Dieses Foto war der Anstoß für die Idee des Gruppen-Krimis.

(08.05.2013) Alles begann damit, dass mich Bernd Hoffmann, der Administrator der Facebook-Gruppe „Du bist ein Hagener, wenn …“ fragte, ob ich nicht Lust hätte, in der Gruppe einen Krimi zu schreiben, der in Hagen spielt.
Da ich für Schreib-Experimente immer offen bin, habe ich gleich zugesagt. Wenige Tage später ging es los und kurz darauf bekam ich eine Anfrage der Westfalenpost für ein Interview.
Bis dahin hatte ich mich nicht mit der Frage beschäftigt, ob jemand bereits einen Krimi bei Facebook geschrieben hatte. Also habe ich vor dem Interviewtermin hektisch gegoogelt und den Zwirbler gefunden, ein Projekt des Autors Gergely Terglasy. Der eindeutig erste Facebook-Roman der Welt, der am 1. Juli 2010 begonnen wurde.
Mehr habe ich bis zum Interview nicht gefunden. Es gab einige Romane, in denen Facebook eine Rolle spielte, aber keinen gemeinsam geschriebenen Krimi in einer bestehende Facebook-Gruppe. Das führte zu der Headline „Hagener schreiben am ersten Facebook-Roman“ in der Westfalenpost.
Kaum war der Artikel erschienen, meldete sich bereits jemand, der das „Urheberrecht“ für den ersten Facebook-Roman beanspruchte. Er hatte mit seiner Gruppe im Oktober 2012 ein 16-seitiges Märchen geschrieben, das mir bis dahin völlig unbekannt war.
Nun war ich doch neugierig geworden, ob es einen Krimi gibt, der bei Facebook entstanden ist. Ich fand heraus, dass Sebastian Fitzek ein ähnliches Projekt im Januar 2011 gestartet hatte. Allerdings war die Teilnahme nur über eine App möglich und es wurde unter den Teilnehmern über die Beiträge abgestimmt. Also doch ein bisschen anders als bei uns.
In den USA hat jemand etwas Ähnliches initiiert wie Sebastian Fitzek, Willy Chyr, und er hat auch gleich einen Namen für die Art des Roman-Schreibens erfunden oder verwendet: Collabowriters.
Unser Projekt ist höchstens vergleichbar mit dem Versuch, den eine Versicherungsgesellschaft gestartet hat. Ihr Krimi-Experiment war jedoch als Gewinnspiel gedacht und die Beiträge standen lose hintereinander.
Wir wünschen uns einen Krimi, der spannend ist und in dem all jene Winkel Hagens vorkommen, an die man sich gerne erinnert.
Schließlich gab es noch das Projekt „Das Gegenteil vonHenry Sy“ von Stephan Petermann, der das Leben eines fiktiven Menschen in der Facebook-Chronik über drei Monate hinweg erschaffen hat. Die User konnten die Entwicklung mitlesen, allerdings nicht mitschreiben.
Fazit: Ein vergleichbares Projekt, bei dem innerhalb einer bestehenden Facebook-Gruppe ein Krimi geschrieben wird, habe ich noch nicht gefunden. Ich freue mich aber über jeden Hinweis auf andere Projekte. Nachdem ich nun schon in das Projekt hineingestolpert bin, möchte ich gerne möglichst viel über „kollaboratives Schreiben“ wissen – diese Bezeichnung habe ich mir nicht ausgedacht, sondern in einem Fachbeitrag gefunden.

Unser Projekt ist übrigens denkbar einfach:

Ich habe eine Szene vorgegeben und die Gruppen-Mitglieder kommentieren meinen Anfang bzw. die Fortsetzungen der anderen fortlaufend. Ich sammle alle Beiträge, füge notfalls Übergänge ein, glätte Doppelungen und Fehler und stelle die Kapitel in einen Blog, in dem man die ganze Story lesen kann. Dort findet sich auch eine Übersicht über die bisherigen Autoren, die immer aktualisiert wird, und die Personen, die im Krimi vorkommen.

Die einzige Spielregel ist, dass jeder in einem Kommentar höchstens zehn Sätze schreiben sollte, damit die anderen mit dem Lesen noch nachkommen.
Bis heute gibt es immerhin gut 50 Manuskriptseiten und noch viele Textpassagen, die ich am Ende einfüge, wenn der Täter je gefunden wird, was ich natürlich hoffe.
Wer weiß, vielleicht gibt es dann sogar eine Lesung an der Volme oder eine Stadtrundfahrt auf den Spuren unserer Ermittler.
Und jetzt höre ich mit der Recherche auf und schaue stattdessen, welche Fortschritte die Tätersuche der Soko Volme machen. © Birgit Ebbert