbesetzt mit Kindern, die vor der Aufführung erst einmal ausgiebig Manni, das Maskottchen der Kinderliteraturtage begrüßten.

Dann begleiteten sie den Löwen auf seiner Suche nach jemandem, der ihm einen Liebesbrief schrieb. Das war aber auch ein schwieriges Unterfangen, zuerst versagte der Affe, dann das Nilpferd, der Mistkäfer war ebenso wenig hilfreich wie das Krokodil und der Geier. Doch wie das so ist im wahren Leben, manchmal spielen Zufälle eine Rolle und so erreichte der Löwe am Ende doch sein Ziel. Der Weg dorthin wurde von hilfreichen Zwischenrufen, Kichern und lautem Lachen begleitet, dem sich auch die Erwachsenen kaum entziehen konnten. Christoph Frank schaffte es, die Kinder mitzunehmen und zu begeistern, sicher auch dank seiner liebenswürdigen Figuren und den kleinen Zaubertricks, die er in das Programm eingebaut hatte. Aus Sorge, dass ich nicht rechtzeitig in Burgfelden sein würde, habe ich darauf verzichtet, hinter die Kulissen zu schauen. Vielleicht kann ich das mailisch nachholen. Jetzt springe ich ins Ortsamt und schaue, ob ich den Beitrag noch hochladen kann, ehe ich zum Bergcafé stiefele und dort aus „Brandbücher“ lese.